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Hirschhorner Stadtanzeiger
Ausgabe 33/2023
Vereine und Verbände
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Förderverein Klosterkirche

Klosterkirche wurde zur Musicalbühne

Die Klosterkirche war zum Bersten gefüllt als ein junges Ensemble der Hochschule für Musik Karlsruhe mit Musical- und Filmmusik aufwartete. Trotz kleiner Besetzung war der Sound sinfonisch, Antonia Lechner sang und führte durch das Programm.

Da das Schlagzeug (Tim Brucker), obwohl es hinter einer durchsichtigen Schallwand stand, eine gewisse Mindestlautstärke vorgibt, mussten Instrumente und Gesang elektronisch verstärkt werden. Hier die Balance zu wahren, war eine heikle Aufgabe, die jedoch Audio-Engeneer Martin „Mike“ Müller souverän meisterte.

Akustisch ins rechte Licht gerückt, konnte die Gruppe dann rundum überzeugen und das Publikum ging vom ersten Titel an begeistert mit. Antonia Lechner sang textverständlich in allen Lagen, führte ihre Stimme mit Ausdruck und verstand es auch, die schauspielerische Komponente von Musicalrollen, der Königsdisziplin heutiger populärer Musik, gekonnt einzubringen. Dabei wirkten ihre Ansagen völlig gelöst, offen und dem Publikum zugewandt. Das ist es wohl, was man von einem Bühnentalent erwartet. Die Palette des mit „Memories“ überschriebenen Programms reichte von klassischen Musicals wie „Cats“ oder „Grease“ über Disney-Produktionen à la „Dschungelbuch“ oder „The Lion King“ bis zu den Kunstgewächsen der großen Musicaltempel, wie „Wicked“ oder „Frozen“. Mitunter gab es Duette und David Neumeier, der auch Posaune spielte, sang Tenor. Dabei harmonierte er mit Antonia stimmlich sehr gut und es entstanden kleine Spielszenen.

Tim Brucker hatte neben dem Schlagzeug allerhand instrumentale Klang-Spielereien bis hin zum virtuosen Glockenspiel beizusteuern, Theresa Flösch glänzte am Klavier, Hendrik Rekers spielte seine Gitarre oder den E- Bass souverän, Maria, Theresa und Franz Lechner übernahmen den Part des Streichorchesters in professioneller Manier. Die klassische Theatersouffleuse ersetzt heute ein Teleprompter, so dass für alle Eventualitäten vorgesorgt war und der Abend klappte wie am Schnürchen. Für das Ensemble war es bereits der dritte Auftritt in Hirschhorn und, wie Aloisia Sauer treffend bemerkte: Die jungen Leute schafften es, sich von Mal zu Mal weiter zu entwickeln und musikalisch zu steigern. So waren frenetischer Jubel, eine fetzige Zugabe („Let’s do the Time Warp again“) und Standing Ovations vorprogrammiert.

Wie es weiter geht? Die ein oder andere Musikerkarriere scheint vorprogrammiert. Dass es alle übrigens auch ohne Elektronik drauf haben, bewiesen sie in einem Experiment: Zu „Can you feel the Love tonight“ formierete sich ein Quintett und sang unverstärkt à capella zum Heulen schön. Damit war eigentlich alles gesagt.

Pater Sijoy sprach den Abendsegen und Paul Keßler (1. Vors. Förderverein) verschaffte dem Team Aloisia Sauer und Christina Lechner Zeit, den Sektausschank vorzubereiten, indem er wieder ein Häppchen spannender Kirchengeschichte kredenzte: Der Bau dauerte im Jahr 1400 nur ganze 6 Jahre. Ohne Maschinen und besserwissende Behörden. Und das Ensemble steht nun schon über 600 Jahre. Châpeau, angesichts dieser Leistung!

Text: R. Autenrieth