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Marquartsteiner und Staudach-Egerndacher Nachrichten
Ausgabe 1/2023
Verwaltungsgemeinschaft Marquartstein
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Letzte Gesamtvorstandssitzung 2022: Sind zukünftig Windkraftanlagen im Achental möglich?

Ende 2022 fand die letzte Gesamtvorstandssitzung des Jahres 2022 und die letzte für den Geschäftsführer des Ökomodell Achental Wolfgang Wimmer statt. Vorgestellt wurden unter anderem das Windphänomen „Erler Wind“ im Inntal, im Grenzgebiet Österreich und Bayern, Möglichkeiten zur gemeinsamen Wolfsresolution und Bodenproben nach Albrecht-Kinsey-Verfahren.

Prof. Dr.-Ing. Frank Buttinger von der TH Rosenheim referierte zu Beginn über das Windpotential im Inntal und das lokal vorherrschende Windsystem des Erler Winds. Laut Herrn Buttinger kommt es durch die Engpassage zwischen den Berggipfeln Wildbarren und Kranzhorn im Inntal zu hohen Windgeschwindigkeiten. Die zentrale Frage, ob das Windphänomen für eine energetische Nutzung mit Windkraftanlagen geeignet ist, wurde im Rahmen eines Forschungsvorhaben zwischen FH Kufstein und TH Rosenheim ermittelt. Die höchsten Windgeschwindigkeiten konnten insbesondere bei Sonnhart an der Talverengung festgestellt werden, die hohe Laufzeiten von Windkraftanlagen ermöglichen könnten. Ob ein vergleichbares Windpotential auch im Achental herrscht, müsste durch Windmessungen ermittelt werden. Die TH Rosenheim bot die Unterstützung für Messungen an.

Weiterhin ging es um eine gemeinsame Wolfsresolution und den Umgang mit dem sensiblen Thema. Laut den Ausführungen von Paul Höglmüller, ehemaliger Ruhpoldinger Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten und Beisitzer im Vorstand, ist der Wolf für die einen ein Symbol dafür, dass die Natur noch in Ordnung ist. Für die anderen ist der Wolf eine Bedrohung, nämlich dann, wenn es zum Beispiel um ihre Weidetiere geht. Dieser Umstand führt jedoch unweigerlich zu multikausalen Konfliktfeldern, bei denen eine oftmals schier unüberblickbare Fülle von Interessen unterschiedlicher Akteure in der Kulturlandschaft zu betrachten ist. Genau an dieser Stelle soll ein Ansprechpartner für ein modernes Wildtier- und Wolfmanagement ansetzten und sich der Herausforderung stellen, solche Konflikte zu moderieren und im besten Falle auf eine für alle gesellschaftlichen Gruppen akzeptable Schnittmenge zusammenzuführen. Deswegen spricht sich das Ökomodell Achental mit seinen neun Mitgliedsgemeinden für eine zentrale Stelle eines Wolfexperten im Bayerischen Alpenraum aus, der als Beratungs- und Informationsstelle für spezielle, problematische Fälle im Voralpenland fungieren soll. Zudem soll zeitnah in 2023 eine Veröffentlichung eines Strategiepapiers mit Maßnahmenvorschläge als gemeinsame Resolution in die Umsetzung gehen. Des Weiteren fordern die Teilnehmer einstimmig, dass im oberbayerischen Alpenraum, wo präventive Maßnahmen nur sehr eingeschränkt möglich sind, einen klaren rechtlichen Rahmen zu schaffen, der eine einzelne Entnahme eines Wolfes, der Nutztiere tötet oder auffällig geworden ist, ermöglicht.

Im nächsten Tagesordnungspunkt informierte Hans Maier, Landwirt und Beisitzer im Vorstand, über die Albrecht-Kinsey-Analyse. Im Mittelpunkt der Kinsey-Methode steht eine komplexe Bodenfruchtbarkeitsbewertung unter Beachtung der Kationenverhältnisse im Boden. Das Analysenspektrum umfasst den pH-Wert, Kationenaustauschkapazität (KAK), Stickstoff, Kalium, Magnesium, Natrium sowie Mikronährstoffe und deren Verhältnis zueinander. Voraussetzung für Ertragssicherheit und Qualitätserzeugung von Lebens- und Futtermitteln ist ein mit Nährstoffen ausgeglichen versorgter Boden. Bodenanalysen liefern wichtige Anhaltspunkte für die Beurteilung des Nährstoffzustandes. Deswegen kann sich das Ökomodell Achental in Zukunft vorstellen, gemeinsam mit dem Maschinenring Traunstein Infoveranstaltungen anzubieten und die weitere Entwicklung zu begleiten.

Abschließend bedankte sich der 1. Vorsitzende und Bergener Bürgermeister Stefan Schneider, bei Geschäftsführer Wolfgang Wimmer für seine langjährige und herausragende Tätigkeit, den Weitblick und sein Engagement als Geschäftsführer im Ökomodell Achental. Dieser bedankte sich mit einem "herzlichen Vergelt's Gott für die erfolgreiche Zusammenarbeit“ bei den Mitgliedern, der Gesamtvorstandschaft und allen Akteuren im Umfeld des Ökomodell´s. Wimmer wird sich zukünftig auf die Leitung der Biomassehof Achental GmbH & Co.KG und dessen Weiterentwicklung konzentrieren. Als Nachfolger wird Christoph Bauhofer seine neue Aufgabe im Januar aufnehmen.