Sandra Bieber, Architektin aus Rannungen, informierte zum Umbau einer Scheune im Rahmen der Bauhütten-Fachvortragsreihe 2026 in der Niederwerrner Energie-Scheune.
„Kein Bauen nach Standard-Maß“
„Scheunen sind nicht gerade- niemals“ sagt Sandra Bieber, Architektin aus Rannungen. Sie vermittelte praxisnahe Informationen zum Umbau einer Scheune zu Wohnzwecken, indem sie ihr eigenes Wohnprojekt vorstellte. Dabei ging sie auf die typischen Herausforderungen ein, die beim Umbau auftreten können.
Häufig müssen Wände, die nicht fluchtend sind, angepasst werden. Ebenen sind auszugleichen oder fehlende Fundamente zu ergänzen. Auch die Integration einer passenden Dämm- und Heiztechnik sind wichtige Themen, um einen nachhaltigen Wohnkomfort sicherzustellen.
Im Gegenzug bietet das Wohnen in einer „ehemaligen“ Scheune ein großes räumliches Potenzial. Durch Volumen und Materialbestand können spannende Wohnräume entstehen. Dabei erzeugen freigelegte Mauern oder Holzbalken in Kombination mit moderner Architektur eine besondere Atmosphäre.
Nicht jede Scheune eignet sich für einen Umbau.
Entscheidend ist u.a. die Lage. Ist die Zufahrt nicht gewährleistet, können zusätzlich hohe Erschließungskosten auftreten. Zu Beginn geht es zudem häufig erst einmal um Entrümpelung, Abbruch und die Entfernung von Pflanzbewuchs, etc. was viel Zeit und Energie kosten kann. Auch sollte auf separate Versorgungsanschlüsse geachtet und eine „eigene“ Hausnummer beantragt werden.
Besonders zu empfehlen ist eine gründliche Voruntersuchung der Bausubstanz. Handwerker, Architekten und Statiker können hierbei helfen und sollten von Anfang an mit einbezogen werden. Nach dem Aufmaß nehmen kann ein mögliches Raumprogramm entwickelt werden.
„Die Architektur muss sich dem Bestand anpassen und nicht umgekehrt“
lautet die Einschätzung von Sandra Bieber. Gute Entscheidungen, eine gute Kommunikation und flexible Lösungen sind gefordert, um Hand in Hand voranzukommen.
Sie machte darauf aufmerksam, dass es auch wichtig ist, die Finanzen im Blick zu behalten. Förderprogramme brauchen „vorab“ einen Antrag, bevor es losgeht. Daher sollten sich die Eigentümer frühzeitig darum kümmern. Ansprechpartner hierfür sind die Bauämter der Gemeinden.
Die Förderung darf zudem nicht die Grundlage der Finanzierung bilden. Gelder sind oft auf lange Zeit vorzustrecken, unvorhersehbare Kosten und Preissteigerungen kommen hinzu. Enorm kostensenkend wirkt sich dagegen Eigenleistung aus.
Anhand beeindruckender Bilder zeigte die Referentin im Anschluss den Umbau ihrer Scheune auf, die neben dem Wohnbereich ein Planungsbüro integriert sowie auch bestehende Kellergewölbe umfunktioniert hat. Die Zuhörer nutzen die Möglichkeit zum Austausch und zollten viel Applaus.
Im Fazit wurde klar, dass es nicht der einfachste Weg ist, eine Scheune umzubauen. Eine hohe Wohnqualität und ein hoher Beitrag zur Ressourcenschonung entlohnen die Mühe.