Ein Mesner macht Geschichte lebendig
Drei Lichtstrahlen im Wald – und eine Wallfahrt, die seither nicht mehr aufgehört hat. Mesner Philipp Placzek führte die knapp 30 Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Achental (HGV) am 8. Mai durch die Wallfahrtskirche Maria Eck und ließ sieben Jahrhunderte Ortsgeschichte lebendig werden. Eine Gruppe war zuvor unter Führung von Hermann Minisini vom Tal über den historischen Kreuzweg hinaufgewandert.
Um das Jahr 1618 hatten Holzknechte auf dem Berg wiederholt drei Lichtstrahlen wahrgenommen und als Zeichen der Dreifaltigkeit gedeutet. 1627 weihte man an dieser Stelle eine erste Kapelle ein, die 1648 ihre heutige Form erhielt.
Den stärksten Eindruck hinterließ die Episode von 1803. Nach der Säkularisation schaffte die Obrigkeit das Gnadenbild nach Siegsdorf – der Wallfahrtsort sollte seines Reizes beraubt werden. Die Bevölkerung pilgerte weiter zum leeren Gotteshaus und erwirkte mit Unterstützung von Kronprinz Ludwig die feierliche Rückführung des Bildes. Am 15. August 1891 übernahmen die Franziskaner-Minoriten die Wallfahrtsseelsorge; im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die Nationalsozialisten das Klostergebäude – Kirche und Kloster blieben unversehrt.
Placzek berichtete auch von einer japanischen Touristin, die der Kirche eine Orgel stiftete, und davon, dass Papst Benedikt XVI. regelmäßig nach Maria Eck gekommen war, um dort Stille zu finden. „Es geschieht hier etwas“, schloss der Mesner.
Auf seinen Vorschlag stimmten die Teilnehmer gemeinsam „Segne du, Maria“ an. Danach ging es zum gemütlichen Miteinander in die Klostergaststätte. (Ludwig Flug)