Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann hat zu einem Fachinformationsaustausch in die Eberner Flur zum Thema natürliche Bäche eingeladen. Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen, der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Haßberge, der Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Unterfranken, Mitarbeiter von Stadtverwaltung und Bauhof, Sabine Fuchs, Biodiversitätsmanagerin der Baunach-Allianz, die ehrenamtlich tätigen Simon Fischer vom Angelverein Ebern, Vertreter des Bund Naturschutz, Revierförster Wolfgang Gnannt sowie Biber- und Muschelberater Wolfgang Lappe waren anwesend. Es geht um Kormorane und Fischreiher, Biber, Bachmuschel, Bachforelle und die Beschattung durch Bäume. Hier haben die Bäche im Stadtgebiet noch einiges zu bieten. Vor allem aber ist der Schutz der Gewässer und die Bewirtschaftung der Gewässerrandstreifen ein großes Thema an diesem Tag. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Jürgen Hennemann am Wanderparkplatz Herrenbirke und der Einführung ins Thema, was die Stadt bereits in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen vor Ort in die Wege geleitet hat, ging es an den Bach.
Die Fachleute konnten ein positives Beispiel nahe der Pöppelsmühle begutachten, bei dem durch Gespräche mit den Landwirten dem Biber Raum zur Gestaltung eines wertvollen Biotops gegeben wurde. Simon Fischer und Wolfgang Lappe erläuterten die Verfahrensweise: mit vielen Gesprächen mit den Beteiligten sei man zu guten Lösungen gekommen, dass sich Bachläufe auch verändern dürfen.
Das Thema Bewirtschaftung an den Bächen wurde angesprochen. Gewässerrandstreifen sind in Deutschland gesetzlich geschützt. So regelt unter anderem das Wasserhaushaltsgesetz in Artikel 38, dass das Ufer und der angrenzende Bereich von Gewässern weder acker- noch gartenbaulich genutzt werden dürfen. Mindestens fünf Meter von der Mittellinie des Gewässers oder der Uferkante, wenn diese klar erkennbar ist, unterliegen dem besonderen Schutz, wie Viviana Brandt von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Haßberge auf Nachfrage ausführt. Für die ordnungsmäßige Pflege und Entwicklung der Gewässer dritter Ordnung, wie es auch die Zuflüsse der Baunach sind, ist dabei die jeweilige Kommune zuständig. Das Problem: Dort fehlt es oft an Kompetenz und Kapazität, um Wasserqualität und Gewässerrandstreifen so im Blick zu behalten, wie es für die Artenvielfalt optimal wäre. Zudem gibt es immer wieder auch offene rechtliche Fragen, beispielsweise was das Thema Haftungsrisiko und Totholz angeht. Und: Selbst wenn sich die Kommune bemüht, heißt das noch lange nicht, dass sich auch alle daran halten.
In Ebern verfolgt man deshalb seit Jahren einen pragmatischen Ansatz, der auf Dialog und auch viel Ehrenamt beruht. So müssen Anrainer beispielsweise bei der Verwaltung anmelden, wenn sie Bäume an Ufersäumen entfernen wollen. Anschließend fährt Förster Wolfgang Gnannt in seiner Freizeit in die Flur, begutachtet die Lage vor Ort, markiert Bäume, die entnommen werden können und welche als Totholz stehen bleiben sollen, wie Bürgermeister Jürgen Hennemann ausführt. Biberberater Wolfgang Lappe und Biologe Simon Fischer wiederum sind unermüdlich unterwegs, um Bachbereiche, besonders mit Biberaktivitäten, im Blick zu haben, Gespräche mit Landwirten zu führen und Biberdämme nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden immer wieder um einige Zentimeter so herunterzusetzen, dass angrenzende Landwirte oder Dörfer nicht zu stark beeinträchtigt werden, den Tieren aber gleichzeitig genug Lebensraum bleibt. Die Probleme sind durch das Verfahren weniger geworden.
Leider klappt das nicht immer einvernehmlich, wie hier im Bild. Es gibt leider auch Bereiche, wo ohne Not in den Bach gemulcht und alle Vegetation entfernt wird. "Und das auch noch auf den Flächen der Stadt, die keine Erlaubnis dafür erteilt hat", erläutert Hennemann. Hier werden dann die Anrainer oder Pächter angesprochen, das zu unterlassen, und man werde die Flächen der Stadt mit Pflöcken kennzeichnen, damit die Grenzen klar sind, die einzuhalten seien. "Unbelehrbare" werden mitunter auch von der Stadt angezeigt, erklärt Bürgermeister Hennemann weiter und dankt den Ehrenämtlern für ihren Einsatz. Denn in den letzten 20 Jahren scheint sich das Vorgehen bewährt zu haben.
Nach einem "Tiefpunkt 2010/2011", wie es Simon Fischer beschreibt, gibt es mit einfachsten Mitteln und ohne große Kosten nun wieder mehr Stellen, an denen die Vielfalt des Bachlebens im Baunachtal sichtbar wird. Unter anderem sind Steinkrebse, Bachmuscheln und Bachforellen in der Eberner Flur zu finden - alles Zeigerarten für eine sehr gute Wasserqualität. "Ich weiß, wo wir herkommen, was Fischbestand, Krebse und Muscheln betrifft", erklärt der studierte Biologe und konstatiert dann: "Wir haben noch ein paar kleine Perlen hier in den Bachstrukturen. Ich bin dafür, dass man das Gute erhält und das Schlechte sukzessive nachzieht."
Beim Fachaustausch der ehrenamtlich Engagierten mit den verschiedenen Behördenvertretern wird schnell deutlich, wie vielschichtig das Thema Gewässerschutz am Ende ist. Dass viele Aspekte ineinandergreifen und auch Raum für unterschiedliche Sichtweisen lassen. Einig ist man sich allerdings, dass die Gewässerrandstreifen eine besondere Bedeutung für die Biodiversität haben. Am deutlichsten wird: Es sind viele Gespräche nötig, um jeden Einzelfall entsprechend prüfen zu können, zwischen unterschiedlichen Interessen abzuwägen und immer wieder neu zu vermitteln. Und: Nur gemeinsam können gute Lösungen im Sinne des Gewässerschutzes gefunden werden.
Text: Pia Bayer/JH