Wer für sein Kind oder einen jungen Menschen mit einer (drohenden) Behinderung Unterstützung sucht, sieht sich häufig mit einer Vielzahl an Zuständigkeiten, Anträgen und gesetzlichen Regelungen konfrontiert. Damit Familien in dieser Situation nicht den Überblick verlieren, bietet der Kreis Bergstraße mit seiner Verfahrenslotsin ein unabhängiges Beratungs- und Unterstützungsangebot. Seit 2024 begleitet Manuela von der Weth Kinder, Jugendliche, junge Volljährige bis 27 Jahre sowie deren Familien dabei, passende Hilfen zu finden, Anträge zu stellen und ihre Ansprüche wahrzunehmen. Das Angebot wird inzwischen immer stärker nachgefragt.
"Gerade Familien mit Kindern oder Jugendlichen, die auf Eingliederungshilfe angewiesen sind, stehen oft vor einem unübersichtlichen System mit vielen verschiedenen Ansprechpartnern. Unsere Verfahrenslotsin sorgt dafür, dass Betroffene Orientierung erhalten und ihre Rechte kennen. Dieses Angebot ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit", betont die Erste Kreisbeigeordnete und Jugenddezernentin Angelika Beckenbach.
Die Verfahrenslotsin informiert über mögliche Leistungen der Eingliederungshilfe sowie weiterer Rehabilitationsträger, unterstützt bei der Antragstellung, hilft beim Formulieren individueller Wünsche und Bedarfe und begleitet Familien bei Bedarf auch zu Gesprächen mit Behörden oder anderen Leistungsträgern. Die Beratung erfolgt freiwillig, kostenlos, unabhängig und vertraulich - persönlich, telefonisch, per Videoberatung oder auf Wunsch auch im häuslichen Umfeld der Familien. Bei Bedarf vermittelt die Verfahrenslotsin zudem passende Ansprechpersonen und Unterstützungsangebote innerhalb des Kreises Bergstraße.
"Unser Ziel ist es, Familien nicht allein durch den Paragrafendschungel gehen zu lassen. Die Verfahrenslotsin ist eine wichtige Schnittstelle zwischen Jugendhilfe und Eingliederungshilfe. Sie hilft dabei, den individuellen Unterstützungsbedarf frühzeitig zu erkennen und die richtigen Leistungen auf den Weg zu bringen. Die steigende Zahl der Beratungen zeigt deutlich, wie groß der Bedarf an diesem Angebot ist", erklärt Kai Kuhnert, Leiter des Jugendamtes des Kreises Bergstraße. So wurden im Jahr 2024 rund 140 Beratungen durchgeführt, 2025 stieg die Zahl bereits auf rund 240 Begleitungen. Die Kontakte entstehen überwiegend über Schulen, Kindertagesstätten, Kliniken und andere Einrichtungen.
Rechtliche Grundlage für das Angebot ist § 10b des Achten Sozialgesetzbuches (SGB VIII). Verfahrenslotsinnen und -lotsen wurden im Zuge des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes (KJSG) eingeführt. Ziel ist es, Kinder, Jugendliche und junge Volljährige mit (drohender) Behinderung sowie deren Familien beim Zugang zu Leistungen der Eingliederungshilfe zu begleiten und die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Leistungssystemen zu erleichtern. Perspektivisch soll damit auch der Übergang zu einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe unterstützt werden.
Weitere Informationen zum Angebot der Verfahrenslotsin, den Kontaktmöglichkeiten sowie den Beratungsangeboten finden Interessierte unter https://www.kreis-bergstrasse.de/unser-buergerservice/familie-jugend-senioren/familienbegleitende-dienstleistungen/verfahrenslotse/.
Starkregen trifft oft innerhalb weniger Minuten und kann Straßen, Keller oder ganze Wohngebiete überfluten. Als Folge extremer Wetterlagen stellt er Städte und Gemeinden zunehmend vor große Herausforderungen. Vor allem mit Blick auf den fortschreitenden Klimawandel rücken Starkregenereignisse zunehmend in den Fokus von Fürsorge und Gefahrenabwehr. Mit den neuen Starkregengefahrenkarten stellt der Kreis Bergstraße Bürgerinnen und Bürgern deshalb ab sofort ein wichtiges Instrument zur Verfügung, um mögliche Risiken für Haus und Grundstück frühzeitig zu erkennen und sich besser auf Extremwetterereignisse vorzubereiten. Die Karten stehen kostenfrei und ohne Anmeldung über das Geo-Informationssystem des Kreises zur Verfügung.
„Vor allem die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal hat gezeigt, wie wichtig es ist, Risiken frühzeitig zu erkennen und Vorsorge zu treffen. Denn Starkregen kann nicht nur an Flüssen und Bächen, sondern auch weit abseits von Gewässern zu gefährlichen Überflutungen führen. Mit den neuen Starkregengefahrenkarten schaffen wir mehr Transparenz und geben Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen sowie Einsatzkräften eine wichtige Grundlage, um sich gezielt auf solche Ereignisse vorzubereiten. Prävention ist der beste Schutz“, betont Landrat Christian Engelhardt, zugleich Verbandsvorsteher des Gewässerverbandes Bergstraße.
Bereits vor rund 15 Jahren wurden durch die Bundesländern Hochwassergefahrenkarten erstellt, die wichtige Informationen zu Überschwemmungsrisiken an größeren Gewässern liefern. Im Kreis Bergstraße konzentrierten sich diese bislang vor allem auf Rhein, Neckar und Weschnitz. Die neuen Starkregengefahrenkarten des Gewässerverbandes Bergstraße (GVB) gehen nun einen entscheidenden Schritt weiter: Sie berücksichtigen Überflutungen unabhängig von der Größe eines Gewässers und zeigen, wo sich Wasser bei außergewöhnlich starken Niederschlägen aufstauen, abfließen oder gefährliche Strömungen entwickeln kann. Damit schließen sie eine wichtige Lücke in der bisherigen Gefahrenvorsorge.
Grundlage für die Karten sind hochpräzise Geländemodelle, detaillierte Vermessungen aus der Luft sowie ergänzende Vor-Ort-Begehungen und Nachvermessungen. So können Fließwege, Wassertiefen und Strömungsverhältnisse realitätsnah dargestellt und mögliche Gefährdungen für einzelne Gebäude oder Grundstücke besonders präzise eingeschätzt werden.
Die Starkregengefahrkarten sind ab sofort auf der Webseite des Kreises Bergstraße abrufbar. Über „Unser Bürgerservice“ → „Bauen und Wohnen“ → „Geo-Informationssystem und Bauleitplanung“ gelangen Interessierte zur Kartenanwendung. Dort kann über die Kartenansicht die Starkregengefahrenkarte ausgewählt und der gewünschte Standort entweder durch Zoomen oder über die Adresseingabe gesucht werden. Ergänzende Informationen liefert die hinterlegte Legende mit Erläuterungen.
Mit überraschender Leichtigkeit und zugleich großer Ernsthaftigkeit hat die Karikaturenausstellung „Wenn der Tod dich anlacht“ von April bis Mai 2026 in zahlreichen Städten im Kreis Bergstraße Halt gemacht. Als Teil und zentraler Baustein des Jahresprojekts der Fachstelle Leben im Alter „Sterben – wenn das Leben leiser wird“ verfolgte die Wanderausstellung das Ziel, das gesellschaftliche Tabu rund um die Themen Sterben und Tod aufzubrechen und eine neue Gesprächskultur zu fördern. Dabei zeigte sie auch, wie Humor dazu beitragen kann, diese schwierigen und häufig gemiedenen Themen zugänglicher zu machen, ohne den Tod zu verharmlosen. Vielmehr wurden die Besucherinnen und Besucher dazu eingeladen, sich frühzeitig mit diesen Themen auseinanderzusetzen, Berührungsängste abzubauen, Wissen zu gewinnen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
„Uns ist ein offener, zugänglicher und sicherer Austausch mit diesem Thema wichtig, denn es ist ein Teil des Lebens, der mit unglaublichen Gefühlen, Erfahrungen und Umwälzungen verbunden ist. Das macht es nicht einfach, darüber zu reden. Hintergrund der Karikaturenausstellung war es daher, auf sanfte, aber auch humorvolle Weise sich an das Thema heranzutasten“, erklärt die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Angelika Beckenbach.
Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege sowie der HAGE e. V. – Arbeitsbereich KASA. Die Ausstellung war in zahlreichen Orten im Kreis zu sehen, darunter in Hirschhorn, Wald-Michelbach, Lindenfels, Bensheim, Zwingenberg, Heppenheim, Bürstadt und Viernheim.
Ergänzt wurde die Ausstellung durch Vorträge und Informationsveranstaltungen zu Hospizarbeit, Trauerbegleitung, psychosozialer Unterstützung sowie Bestattungsvorsorge und -formen. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf kultursensiblem und interkulturellem Sterben sowie den unterschiedlichen religiösen und kulturellen Vorstellungen von Abschied, Tod und Trauer. Fachkräfte aus Hospizdiensten, Bestattungshäusern und sozialen Einrichtungen standen dabei auch für individuelle Fragen zur Verfügung.
Auch nach dem Ende der Ausstellung soll das Thema im Kreis Bergstraße präsent bleiben. Geplant sind unter anderem Büchertische in Buchhandlungen, Büchereien und Bibliotheken, die thematisch passende Literatur zu den Themen Hospizarbeit, Trauer, Abschied und Vorsorge bereitstellen. Damit soll das Projekt als Impuls für einen langfristig offeneren Umgang mit den letzten Lebensfragen dienen.