Wenn es in Gärten, auf Grünflächen und in Wohngebieten ruhig wird, beginnt für viele Tiere erst die aktive Zeit. Genau dann geht von Mährobotern eine besondere Gefahr aus. Deshalb untersagt der Kreis Bergstraße künftig den nächtlichen Betrieb der Geräte im gesamten Kreisgebiet. Mit der Allgemeinverfügung will die Untere Naturschutzbehörde vor allem Igel, Amphibien und weitere kleine Wirbeltiere besser schützen und vermeidbare Verletzungen verhindern.
„Viele Wildtiere sind in der Dämmerung und in der Nacht unterwegs. Gerade Igel reagieren bei Gefahr nicht mit Flucht, sondern rollen sich ein – und genau das kann ihnen gegenüber Mährobotern zum Verhängnis werden. Mit der neuen Regelung schaffen wir einen konkreten und verhältnismäßigen Schutz für Tiere im gesamten Kreis Bergstraße“, erklärt der hauptamtliche Kreisbeigeordnete und für das Thema zuständige Dezernent Matthias Schimpf.
Grundlage der Maßnahme sind das Bundesnaturschutzgesetz und das Hessische Naturschutzgesetz. Danach ist der Betrieb von Mährobotern im Kreis Bergstraße in der Zeit von einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis zu einer halben Stunde nach Sonnenaufgang des folgenden Tages verboten. Die Regelung gilt für alle selbsttätig arbeitenden Mähroboter. Ausgenommen sind Geräte in geschlossenen Räumen sowie auf Gründächern.
Hintergrund der Entscheidung ist die dokumentierte Gefährdung insbesondere des Westigels sowie heimischer Amphibien. Diese Arten sind besonders geschützt. Zudem wurde in mehreren europäischen Ländern in den letzten Jahrzehnten eine deutlichen Bestandsrückgang des Igels beobachtet – so auch in Deutschland. Zudem werden seit Frühjahr 2023 steigende Fallzahlen bei Igelverletzungen durch Mähroboter verzeichnet. Weil viele kleine Tiere nachts auf Nahrungssuche gehen, ist das Risiko in den Abend- und Nachtstunden dabei besonders hoch. Tagsüber können die Mähroboter weiterhin genutzt werden.
In begründeten Einzelfällen sind Ausnahmen möglich, wenn nachgewiesen wird, dass durch den Einsatz eines Mähroboters keine Gefahr für Igel und andere kleine Wirbeltiere entsteht – etwa durch geeignete technische Schutzvorkehrungen. Auch Befreiungen können unter bestimmten naturschutzrechtlichen Voraussetzungen beantragt werden.
Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Bergstraße. Anträge können per E-Mail an unb@kreis-bergstrasse.de, schriftlich oder zur Niederschrift eingereicht werden. Weitere Informationen hierzu gibt es unter https://www.kreis-bergstrasse.de/buergerservice-views/leistungen/HES:entry:353719-VLR/artenschutzrechtliche-ausnahmegenehmigung-und-befreiung/.
Ein harmlos wirkender Chat, eine Freundschaftsanfrage oder eine Nachricht in sozialen Netzwerken – oft beginnt sexuelle Gewalt im Internet unscheinbar. Um Kinder und Jugendliche frühzeitig für diese Gefahren zu sensibilisieren, hat der Kreis Bergstraße gemeinsam mit zahlreichen Partnern erneut mehrere Projekttage der Kampagne „Brich Dein Schweigen – hinter jedem Missbrauch steckt ein Gesicht“ an Schulen im Kreisgebiet durchgeführt. Stationen waren das Überwald-Gymnasium in Wald-Michelbach, die Erich-Kästner-Schule in Bürstadt sowie die Schillerschule in Bensheim-Auerbach. Im Mittelpunkt standen jeweils die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 7.
Die Kampagne wurde vom Verein Bürger und Polizei Bergstraße e.V., den Rotary Clubs der Region sowie dem Polizeipräsidium Südhessen initiiert und wird vom Kreis Bergstraße unterstützt. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche über sexuellen Missbrauch und digitale Übergriffe aufzuklären, Schutzmechanismen aufzuzeigen und Betroffene zu ermutigen, sich Hilfe zu holen. Mittlerweile beteiligen sich bereits neun Schulen im Kreis Bergstraße an dem Projekt.
„Leider steigen die Zahlen von sexuellem Missbrauch an Kindern weiterhin an. Das zeigt, wie wichtig Präventionsarbeit ist – insbesondere in Verbindung mit Medienkompetenz. Viele Kontaktanbahnungen zwischen Tätern und Kindern finden heute über das Internet statt. Deshalb müssen wir junge Menschen frühzeitig stärken und gleichzeitig Eltern dafür sensibilisieren, was ihre Kinder online erleben, bevor etwas passiert“, betont die Erste Kreisbeigeordnete und Jugenddezernentin Angelika Beckenbach. „Der Kampf gegen Kindesmissbrauch hat für uns höchste Priorität. Nur gemeinsam mit Schulen, Polizei, Jugendhilfe, Präventionsfachkräften und Familien können wir Kinder und Jugendliche wirksam schützen.“
Zentraler Bestandteil der Projekttage war die Schulversion des Dokumentarfilms „Gefangen im Netz“, der eindrücklich zeigt, wie Täterinnen und Täter über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder Online-Plattformen gezielt Kontakt zu Minderjährigen aufbauen. Die Schulen bereiteten die Schülerinnen und Schüler im Unterricht intensiv auf die Inhalte vor und arbeiteten die Themen anschließend gemeinsam nach. Ergänzend standen Fachkräfte für Gespräche und Unterstützung bereit.
Auch der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf, der Angelika Beckenbach beim Termin an der Schillerschule in Bensheim-Auerbach vertrat, unterstrich die Bedeutung der Initiative: „Kinder und Jugendliche bewegen sich heute ganz selbstverständlich im digitalen Raum. Umso wichtiger ist es, dass wir sie dort nicht alleinlassen. Prävention bedeutet, frühzeitig aufzuklären, aufmerksam zuzuhören und klare Hilfswege aufzuzeigen. Diese Projekttage leisten dazu einen wichtigen Beitrag.“
Im Anschluss an die Filmvorführungen kamen die Jugendlichen mit Expertinnen und Experten aus Präventionsarbeit, Jugendhilfe, Polizei und Opferschutz ins Gespräch. Vertreterinnen und Vertreter des Jugendamtes des Kreises Bergstraße, des Weißen Rings, der Polizei, der Schulpsychologie sowie der jeweiligen Schulen beantworteten Fragen der Schülerinnen und Schüler und informierten über Hilfsangebote. Dabei wurde insbesondere deutlich gemacht, wie wichtig Vertrauenspersonen sind und dass Betroffene sich jederzeit Unterstützung holen können – unabhängig davon, ob Übergriffe im digitalen Raum oder im persönlichen Umfeld stattfinden.
Aktuelle Zahlen unterstreichen die Bedeutung solcher Präventionsangebote. Bundesweit wurden im Jahr 2024 mehr als 16.000 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern polizeilich registriert. Fachleute gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Gleichzeitig gewinnt das Internet als Tatort immer weiter an Bedeutung. Der Kreis Bergstraße setzt daher weiterhin auf die enge Zusammenarbeit mit Schulen, Polizei, Jugendhilfe und weiteren Partnern, um Kinder und Jugendliche zu stärken, Risiken sichtbar zu machen und eine Kultur des Hinschauens zu fördern.
Mehr Informationen zum Thema finden Interessierte unter https://www.kreis-bergstrasse.de/unser-buergerservice/familie-jugend-senioren/angebote-an-schulkinder-und-jugendliche/jugendfoerderung-und-jugendschutz/kampagne-brich-dein-schweigen/.
So lange wie möglich selbstbestimmt und in den eigenen vier Wänden wohnen können, auch noch im fortgeschrittenen Alter – das ist ein Wunsch, den viele Menschen haben. Im Kreis Bergstraße hilft „PauLa“, die psychosoziale Fachkraft auf dem Land, Seniorinnen und Senioren dabei.
PauLa unterstützt Klientinnen und Klienten in beratender Funktion. Im Bedarfsfall vermittelt sie Hilfesuchende an passgenaue Angebote vor Ort – unabhängig, neutral und kostenlos. Ziel ist es dabei, dass ältere Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung zu Hause wohnen können, bevor Pflegebedürftigkeit eintritt. Die psychosozialen Fachkräfte sind dabei rein vorbeugend tätig, sie beraten und vermitteln, pflegerische Tätigkeiten übernehmen sie nicht.
Um Wartezeiten zu vermeiden, wird um telefonische Anmeldung unter der Telefonnummer 06252 / 154 031 oder per Mail unter paula-novo@kreis-bergstrasse.de gebeten.
Mit innovativen Ideen, neuen Projekten und einem starken Netzwerkgedanken stand der jüngste Pflegetisch des Kreises Bergstraße ganz im Zeichen der Zukunft der Pflege. Rund 60 bis 70 Fachkräfte aus Pflege, Beratung, Medizin und Verwaltung kamen dazu kürzlich in Lampertheim zusammen, um aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und gemeinsam Impulse für eine zukunftsfähige Versorgung im Landkreis zu setzen. Im Mittelpunkt standen dabei neue Wohn- und Unterstützungsformen für ältere Menschen sowie die enge Zusammenarbeit aller Akteure im Pflegebereich.
„Pflege kann nur gemeinsam gelingen. Der Pflegetisch zeigt immer wieder, wie wertvoll der Austausch zwischen allen Beteiligten ist – von den Pflegeeinrichtungen über Beratungsstellen bis hin zu Kliniken und Kommunen“, betonte Erste Kreisbeigeordnete Angelika Beckenbach. „Gerade angesichts des demografischen Wandels brauchen wir innovative Ideen, starke Netzwerke und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und neue Wege mitzugestalten.“
Im Rahmen der Veranstaltung wurden zahlreiche regionale Projekte und Initiativen vorgestellt. Die Diakonie-Station Lampertheim gab Einblicke in ihre Arbeit und zukünftige Entwicklungen. Dr. Csaba Franz Reich informierte über den Aufbau der geriatrischen Abteilung am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim und hob die Bedeutung einer engen Verzahnung von stationärer Behandlung und ambulanter Nachversorgung hervor. Große Aufmerksamkeit erhielten zudem innovative Projekte, wie „Wohnen für Hilfe“ und ein geplanter Pflegebauernhof, die neue Ansätze für Betreuung und Unterstützung älterer Menschen aufzeigen. Auch die Arbeitsgruppe Beratung und Vernetzung präsentierte ihre Fortschritte: Vorgestellt wurde ein gemeinsamer Flyer mit Beratungsangeboten aus Prävention, Pflegeberatung und Hospizarbeit im Kreis Bergstraße. Dieser soll künftig unter anderem in Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäusern ausliegen und Betroffenen sowie Angehörigen den Zugang zu passenden Ansprechpartnern erleichtern. Ein weiterer Schwerpunkt war das Jahresprojekt „Sterben – wenn das Leben leiser wird“, das mit einer Karikaturenausstellung und begleitenden Vorträgen dazu beitragen soll, das Thema Sterben stärker in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken.
Der Pflegetisch des Kreises Bergstraße bringt regelmäßig Fachkräfte und Institutionen aus dem Pflegebereich zusammen, um Projekte vorzustellen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln. Der nächste Pflegetisch ist für Herbst 2026 geplant.