Wilhelmine Roppert *23.8.1937 †15.5.2026
Nach einem erfüllten und arbeitsreichen Leben, dennoch plötzlich und unerwartet verstarb Wilhelmine Roppert aus Nußdorf am 15. Mai. Am Tag zuvor erlitt sie bei einem Treppensturz schwerste Verletzungen, denen sie auf der Intensivstation im Klinikum Traunstein am frühen Morgen erlag. Wilhelmine Roppert, von allen „Helma“ genannt, starb wenige Monate vor ihren 89. Geburtstag.
Bei der Trauerfeier in der Pfarrkirche St. Laurentius wurde an die beliebte Mitbürgerin erinnert und auf ihr Leben zurückgeblickt. Wilhelmine wurde am 23. August 1937 als zweites Kind von Wilhelm und Anna Fürst in Bernbichl (Gde. Kienberg) geboren. Helma wuchs mit ihren beiden Geschwistern Anna und Ludwig in einem kleinen Häuschen in Bernbichl auf. Helmas Mutter nahm in den letzten Kriegsjahren und in der Nachkriegszeit abwechselnd auch noch Pflegekinder auf, mit der die drei Fürst-Kinder ihr Zuhause teilten. Wilhelmine besuchte zunächst die Grundschule in Kienberg und später in Obing. In jungen Jahren wurde sie von einer Bauersfamilie in Schalkham bei Obing aufgenommen und beaufsichtigte dort den Nachwuchs dieser Familie. Nach Ende der Schulzeit, im Alter von 14 Jahren, bekam sie auf dem landwirtschaftlichen Anwesen eine Anstellung. Von 1951 bis 1954 besuchte sie die Landwirtschaftliche Berufsschule in Obing und 1955 folgte ein Viehhaltungs- und Melkkurs.
1962 wechselte sie als Strickerin in die Firma Lohs in Traunreut. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Franz kennen. Am 21. Mai 1966 wurde Hochzeit gefeiert und das Paar gab sich in der Nußdorfer Pfarrkirche das Ja-Wort. In Nußdorf an der Dorfstraße zogen die jungen Eheleute in das neuerrichte Eigenheim ein, dass sie gemeinsam mit den Schwiegereltern bewohnten. Zwei Kinder wurden Wilhelmine und Franz geschenkt. Sohn Christian kam 1967 zur Welt und Tochter Sabine wurde 1971 geboren. Bis zur Geburt von Sabine arbeitete Wilhelmine bei der Traunreuter Strickerei, widmete sich dann aber dem Haushalt und den beiden Kindern.
Ihr Ehemann Franz, der sich bei der Firma Lohs zum Schichtführer hinaufgearbeitet hatte, musste seinen Beruf schon 1975, im Alter von 41 Jahren aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit aufgeben und wurde Frührentner. Um das Familieneinkommen aufzubessern, arbeitete Helma fortan über 30 Jahre lang als Haushaltshilfe in verschiedenen Haushalten in Nußdorf und beim damaligen Pfarrer Herbert Walter im Pfarrhaus. Die Krankheit ihres Ehemannes Franz verschlimmerte sich mehr und mehr und er konnte zuletzt nur noch kleine Arbeiten verrichten. Mit nur 59 Jahren starb Franz Roppert im Jahr 1994 – ein schwerer Schicksalsschlag für Helma und ihre beiden Kinder.
Nach dem Tod ihres Mannes stellte sich Helma den großen Herausforderungen des Lebens und versorgte sich weitgehend selbst. Bis ins hohe Alter erledigte ihren Haushalt allein. Auch mehrere gesundheitliche Rückschläge, wie z. B. mehrere Herzinfarkte, eine Krebserkrankung und schwere Verletzungen durch Stürze, überwand sie mit eisernem Willen und großem Lebensmut.
Über die eigene Familie hinaus engagierte sie sich für ihre Mitmenschen und die Dorfgemeinschaft. Mehr als 60 Jahre war sie bei der Frauengemeinschaft Nußdorf Mitglied, viele Jahre davon im Ehrenamt in der Vorstandschaft. Gerne beteiligte sie sich an Vereinsausflügen der Frauengemeinschaft, des Gartenbauvereines, des VdK-Ortsverbandes, an Seniorenausflügen und Seniorennachmittage der Pfarrgemeinde. Aktiv nahm sie am gesellschaftlichen Leben teil. Auch mit Tochter Sabine unternahm sie immer wieder kurze Busreisen. In den 1970er und 1980er Jahren war sie Mitglied des Kirchenchores. Sportlich aktiv war Helma Roppert in der Damengymnastikgruppe des Sportverein Nußdorf. Nach ihrem 1. Herzinfarkt wechselte sie zur Herzsportgruppe des TSV Chieming. Erst mit über 80 Jahren und aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie beendete sie den aktiven Gesundheitssport.
Vor vier Jahren verstarb ihre geliebte Schwester Anna. Mit ihrem Bruder Ludwig hatte sie bis zu ihrem Tod engen und intensiven Kontakt. Helmas großes Hobby war ihr Garten. Sie hegte und pflegte mit großer Leidenschaft, mit Herzblut und Liebe und soweit es ihr körperlich möglich war.
Eine große Freude war ihr der einzige Enkel Johannes, für den sie – wenn die Schwiegertochter Andrea arbeitete - das Mittagessen zubereitete, wenn er von der Schule zur Oma kam. Die beiden Kinder Christian und Sabine kamen täglich im Wechsel zur Mama nach Hause und unterstützten sie bei körperlich schwereren Arbeiten oder anfallenden Papierkram. Wilhelmine Roppert war eine gläubige Frau. Der Besuch der wöchentlichen Gottesdienste in der Pfarrkirche St. Laurentius, war ihr besonders wichtig. Auch war sie am dörflichen Leben in der Gemeinde und der näheren Umgebung interessiert, informierte sich über Zeitung oder beim Ratsch mit den Nachbarn und Freundinnen, was es Neues gab und was los war im Dorf.
Ihr Leben, auch im hohen Alter, selbständig und unabhängig führen zu können – das war Helma Roppert wichtig und diese Eigenständigkeit wollte sie nicht missen. Das ihr das weitestgehend gelang, darauf war sie zu Recht stolz. So war es ihr noch bis Ende des letzten Jahres möglich, ohne auf jemanden angewiesen zu sein, selbst mit dem Auto zur Arztbesuchen, kurzen Einkaufsfahrten oder zum Friseur zu fahren.
Eine große Trauergemeinde nahm beim Gottesdienst – zelebriert von Pfarrer Herbert Walter und Pater Gabriel Anton Ferent - in der Nußdorfer Pfarrkirche Abschied von Wilhelmine „Helma“ Roppert. Sie begleiteten ihren Weg zur letzten Ruhestätte im Nußdorfer Friedhof. Für ihre Familie und alle, die mit Helma Roppert gelebt und sie gekannt haben, sind die vielen Erinnerungen an eine liebenswerte, umtriebige, engagierte und hilfsbereite Frau und die gemeinsam verbrachte Zeit Trost und geben Zuversicht.