Johann Leopold Höhl, der ab 1882 als Stadtpfarrer in Ebern wirkte und bereits 1896 mit 52 Jahren verstarb, war ein umstrittener Kirchenrestaurator und eine charismatische Vaterfigur und ein leidenschaftlicher Seelsorger. Er besaß die seltene Gabe, den Menschen mit Humor und Herzlichkeit zu begegnen. Seine rhetorisch brillanten Predigten waren weit über die Stadtgrenzen bekannt. Höhl war kein distanzierter Kleriker; er suchte die Geselligkeit im Pfarrgartenturm auf der Stadtmauer mit seinen Mitbürgern, wobei Musik und Gesang für ihn untrennbar zum christlichen Miteinander gehörten.
Sein unermüdlicher Einsatz für die Eberner Stadtpfarrkirche entsprang einer tiefen Sorge um das Haus Gottes, das sich in einem besorgniserregenden Zustand befand. Mit bewundernswerter Energie und kreativen Ideen – vom Schreiben eigener Theaterstücke bis hin zu Vortragsreisen – sammelte er unermüdlich Spenden. Die konsequente Trockenlegung gelang. Dass er dabei die barocke Ausstattung durch neugotische Elemente ersetzte und Fresken aus dem Mittelalter zerstören ließ, traf in der Nachwelt auf Unverständnis und Bedauern, entsprach aber wohl dem damals vorherrschenden Zeitgeist, der die Neugotik als den „einzigen wahren und reinen“ christlichen Stil ansah.
Höhl sah sich gezwungen, Werke zu veräußern, um die Substanz der gesamten Kirche dauerhaft zu sichern. Dass heute bedeutende Werke wie der „Kalvarienberg“ im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg oder Skulpturen in New York bewundert werden können, kann so verstanden werden, dass es letztlich auch seinem Handeln zu verdanken ist, dass die großartigen Kunstwerke der Nachwelt erhalten blieben, statt sie in einer feuchten Kirche womöglich endgültig dem Verfall preiszugeben.
Höhls weit verbreitetes Gedicht „Gruß an mein Bayerland“ wies ihn als Dichter aus. Sein Vermächtnis in Ebern ist das Bild eines Seelsorgers, der die Kirche als lebendigen Ort der Begegnung begriff und alles daran setzte, diesen Ort für die kommenden Generationen zu bewahren, wofür er auch sehr wertvolle Kunstwerke opferte.
Text und Bild: Christiane Tangermann