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Nußdorfer Nachrichten
Ausgabe 1/2026
Aus dem Rathaus
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Hofgeschichte lebendig erhalten

Das erste der Hofschilder wurde von (von links) Bürgermeister Toni Wimmer an Eigentümerin Christa Osenstätter, ihren Schwiegervater Johann Osenstätter, den „Wagner Hans“ und an den vermutlich zukünftigen Besitzer Wasti Osenstätter mit Frau Christina und den Söhnen Mathias und Sebastian überreicht.

Hofschilder für Besitzer historischer Anwesen

Nußdorf. Die Ortsgeschichte lebendig erhalten und die Identität durch Darstellung der individuellen Hofgeschichten bewahren – das ist Ziel des Projekts „Höfeschilder“, mit deren Übergabe an die Hofeigentümer nun begonnen wurde. Das erste der insgesamt 71 Schilder von Höfen im Gemeindegebiet überreichte Bürgermeister Toni Wimmer an Johann Osenstätter, in Nußdorf viel besser bekannt als Wagner Hans. Er freute sich besonders über sein Hoftaferl. Immer wieder und unermüdlich fragte der 92-Jährige bei Bürgermeister Wimmer und Gemeinderat Peter Volk, der sich um die Umsetzung kümmerte, nach und wollte wissen, wann die Schilder fertig und das Projekt realisiert wird. Gerne würde er noch erleben, dass das Schild an der Hauswand seines Anwesens zu lesen ist, so sein Wunsch. Die Hofgeschichte beim „Wagner“ reicht bis in das Jahr 1464 zurück. Umso größer war die Überraschung, als er und seine Familie ihr Hofschild kurz vor Jahresende in Empfang nehmen konnte.

Tatsächlich zog sich die Realisierung des Projekts aus verschiedenen Gründen über viele Jahre hin. Noch in der letzten Legislaturperiode des Gemeinderates und der Amtszeit von Bürgermeister Hans Gnadl entstand die Idee die Hofgeschichte auf Schildern plakativ zu machen. Geplant war ein Kooperationsprojekt mit anderen Gemeinden der Leader-Aktionsgruppe „Chiemgauer Seenplatte.“ Das klappte aus verschiedenen Gründen nicht und die Gemeinde entschied es in Eigenregie und ohne Fördermittel auf den Weg zu bringen.

Die Angaben zur Beschriftung recherchierte Josef Ippenberger, langjähriger Ortsheimatpfleger der Gemeinde. Ippenberger hatte das Heimatbuch „Nußdorf im Chiemgau – Heimat vor den Bergen“ geschrieben und zuvor schon über das „Dorf Sondermoning und das Schloss Neuamerang“ sowie zur Geschichte der Höfe und Anwesen geforscht. Finanziert wird das Höfeschilder-Projekt durch die ehemalige Teilnehmergemeinschaft der Dorferneuerung. Die Mitglieder des Ortsgremiums zur Dorferneuerung, die 2017 offiziell abgeschlossen wurde, verzichteten auf die Auszahlung ihrer Sitzungsgelder und stellten diese für ein passendes Projekt im Sinne der Dorferneuerung und der Förderung des Dorflebens zur Verfügung. Die Beschriftung der Höfe und historischen Anwesen erschien Peter Volk, ehemals örtlicher Beauftragter der Dorferneuerung, als geeignete Maßnahme die gesparten Sitzungsgelder dafür zu verwenden. Den Höfebesitzern entstehen somit keine Kosten, sie erhalten ihr Schild kostenlos.

Auf den ovalen Schildern, die alle das Wappen der Gemeinde Nußdorf tragen, steht als Überschrift und wichtigste Angabe der Hofname. Angegeben sind auch die verschiedenen Grundherren und wann in Archiven die erste Erwähnung auftaucht, zudem besondere Ereignisse und in Folge die Namen der Eigentümer. Dabei leiten sich die Hofnamen meist von Namen, Berufen und Herkunft ab. In den nächsten Tagen und Wochen werden die Hofschilder an die Eigentümer der Anwesen überreicht.

Noch ist das Projekt noch nicht endgültig abgeschlossen. Weitere Infotafeln zur Entstehung und Geschichte besonderer Gebäude sind noch in Planung. Sie sollen unter anderem an der Pfarrkirche St. Laurentius Nußdorf, an der Filialkirche St. Nikolaus und Baptist in Sondermoning oder an der Strohmaier-Kapelle in Nußdorf aufgestellt werden. pv.