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Hirschhorner Stadtanzeiger
Ausgabe 7/2026
Aus dem Rathaus
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Nachrichten aus dem Landratsamt

Auch im Jahr 2026 gibt es für Vereine und Institutionen aus den Bergsträßer Odenwald-Gemeinden die Möglichkeit, einen Projektzuschuss aus dem hessenweiten Förderprogramm „Regionalbudget“ zu beantragen. Gefördert werden Projekte, die beispielsweise eine regionale Identität schaffen, die Ehrenamtsstruktur stärken, Dorftreffpunkte für Jung und Alt schaffen oder das touristische Angebot ausbauen.

Bis zum 15. Februar haben Projektverantwortliche aus Hirschhorn die Möglichkeit, einen Antrag für das Regionalbudget 2026 zu stellen. Die Brutto-Gesamtkosten eines Projekts dürfen hierbei nicht über 20.000 Euro liegen. Die Förderquote liegt dabei bei 80 Prozent der förderfähigen Kosten. Davon ausgeschlossen sind kommunale Pflichtaufgaben. Ebenso können Gegenstände unter 410 Euro (netto) nicht gefördert werden. Bauliche Vorhaben und solche, die eine Genehmigung voraussetzen, sind ebenso von einer Förderung durch das Regionalbudget ausgeschlossen wie Unternehmen.

Die Rechnungen müssen spätestens bis zum 15. Oktober 2026 eingereicht werden. Projekte, die später abgerechnet werden, können keine Berücksichtigung finden. Die Auszahlung der Fördermittel soll bis Ende des Jahres 2026 erfolgen.

Der Förderausschuss der Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) wählt die Projekte in einem transparenten Verfahren nach einem festgelegten Projektauswahlkatalog aus.

Weitere Informationen und Beispiele zum Regionalbudget gibt es auf der Homepage der Interessengemeinschaft Odenwald unter https://region-odenwald.de/foerderprogramm/regionalbudget-foerderung/.

Mehr Verbindlichkeit, mehr Arbeitsperspektiven, weniger Bürokratie

Die Arbeitslosigkeit ist im Kreis Bergstraße im Januar 2026 gestiegen. So waren 7.222 Menschen arbeitslos gemeldet, 5,88 Prozent mehr als im Dezember. Allerdings 117 Personen beziehungsweise 1,65 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 4,8 Prozent und lag 0,3 Prozentpunkte über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie bei 4,7 Prozent. Zum Vergleich: Für Hessen insgesamt liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 6,1 Prozent, deutschlandweit bei 6,6 Prozent.

2026 bringt mehrere bundespolitische Weichenstellungen, die sich unmittelbar auf viele Bürgerinnen und Bürger im Kreisgebiet und auch die Arbeit des kommunalen Jobcenters Neue Wege Kreis Bergstraße auswirken werden: unter anderem die geplante Umstellung des Bürgergeldes zur neuen Grundsicherung, die Aktivrente als Anreiz für freiwilliges Weiterarbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus sowie Pläne für eine einheitliche Pendlerpauschale. Außerdem ändern sich die Leistungsansprüche für geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer.

Nach den Informationen der Bundesregierung soll das Bürgergeld zur „neuen Grundsicherung“ weiterentwickelt werden. Ziel ist es, Leistungen „gerechter und treffsicherer“ auszugestalten und den Grundsatz des „Forderns und Förderns“ zu stärken – mit verbindlicheren Rechten und Pflichten sowie spürbareren Konsequenzen, wenn Mitwirkung ausbleibt. Gleichzeitig sollen die Jobcenter Menschen auf dem Weg in Arbeit besser unterstützen können.

Landrat Engelhardt hatte sich bereits im Kontext der geplanten Reformen klar positioniert: Er begrüßt insbesondere eine deutlich stärkere Mitwirkungspflicht und mehr sowie einfachere Sanktionsmöglichkeiten, damit die Grundsicherung stärker als Übergangsleistung wirkt und Missbrauch erschwert wird.

Eine weitere wichtige Neuerung betrifft Geflüchtete aus der Ukraine, die seit April 2025 nach Deutschland gekommen sind. Nach Angaben der Bundesregierung werden sie künftig nicht mehr Leistungen nach dem Bürgergeld erhalten, sondern unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen. Gleichzeitig ändern sich die Zuständigkeiten: Statt der Jobcenter sind künftig vor allem kommunale Behörden wie die Sozialämter verantwortlich.

Positiv bewertet der Landrat auch die neu in Kraft getretene Aktivrente. Nach Angaben der Bundesregierung soll ein Hinzuverdienst von bis zu 2.000 Euro zusätzlich steuerfrei möglich sein, wenn Menschen nach Erreichen der Regelaltersgrenze freiwillig weiterarbeiten. Damit soll das Weiterarbeiten attraktiver werden. Ein Ansatz, der angesichts des Fachkräftemangels auch im Kreis Bergstraße zusätzliche Potenziale mobilisieren kann.

Zudem wurde zum 1. Januar 2026 die Pendlerpauschale einheitlich reformiert. Mit 38 Cent ab dem ersten Kilometer wurde diese deutlich erhöht, was eine spürbare Entlastung für Arbeitnehmerinnen und -nehmer mit weiten Arbeitswegen bietet. Die einheitliche Regelung vereinfacht zudem Prozesse und entlastet Bürgerinnen und Bürger sowie Verwaltungen.

„Für uns ist entscheidend, dass wir Menschen schnell und verlässlich in Richtung Arbeit unterstützen können und dass Regeln klar, praktikabel und nachvollziehbar sind“, betont Landrat Christian Engelhardt. „Wenn Mitwirkungspflichten verbindlicher werden, Jobcenter wirksamer unterstützen können, ältere Beschäftigte über die Aktivrente einen echten Anreiz zum Weiterarbeiten erhalten und zugleich unnötige Bürokratie, etwa durch vereinfachte Regelungen, abgebaut wird, stärkt das am Ende auch den sozialen Zusammenhalt.“

Digital-Projekt ERPEA macht Dienstleistungen der Kreisverwaltung jetzt noch bürgerfreundlicher, moderner und schneller

Kürzere Bearbeitungszeiten, schnellere Rückmeldungen, eine Entlastung der Fachkräfte – Die hessischen Landkreise Bergstraße, Waldeck-Frankenberg und der Schwalm-Eder-Kreis haben gemeinsam mit dem IT-Dienstleister ekom21 im Rahmen des Projektes „ERPEA“ (Entscheidungstool für den Einsatz von Automatisierungstechnologie in der öffentlichen Verwaltung) neue Wege erprobt, um Bürgeranliegen effizienter und verlässlicher zu bearbeiten. Es wurde dazu geprüft, ob sich der Einsatz von „Robotic Process Automation (RPA)“ an beispielhaften Verwaltungsleistungen lohnt. Digitale Software-Roboter übernehmen hier wiederkehrende, klar definierte Routinetätigkeiten in den Verwaltungen – zum Beispiel bei der Bearbeitung von Wohngeld-Anträgen, im Ausländerwesen oder bei Dienstleistungen des Gesundheitsamts.

Im Kontext des Förderprogramms „Starke Heimat Hessen“ haben die Akteure dabei typische Verwaltungsprozesse – etwa Posteingang, Datenerfassung und Querschnittprozesse – in den IT-Systemen der beteiligten Landkreise analysiert, modellhaft automatisiert und im Produktivbetrieb evaluiert. Dabei kam unter anderem die von der ekom21 zur Verfügung gestellte KI-Assistenz-Software „EMMA“ der Wianco Ott Robotics GmbH zur Simulation menschlicher Tätigkeiten zum Einsatz. Das Ergebnis: Digitale Bots können nicht nur die Ämter entlasten, sondern vor allem die Bürgerinnen und Bürger profitieren durch eine schnellere Bearbeitung, weniger Fehler, kürzere Wartezeiten. So wird die Verwaltung Schritt für Schritt noch bürgerfreundlicher und moderner.

So funktioniert es im Detail: Eine digitale Assistenz-Software übernimmt im Posteingang die Vorsortierung und Zuordnung eingehender Schreiben und digitaler Anträge zu den richtigen Akten und Vorgängen, sodass Anliegen schneller in die eigentliche Bearbeitung gelangen. Ein weiterer Assistent übernimmt die Antragsdaten aus Online-Formularen in die Fachverfahren. Somit werden damit Eingabefehler als auch Rückfragen reduziert. Zusätzlich wurden Prozesse zur automatisierten Ablage von Dokumenten in der digitalen Aktenführung umgesetzt, sodass Unterlagen zügig elektronisch verfügbar sind und Medienbrüche vermieden werden. Insgesamt verkürzen diese Automatisierungen die Bearbeitungszeiten und erhöhen die Verlässlichkeit der Bearbeitung – ein Vorteil, der die Bürgerinnen und Bürger direkt erreicht.

„Automatisierungen können uns das Leben und die Arbeit erleichtern. Bots können monotone Handgriffe und Abläufe ersetzen. Aber, sie ersetzen keine Mitarbeitenden“, betont Landrat Christian Engelhardt. „Mit ERPEA schaffen wir stattdessen Freiräume, damit unser Personal sich auf die Aufgaben konzentrieren kann, bei denen Erfahrung, Urteilsvermögen und persönliche Kommunikation gefragt sind.“

Auch der vom Projektteam verfasste Abschlussbericht belegt: Bei standardisierten, datengetriebenen und technisch stabilen Abläufen ermöglicht RPA schnellere und fehlerärmere Prozesse, kürzere Bearbeitungszeiten und somit deutliche Effizienzgewinne. Fachkräfte können ihre Kapazitäten und ihre Arbeitszeit auf fachlich anspruchsvollere Aufgaben verlagern – ein entscheidender Faktor, um in Zeiten knapper Personalressourcen die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu sichern. Dennoch: RPA ist kein Allheilmittel. Komplizierte Prozesse mit unstrukturierten Daten, vielen Sonderfällen oder hohem Ermessensspielraum sind in der Regel für eine wirtschaftliche Automatisierung ungeeignet.

„ERPEA – Entscheidungstool für den Einsatz von Automatisierungstechnologie in der öffentlichen Verwaltung“ wird vom Hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation durch die Förderung smarter Kommunen und Regionen im Programm „Starke Heimat Hessen“ mit 301.500 Euro unterstützt. „Unser Ziel ist es, Kommunen in die Lage zu versetzen, digitale Technologien fundiert zu bewerten und zielgerichtet einzusetzen. ERPEA liefert dafür einen wichtigen Beitrag, neue Technologien realistisch einzuordnen. Denn nicht jede Aufgabe eignet sich für Automatisierung. Mit dem Projekt wurde eine praxisnahe Lösung erprobt, von der möglichst viele Kommunen in Hessen profitieren werden“, sagt Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus.

Die im Rahmen des Förderprojektes gewonnenen Erkenntnisse wurden bei der Entwicklung eines softwareübergreifenden Entscheidungstools genutzt, das nach Abschluss des Projekts von den Projektverantwortlichen für alle hessischen Kommunen demnächst frei zugänglich zur Verfügung gestellt wird. Ermöglicht wird den Verwaltungen hierdurch, eigene Prozesse hinsichtlich ihres Automatisierungspotenzials und ihrer Wirtschaftlichkeit mithilfe eines Modells anhand fester Bewertungskriterien einzuordnen. Hierdurch entsteht ein objektives Bild, das aufzeigt, ob sich der Einsatz von Robotic Process Automation (RPA) in einem konkreten Prozess lohnt.