Eine Scheune mit rund 10.000 gelagerten Reifen war im Eberner Stadtteil Eyrichshof ausgebrannt. Kurz nach 4 Uhr erreichte am Freitagmorgen die Integrierte Leitstelle (ILS) Schweinfurt ein Notruf, wonach es an einer Scheune in Nähe des Geländes von Schloss Eyrichshof brennen würde. Nach Angaben der Polizei vor Ort war ein Zeitungsausträger auf das Feuer aufmerksam geworden und wählte den Notruf.
Obwohl die Feuerwehren bereits kurz nach der Alarmierung am Einsatzort waren, stand die rund 40 mal 30 Meter große Halle bereits in Flammen. Starker dunkler Rauch drang aus dem Gebälk, die Flammen stießen teilweise rund 50 Meter in den Nachthimmel. Funken und Rußpartikel flogen mehrere Hundert Meter weit. Immer wieder waren explosionsartige Geräusche zu hören.
Die Halle, die vom Schloss nur knapp 120 Meter entfernt ist und unmittelbar an den Fußballplatz des ASC Eyrichshof angrenzt, diente einer regionalen Firma als Lager für Reifen. Nach Angaben des Reifenhändlers, der die Halle gepachtet hat, waren darin rund 10.000 Reifen gelagert. Die Polizei sprach in einer ersten Mitteilung am Freitagvormittag allerdings von rund 4000 gelagerten Reifen.
Die Feuerwehr begann, mit einem massiven Löscheinsatz gegen die Flammen zu kämpfen. Dabei kamen neben zahlreichen Strahlrohren am Boden auch die beiden Drehleitern der Freiwilligen Feuerwehr Ebern und der Werkfeuerwehr Ebern zum Einsatz. Durch die Wasserentnahme aus der Baunach stand glücklicherweise ausreichend Löschwasser zur Verfügung, wie Feuerwehr-Einsatzleiter David Pfeufer, Kommandant der FFW Ebern, sagte. Über zwei Förderstellen aus dem Fluss wurde Wasser entnommen und über Schlauchleitungen zum Brandort geführt. Dafür waren die Stadtteilwehren mit ihren Tragkraftspritzen zuständig, die einen guten Dienst leisteten. Als glücklichen Umstand werteten Pfeufer und Kreisbrandinspektor Jonas Ludewig den Umstand, dass die Halle freistehend ist und sich in unmittelbarer Nähe keine Wohngebäude befanden. So konnte sich die Feuerwehr ausschließlich auf die Brandbekämpfung konzentrieren, Anwohner mussten nicht evakuiert werden.
Im Zuge der Löscharbeiten stieg eine giftige Rauch- und Rußwolke auf, die überwiegend in Richtung Specke, Siegelfeld und Fischbach zog. Auf Bitten des Landratsamtes Haßberge wurde durch die Integrierte Leitstelle Schweinfurt über Rundfunkanstalten und verschiedene Warn-Apps eine Warnmeldung an die Bevölkerung herausgegeben. "Durch den Großbrand einer Lagerhalle mit Reifen kommt es zu einer giftigen Rauchwolke, die sich in den Ortschaften Eyrichshof, Fischbach und Ebern ausbreitet", hieß es in der Mitteilung. Und weiter: "Betroffene werden gebeten, Türen und Fenster zu schließen." Zudem sollten Lüftungs- und Klimaanlagen abgestellt werden. Die Warnmeldung wurde gegen 8 Uhr herausgegeben und kurz vor 10 Uhr wieder aufgehoben. Die Einsatzkräfte in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes schützten sich sicherheitshalber vielfach mit Mund-Nasen-Schutz oder FFP2-Masken. Dutzende Atemschutzgeräteträger waren im Einsatz.
An dem Einsatz waren rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bayerischem Roten Kreuz, Technischem Hilfswerk und der Polizei beteiligt. Stundenlang kämpfte die Feuerwehr gegen die Flammen und entschied sich letztlich dafür, die Halle kontrolliert abbrennen zu lassen. Dadurch sollte vermieden werden, dass durch unnötig viel Löschwassereinsatz weitere Gefahren für die Umwelt entstehen. Denn kontaminiertes Löschwasser könnte Boden und Gewässer in Mitleidenschaft ziehen. Zur weiteren Lagebeurteilung kam später auch ein Fachmann des Wasserwirtschaftsamtes hinzu. Insgesamt waren bis zum Morgen 17 Feuerwehren aus der Umgebung im Einsatz: FFW Ebern, Werkfeuerwehr Ebern, Eyrichshof, Vorbach, Rentweinsdorf, Weißenbrunn, Kraisdorf, Sand, Gereuth, Pfarrweisach, Treinfeld, Unterpreppach, Brünn, Frickendorf, Fischbach-Höchstädten und Heubach.
Bürgermeister Jürgen Hennemann, ebenfalls mehrmals an der Brandstelle und bei den Einsatzbesprechungen, lobte das beherzte Handeln und die gute Organisation des Brandeinsatzes. "Großer Dank gilt Einsatzleiter Kommandant David Pfeufer und allen Feuerwehrleuten aller beteiligter Feuerwehren aus dem Stadtgebiet, von Valeo und den Nachbargemeinden. Sie alle haben einen super Job gemacht." Besonders seien bei dem Einsatz das Zusammenspiel der Feuerwehren und der Nutzen der kleinen Tragkraftspritzenwehren herauszustellen, die die Wasserversorgung sicherstellten. "Wie sie zusammengearbeitet haben am Freitag, das war vorbildlich", betont der Bürgermeister, der selber seit 45 Jahren Mitglied der Feuerwehr ist. Es habe sich ausgezahlt, dass man in Ebern im letzten Haushalt knapp eine Million Euro für die örtliche Feuerwehr veranschlagt hat. "Wir haben 15 Feuerwehren und 500 Feuerwehrleute im Stadtgebiet. Der Freitag hat gezeigt, wie wichtig die Feuerwehr für die Gesellschaft ist", lobt Hennemann. Bei dem Großbrand hätten Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und THW vorbildlich kooperiert. "Durch das schnelle Eingreifen konnte eine Nachbarhalle gehalten werden", sagt Hennemann, der zudem betont, dass auch das Wetter in dieser Nacht glücklicherweise mitgespielt hat. "Der Wind hat nicht in Richtung Schloss geweht. Das war ein großes Glück, das Schloss liegt nur knapp 50 Meter von der Scheune entfernt."
Für die rund 200 Einsatzkräfte wurden Getränke und eine Mahlzeit durch das BRK zugeliefert. Die Ausgabe und Verpflegung der Einsatzkräfte konnte kurzfristig im Sportheim des ASC Eyrichshof erfolgen. "Auch hier ein herzliches Dankeschön an den Verein und die ehrenamtlichen Helfer, die sofort ihre Räume zur Verfügung stellten, so der Bürgermeister.
Vor Ort machte sich auch Kreisbrandrat Ralf Dressel ein Bild der Lage. Ebenso war das Technische Hilfswerk Haßfurt mit einem Fachberater vor Ort. Am späten Vormittag rückte das THW an, um die Brandreste mit schwerem Gerät auseinanderzuziehen. Die Polizei sprach von einem Gesamtschaden von schätzungsweise rund 500.000 Euro.
Zweiter Brand binnen weniger Wochen
An der Scheune hatte es am 31. Dezember schon einmal gebrannt. Ein an die Scheune angebauter und zur Juliusallee gerichteter hölzerner Anbau war in Brand geraten. Damals konnte die Feuerwehr die Flammen löschen, ohne dass größerer Schaden entstanden war.
Die Polizei hatte sofort Ermittlungen aufgenommen. Erste Anhaltspunkte erhärteten den Verdacht auf eine vorsätzliche Brandstiftung, wie die Beamten am Wochenende mitteilten. Noch am Tage des Brandes war ein 26-Jähriger unter dem Verdacht verhaftet worden, das Feuer gelegt zu haben. Wie die Staatsanwaltschaft Bamberg mittlerweile außerdem bestätigte, handelt es sich bei dem mutmaßlichen Brandstifter um "einen Angehörigen einer lokalen freiwilligen Feuerwehr". Zur Last gelegt wird ihm nicht nur der Brand der Lagerhalle, bei dem ein Schaden von 500.000 Euro oder mehr entstanden sein soll, sondern Brandstiftung in drei Fällen und versuchte Brandstiftung in weiteren drei Fällen. So soll der junge Mann bereits am 31. Dezember und 1. Januar versucht haben, jeweils eine Scheune in Brand zu setzen, die Brände konnten jedoch schnell gelöscht werden. Vorgeworfen wird ihm weiterhin, zwischen Anfang und Mitte Januar im Stadtgebiet Ebern zwei öffentliche Müllbehälter, einen Briefkasten und einen Holzunterstand angezündet zu haben. Der 26-Jährige sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Ob ihm noch weitere Brandstiftungen oder deren Versuche zur Last gelegt werden können, ermittelt derzeit die Kriminalpolizei Schweinfurt. Man werde weitere Zusammenhänge prüfen, sagt Polizeisprecher Denis Stegner. Aktuell befinde man sich aber noch in einem sehr frühen Ermittlungsstadium.
"Wir hoffen alle, dass die Brände jetzt aufhören", sagt Bürgermeister Hennemann. Aufgrund der Vorfälle in den vergangenen Wochen seien die Menschen rund um Eyrichshof verunsichert gewesen. "Man hat sich immer die Frage gestellt: Was kommt als Nächstes?" In Eyrichshof sei die Stimmungslage aktuell zweigeteilt. Zum einen sind die Menschen erleichtert, dass die Brandserie jetzt vermutlich zu Ende ist und kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Zugleich steht man aber auch unter Schock. "Das ist für alle eine schwierige Situation: für die Feuerwehr, die Menschen im Ort und natürlich auch für die Familie des Beschuldigten. Man kennt sich ja in so einem kleinen Ort", sagt der Bürgermeister. jh