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Hirschhorner Stadtanzeiger
Ausgabe 21/2026
Vereine und Verbände
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Freundeskreis Langbein`sche Sammlung - "Farbe & Furnier – die ganze Geschichte" - Teil 3

Dr. Richard André

Sein Sohn Dr. Richard André studierte Chemie und übernahm die Färberei. Er spezialisierte sich auf das Buntfärben mit Anilinfarbstoffen, die eine breitere Farbpalette boten. Die Firma lieferte ihre gefärbte Seide ins europäische Ausland, u.a. nach Brüssel, Mailand, London, Lyon und St. Petersburg.

Aufgrund des Ersten Weltkrieges brachen diese Absatzmärkte weg. Um konkurrenzfähig zu bleiben, kam es in den 1920er-Jahren zur Färbung der neu entwickelten Stickkunstseide. Außerdem erweiterte Richard André das Angebot mit der Baumwoll- und Wollstrangfärberei, einer Bleicherei, der Veredlung von Baumwollgarnen und der Kreuzspulenfärberei. Bis zu 150 Personen waren beschäftigt.

Zweiter Weltkrieg und Zeit nach 1945

Während des Zweiten Weltkrieges musste die Firma Uniformen für das Militär waschen. Aus gesundheitlichen Gründen zog sich Richard André zurück und sein Neffe, der Flugzeugingenieur Dr. Walter Nücker aus Dessau, führte die Firma weiter. Von 1945-1948 erfolgte eine Beschlagnahmung durch die amerikanische Besatzungsmacht, weshalb es zur Färbung von Uniformen kam.

Die Söhne Hans und Gerhard André übernahmen nach einer Einarbeitungszeit 1950 die Firmenleitung. Unter ihnen konnte 1965 das 200-jährige Firmenjubiläum im „Naturalisten“ gefeiert werden, worüber die Hessische Neckarpost schrieb: „Tradition und Fortschritt – Hand in Hand.“ Das Unternehmen konzentrierte sich auf die Färbung von Woll- und Strickgarnen und eröffnete 1971 eine Teppichfärberei. Zu Beginn der 1980er-Jahre kam es zu einem Eigentümerwechsel.

 

 

Nachfolgeunternehmen

Harald und Hannelore Groß gründeten 1982 die Textilfärberei Hirschhorn als Nachfolgeunternehmen. Harald Groß war bei der Firma André beschäftigt gewesen und brachte sein Wissen ein. Aus der bisherigen Lohnfärberei wurde ein Unternehmen, das Garne, Muster und Farben für Kollektionen entwarf. Harald Groß entwickelte auch eine Sprühdüse für den Farbauftrag auf Wolle, die in der Ausstellung zu sehen ist.

 

 

2005 kaufte Michael Thierling die Färberei. Entsprechend den Kundenwünschen werden u.a. Wolle, Seide, Alpaka, Kaschmir, Baumwolle, Leinen und Polyester gefärbt. Zu den Arbeitsfeldern gehören auch der Garndruck sowie die Entwicklung von Garnen, Mustern und Farben. Zu den Kunden zählen die Textilfirmen Falke, Triumph und Gütermann. Großen Wert wird auf biologisch-abbaubare und nachwachsende Rohstoffe sowie auf eine umweltschonende Produktion gelegt. Die Firma hat 21 Beschäftigte.

Neben der Färberei gibt es mit Dekodur in Hirschhorn ein weiteres Unternehmen, das auf die Familie André und ihr Furnierwerk zurückgeht.