Ein typisches Weinlesebild vor der Weinbergsbereinigung und dem Einsatz von Traktor oder Traubenvollernter.
Vor der Trockenmauer steht ein eisenbereifter Holzleiterwagen, der wahrscheinlich von zwei Kühen gezogen wurde, die jetzt ausgespannt sind. Auf dem Wagen befinden sich Holzkufen, die von Eisenreifen zusammengehalten werden. Diese Kufen wurden vor Beginn der Weinlese vor den Häusern gewässert, damit das Holz verquoll und so dicht wurde. Eine undichte Kufe war „derlachert“, ein Begriff, der im übertragenem Sinn auch für eine Person angewandt wurde, die übermäßig durstig ist.
Mit der „Träubelsmühl“ auf der Kufe wurden die Weinbeeren gequetscht und zum Teil von den Stielen abgerissen und so vorbereitet für die Pressung auf der Kelter daheim. Links auf der Mauer steht die Holzbutte zum Transport der Trauben zum Wagen. Anscheinend war der Weg aufgeweicht und so machten wohl dem Buttenträger nicht nur das Gewicht der Trauben, das beträchtlichen Eigengewicht der Holzbutte, sondern auch der rutschige Boden zu schaffen. Auch das Abfahren der vollen Fuhre forderte da viel Umsicht.
Im Hintergrund ist wahrscheinlich ein Abschnitt der Weinbergslage Steinweg zu sehen, die heute zur Großlage Kronsberg gehört und am Schwanberg ortsauswärts Richtung Birklingen liegt.
Zwischen 1969 und 1977 wurden im Rahmen der Weinbergsbereinigung Iphofen 235 ha Weinberge neu angelegt. Die Neuordnung und Pflanzung erfolgte in vier Abschnitten.
Bedingt durch die Vererbungssitte der Realteilung in Franken war der Besitz von Weinbergen und Feldern in oft sehr kleine Grundstücke zersplittert. Die Geländeform tat ein Übriges dazu, und so sieht man im Hintergrund, unterbrochen von Trockenmauern, viele kurze „Schilder“, wie die Abschnitte genannt wurden. Mechanisierung war daher kaum möglich und viel Handarbeit war erforderlich.
Außerdem war die Zufuhr zu den Weinbergen vor der Bereinigung oft nur auf steilen und zu schmalen Erdwegen möglich. Durch Auswaschungen waren zum Teil tiefe Hohlwege entstanden, so auch der bis zu acht Meter tiefe „Reitweg“. Nach der Überlieferung stürzte dort beim Arbeiten ein Iphöfer mit Ochsen und Pflug ab. Aus Dankbarkeit für den glücklichen Ausgang dieses Unglücks errichtete er einen Bildstock zu Ehren Gottes. Dieser steht heute am Hauptweg Richtung Schwanberg/Geschichtsweinberg.
Regelmäßig sollen nun historische Fotos und deren Geschichten dahinter vorgestellt werden. Natürlich waren damals Fotografien seltener, was diese aber umso kostbarer macht. Wenn Sie Fotos zu Hause haben, die für die Stadtgeschichte oder auch für alltägliche Begebenheiten interessant sind, können Sie sich gerne beim Stadtarchiv Iphofen melden (Kontakt: stadtarchiv@iphofen.de oder 0 93 23 / 87 15 357).
Veranstaltungshinweis: Am Kirchweihsonntag (25.9.22) wird in der Verkündhalle des Historischen Rathauses von 14 - 17 Uhr eine Ausstellung des Stadtarchivs mit historischen Fotografien zu sehen sein. Weitere Öffnungszeiten werden noch bekannt gegeben.