In die gut gefüllte Frauengrundhalle lud die Stadt Ebern zu ihren Neujahrsempfang 2026. Bürgermeister Jürgen Hennemann stellte gleich zu Beginn klar: Der Abend sollte Raum für Begegnung, Austausch und Anerkennung des Ehrenamtes bieten. Dennoch sei bei einem Neujahrsempfang ein Rückblick auf das vergangene Jahr und ein Ausblick auf das kommende nötig.
Unter den Ehrengästen des Abends waren Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar und Landrat Wilhelm Schneider. Ministerin und MdB Dorothee Bär und MdL Steffen Vogel hatten sich entschuldigt. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Blasorchester Ebern unter Leitung von Sebastian Berumen. Die Bewirtung übernahmen einige Mitglieder des Bürgervereins.
Gleich in der Begrüßung der Gäste sprach der Bürgermeister Themen an, die die Stadt beschäftigen. Bei der Begrüßung des Landrates das Thema: Ende der stationären Gesundheitsversorgung in Ebern: Nach 113 Jahren schloss das Krankenhaus Ende 2025 seine stationären Abteilungen. Die Innere Medizin und die Palliativstation wurden nach Haßfurt verlagert - ein schmerzlicher Einschnitt, vor allem wegen des Wegfalls der hoch geschätzten Palliativversorgung, die seit 2012 bestand. Gleichzeitig blickte der Bürgermeister hier aber nach vorne: Der Standort Ebern soll als Facharzt- und Versorgungszentrum, MVZ Ebern, am Krankenhaus verbleiben und bietet bereits mehrere Fachrichtungen, seit August 2025 ergänzt um eine gynäkologische Praxis. Ab Mitte 2026 entsteht zudem eine Kurzzeitpflegeeinrichtung mit rund 20 Plätzen unter Trägerschaft des BRK. Der Umbau laufe bereits. Als weitere Perspektive brachte der Bürgermeister die Idee eines Hospizes ins Spiel - ein Bedarf, der in der Region klar gesehen wird. Dazu seien schon Gespräche aufgenommen, was der Landrat bestätigte.
Die Begrüßungsliste der Teilnehmer aus der Stadtgesellschaft war lang: Begrüßt wurden die zahlreichen Vertreter aus Verwaltung, den städtischen Einrichtungen, Behörden, der Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, aus den Sozialeinrichtungen, die Seniorengruppenleiter und natürlich die vielen ehrenamtlich aktiven Vertreter der Vereine und Organisationen, Vertreter der Feuerwehren. "Die Feuerwehren im Stadtgebiet sind uns lieb und aber auch teuer." 1 Mio. Euro im Haushalt 2025, 2026 gingen die Ausgaben weiter. Wir haben die Feuerwehren gut ausgestattet und sind insgesamt bei unseren 15 Feuerwehren auf einem gutem Stand, was die Ausrüstung angeht. Das könne aber finanziell nicht immer so weitergehen, schränkte der Bürgermeister ein. Begrüßt wurden die Vertreter von DLRG und Wasserwacht und dabei wurde für ihren Aufsichtsdienst im Hallen- und Freibad und für Schwimmkurse gedankt. Willkommen geheißen wurden auch Vertreter der Sozialverbände und Organisationen, AWO, VdK, Caritas, Rotes Kreuz und Gundi Schmitt für unserer neu belebtes "Bürger helfen Bürgern", das Sozialprojekt der Stadt, "Miteinander statt nebeneinander". Hier soll gegenseitige Hilfe und Miteinander gegen Einsamkeit organisiert werden, und das klappe schon gut. Infos gibt es im VG-Blatt und an einer Aushangtafel in der VG.
Weiter wurden die Vertreter der Banken, des Gewerbes und Handels in Ebern, Vertreter der Unternehmen und Geschäftswelt, Tourismus- und Werbegemeinschaft und der Wirtschaft begrüßt. Hier sprach Bürgermeister Hennemann die Werkleiter von Valeo Ebern und Fischbach auf den aktuell angekündigten Personalabbau an.
Der weitere Abbau der Entwicklung im Werk Ebern schmerze nicht nur, sondern sei ein Entzug einer Lebensader für den Industriestandort Ebern. "Nehmen Sie von heute bitte für Ihre Entscheider bei Valeo mit, dass die gesamte Stadt und Ihre Bürger Sie auffordern, Verantwortung für den Standort Ebern zu übernehmen, und erwarten, dass die angekündigte Maßnahme überdacht und verändert wird, um weitere Arbeitsplätze und die Zukunft in Ebern zu halten", so Hennemann. "Wir stehen zu den Beschäftigten und brauchen Arbeitsplätze in Ebern. Ein Brief von Landrat Schneider und mir als Bürgermeister ist an die Konzernleitung in Paris unterwegs. Wir stehen auf der Seite der Beschäftigten, des Betriebsrates und der IG Metall, die um die Arbeitsplätze kämpfen und eine Zukunftssicherung am Standort erreichen wollen."
Rückblick 2025
Der Rückblick auf 2025 stand im Zeichen schwieriger Rahmenbedingungen: globale Krisen, wirtschaftliche Unsicherheiten, Strukturwandel und der Verlust von Arbeitsplätzen - auch durch den angekündigten Abbau bei Valeo Ebern, der die Stadt weiter, nicht nur finanziell, beschäftigen werde. Das konfrontative Klima habe sich verschärft, die Breite des gesellschaftlichen Konsenses habe abgenommen. Häufig schaue jeder nur noch auf sich selbst. Und selbst unsere Heimat bliebe nicht davon verschont. "Daher müssen wir sorgsam darauf achten, dass Populismus und Desinformation nicht die Oberhand gewinnen", forderte der Bürgermeister alle auf weiter mitzutun. "Populisten lösen keine Probleme. Komplexe Probleme lassen sich nicht mit einfachen Lösungswegen und starken Sprüchen beheben." Allen Problemen zum Trotz finden wir in unserer Stadt immer wieder zu einer Gemeinschaft zueinander. Vereine und Ehrenamt sind stabilisierende Elemente. "Vor Ort und in unseren vielen Vereinen und Dorfgemeinschaften ist oft Hilfsbereitschaft und Solidarität zu spüren, die wir auch in unserem Alltag brauchen", sagte Hennemann. Er dankte allen MitarbeiterInnen des Bauhofes, der Verwaltung und unserer Feuerwehren und den ehrenamtlichen Helfern der Vereine für ihren Einsatz und das Engagement das ganze Jahr über. "Bedanken möchte ich mich bei den überaus engagierten Bürgerinnen und Bürgern in Vereinen und Sozialorganisationen, die viele Angebote ermöglichen und zum funktionierenden gesellschaftlichen Leben in Ebern beitragen".
Was hat sich in Ebern getan?
Bei den Maßnahmen und Investitionen wurde in 2025 einiges angegangen, wobei noch viele Projekte nicht abgeschlossen sind und in 2026 weiterbearbeitet werden. Hennemann zeigte zahlreiche Investitionsschwerpunkte auf - etwa die Kitas (1 Mio. im laufenden Betrieb Zuschuss der Stadt), die Feuerwehr (Feuerwehrhaus Unterpreppach 1,2 Mio. Euro und Fahrzeuge), die Mittelschule Ebern (5,6 Mio. Euro für eine Generalsanierung), Anschluss an die Fernwasserversorgung FWO, Abwasserversorgung (Pumpwerk im Mühlenviertel, Sanierungen im Netz in der Altstadt) und Baugebiete (Lützelebener Straße: 18 Einfamilienhaus- und drei Mehrfamilienhausplätze. "Stolzenrangen" in Reutersbrunn: 15 Bauplätze) sowie Wohnraumschaffung durch Bauträger in Mehrfamilienhäusern. Der Spatenstich der Landesbaudirektion konnte gefeiert werden. Erfreulich in der Altstadt: Die Ebern-Galerie am Stadtberg wurde in Betrieb genommen. Das ehemalige Café Wagner und die Gaststätte Stern konnten neu belebt werden. In das Schlimmbachhaus soll ein Café einziehen. Und in der Baywa eröffnete das Lokal "Mole".
Die Themen der Nachhaltigkeit werden uns dauerhaft und immer stärker beschäftigen. Damit sollen die Lebensgrundlagen für uns verbessert und erhalten werden. "Es ist dringend notwendig, alle Vorhaben, die zukünftig angepackt werden, auf Nachhaltigkeit und dem Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen SDGs zu prüfen und danach auszurichten", erklärte Hennemann. Dazu habe man eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Stadt auf den Weg gebracht. Diese basiert auf einer Bestandsaufnahme zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN.
Den Rückblick gab es, nach den Ehrungen, als durchlaufende Präsentation mit vielen Bildern und Zahlen zu den Projekten.
Ausblick auf 2026
Abzusehen sei bereits, dass wir eine schwierige Haushaltslage bekommen werden. "Das Geld für notwendige Projekte fehlt. Die Finanzausstattung der Kommunen ist für die vielen Aufgaben unzureichend", beklagte der Bürgermeister. Für 2026 zeichnete er eine angespannte Haushaltslage.
Schulden der Stadt von 2014 -2025 gesenkt, trotz Investitionen
Zwar sei es 2025 nochmals gelungen, die Schuldensenkung seit 2014 in Ebern nochmal fortzusetzen, da nicht alle geplanten Projekte umgesetzt werden konnten. Die Stadt sei aktuell mit 3,9 Millionen Euro Schulden weiterhin unter dem Landesdurchschnitt, werde aber in 2026 wohl wieder Kredite aufnehmen müssen, um die notwendigen Aufgaben und Projekte zu finanzieren, so der Bürgermeister. "In der Finanzplanung 2026 und in den folgenden Jahren muss genau abgewogen werden, wie wir und für welche Projekte wir unsere Mittel einsetzen. Es wird nicht alles sofort angepackt werden können und zu Verschiebungen kommen, warnte der Bürgermeister schon mal vor. Der Finanzausgleich des Staates wurde etwas besser für die Kommunen und aus dem Sondervermögen des Bundes erhält die Stadt einen Anteil von ca. 1 Mio. Euro für Investitionen für die nächsten 5 Jahre. Das ist etwas, aber wenn man die Notwendigkeiten allein bei uns sieht, ist es nicht viel. Diese Mio. reiche gerade für eines der vielen anstehenden Projekte bei der Sanierung der Infrastruktur, erklärt Bürgermeister Hennemann.
Geplant bzw. in Arbeit sind unter anderem: Ganztagsbetreuung an der Grundschule, Sanierung der Kläranlage, Glasfaserausbau ab Frühjahr 2026, Sanierung des Kindergartens Jesserndorf, Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehrhaus Unterpreppach, Altstadtsanierung, Verkehrskonzept und barrierefreier Zugang zum Marktplatz und Querungen. Die Liste sei lang, die der Stadtrat für 2026 vorgelegt bekommen habe (siehe extra Artikel). Alles notwendige Maßnahmen, die fortgesetzt und in den Haushalt aufgenommen werden müssen, schloss Hennemann und leitete zu den Ehrungen über. jh