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Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Ebern
Ausgabe 3/2026
Stadt Ebern
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Ein schwarzer Tag für Ebern - weiterer Personalabbau bei Valeo

Eiszeit bei Valeo in Ebern

Der Automobilzulieferer Valeo baut am Standort Ebern weitere Arbeitsplätze ab. Das wurde am 14.01.26 den Mitarbeitern in einer Mitarbeiterversammlung verkündet. Die Rede ist von insgesamt 134 Stellen am Standort Ebern. Besonders betroffen ist demnach die Abteilung für Forschung und Entwicklung. "Das ist bitter, ein weiterer Personalabbau bei Valeo im Werk Ebern trifft nicht nur die betroffenen Mitarbeiter, sondern die gesamte Stadt Ebern", war die erste Reaktion von Bürgermeister Jürgen Hennemann. Mit dem Wegfall von qualifizierten Arbeitsplätzen gehe Ebern Kaufkraft verloren. Der Industriestandort Ebern werde durch solche Entscheidungen stark geschwächt. "Ich habe keinerlei Verständnis für diese Maßnahmen, gerade der Abbau der Entwicklung gleicht einem Kahlschlag am Industriestandort, der jahrzehntelang die Region geprägt hat. Das haben die Mitarbeiter nicht verdient", so Hennemann weiter.

Als Grund nennt das Unternehmen unter anderem die fehlende Wirtschaftlichkeit des Standorts und den Wandel in der Automobilindustrie. Valeo wolle den Bereich rund um Forschung und Entwicklung deshalb zentralisieren. In Deutschland soll das nicht in Ebern geschehen, sondern im mittelfränkischen Erlangen.

770 Mitarbeiter beschäftigt Valeo derzeit im Eberner Werk, 130 im Forschungszentrum, dem bisherigen Aushängeschild des Standorts. Von dort sollen 37 Arbeitsplätze nach Mittelfranken wandern, 72 weitere wegfallen. Hinzu kommen laut Unternehmenssprecher 25 Stellen, die der Konzern im Bereich unterstützender Funktionen streichen möchte. Der Fokus dürfte in Ebern künftig also auf der Produktion von Gummi- und Metallkomponenten sowie Kupplungs-, Brems- und Sonderhydraulik liegen. Man wolle den Standort Ebern erhalten, es gäbe keine Pläne den Standort Ebern zu schließen, teilten die Managementvertreter in Gesprächen mit dem Landrat und Bürgermeister mit. Zusagen für den Standort in Form einer Garantie für Arbeitsplätze am Ort gebe es aber nicht, wie auf Nachfragen der Kommunalpolitiker vom Valeo Management ausgeführt wurde.

Bürgermeister Hennemann brachte seinen Unmut deutlich zum Ausdruck: "Ich bin geschockt über die Vorgehensweise von Valeo." Es sei nicht nachzuvollziehen, welche Kahlschlagpolitik von Valeo am Industriestandort Ebern betrieben werde. Seit der Übernahme von FTE durch Valeo 2017 habe Valeo nur Personalabbau betrieben, keine Belegung des Werkes vorgenommen, keine neuen Produkte nach Ebern gebracht. "Valeo hat nichts aus dem Potential in Ebern gemacht", so Hennemann. Er müsse seine Aussage vom November 2017 revidieren. Hoffnungsfroh habe er damals erklärt: Man könne auf ruhigere Zeiten hoffen, "wird die Firma erstmals wieder in einen Produktionskonzern eingegliedert, der FTE als strategische Investition sieht und nicht als Handelsware." Weit gefehlt, es wurde noch schlimmer, keine Innovation, keine Entwicklung für Ebern, keine Perspektiven.

Den Verlust des Bereichs Forschung und Entwicklung kommentiert Hennemann so: Entwicklung, Produktanpassung sei eine der Kernkompetenzen einer Firma. Das habe das Werk Ebern, FAG/FTE am Standort immer stark gemacht, dass Produkte für den Markt weiterentwickelt und wieder hier gefertigt werden konnten. Die Innovationskraft der Mitarbeiter und ihr Engagement wird von Valeo nicht genutzt. "Das ist keine gute Entwicklung für den Erhalt und die Zukunft des Werkes. Für Ebern ist es ein herber Verlust, Arbeitsplätze und Kaufkraft sind weg."

Die Stadt Ebern und der Landkreis stehen voll auf Seiten der Beschäftigten, des Betriebsrates und der IG Metall, die für den Erhalt der Arbeitsplätze in Ebern kämpfen. Das machten Bürgermeister Jürgen Hennemann und Landrat Wilhelm Schneider bei der Mahnwache sehr deutlich. Wir wehren uns mit ihnen zusammen. "Eigentlich müsste man nach Paris zu Valeo fahren und brennende Tonnen vor die Zentrale stellen, wie es die französischen Gewerkschaften machen, um auf die Situation aufmerksam zu machen und gegen die Pläne zu demonstrieren".

Landrat und Bürgermeister haben sich bereits in einem Brief an das Valeo Management in Paris gewandt, um ein Umschwenken zu erreichen. Zusätzlich hat Landrat Schneider auch der bayerischen Staatsregierung geschrieben und Unterstützung für die gebeutelte Region eingefordert.

Der Stadtrat wird eine Resolution zum Arbeitsplatzabbau in der Stadtratssitzung beschließen und ebenso das Management auffordern, von dem geplanten Abbau der Entwicklung in Ebern abzurücken. "Die Entwicklung einem Standort wegzunehmen, ist wie einem Körper eine Hauptschlagader zu entfernen", so der Bürgermeister. Da gäbe es oft kein langes Überleben mehr, "das wünschen wir uns aber nicht für Ebern."

jh