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Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Ebern
Ausgabe 8/2026
Stadt Ebern
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Informationen - Ebern

Mit der Anbringung eines Zusatzschildes am Straßenschild ist der erste Teil des Beschlusses des Stadtrates vom November 2025 umgesetzt. Mit einem Zusatzschild wird aber zugleich ein klares Zeichen gesetzt:

Die Stadt distanziert sich ausdrücklich von den Ideologien und Verstrickungen von Nikolaus Fey im Nationalsozialismus. Der Zusatz dient der historischen Einordnung, dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und der Erinnerungskultur - und verhindert eine Verharmlosung oder unkritische Fortführung der Ehrung, wie Bürgermeister Jürgen Hennemann nochmals bekräftigte. Gemeinsam mit Kreisheimatpflegerin Christiane Tangermann wurde die Anbringung des Zusatzschildes begleitet. Beide zeigten sich froh darüber, dass diese Klarstellung jetzt für alle sichtbar den Namen Nikolaus Fey in den geschichtlichen Kontext stellt.

 

 

Nach den Untersuchungen einer Fachkommission und den im Vortrag von Buchautor Carsten Busch dargestellten historischen Fakten wurden Nikolaus Feys Verstrickungen mit dem nationalsozialistischen Regime - unter anderem durch Mitgliedschaft in der NSDAP, Funktion als "politischer Leiter", Mitarbeit in der Reichsschrifttumskammer und Propagandatätigkeit sowie seinem Einsatz zur Arisierung in Polen - klar dokumentiert. Damit gilt er heute als überzeugter Nationalsozialist.

Aufgrund dieser Vergangenheit haben bereits mehrere Städte und Gemeinden in Unterfranken beschlossen, Straßen umzubenennen oder zumindest zu kontextualisieren. In vielen der betroffenen Kommunen wurde - auch bei Beibehaltung des Namens - eine Kontextualisierung beschlossen: Ein erklärendes Zusatzschild bzw. eine "Mahntafel" informiert über die NS-Belastung von Fey und signalisiert Distanzierung, um sich dauerhaft mit dem Teil der Geschichte auseinanderzusetzen und aufmerksam zu machen, dass so etwas nie wieder passiert. Das hatte Hennemann auch für Ebern dem Gremium vorgeschlagen. Er hatte einen mit der Verwaltung erarbeiteten Beschlussvorschlag dem Stadtrat vorgelegt, der sich an der Beschlussfassung des Stadtrates Gerolzhofen anlehnt, mit der klaren Distanzierung der Stadt und Einordnung von Nikolaus Fey. Im Laufe der Sitzung und sehr guten inhaltlichen Debatte wurde der Beschlussvorschlag noch ergänzt, erweitert und zu einem Grundsatzbeschluss zur Überprüfung von Straßennamen verändert.

Beschlossen wurde einstimmig: Die Stadt erklärt ausdrücklich ihre Distanzierung von Nikolaus Fey. Nach heutigem Erkenntnisstand würde die Stadt keine Straße mehr nach ihm benennen.

Der Straßenname bleibt vorerst bestehen - über eine vollständige Umbenennung wurde nicht abgestimmt - eine Mahntafel wurde nicht beschlossen und zurückgestellt, bis die Straßennamenkommission ihre Vorschläge erarbeitet hat. Stattdessen hat der Stadtrat ebenfalls einstimmig beschlossen, an den bestehenden Straßenschildern kleine Zusatzschilder anzubringen, die in kurzer, prägnanter Form über die historische Problematik aufklären und die Haltung der Stadt verdeutlichen. 

Weitere Überprüfung von Straßennamen soll folgen. Darüber hinaus wurde die Einsetzung einer interdisziplinären Kommission beschlossen, die künftig alle Straßennamen im Stadtgebiet hinsichtlich historischer bzw. gegenwärtiger Personen kritisch überprüft. Ziel ist, auf Basis heutiger Werte und Erkenntnisse, Empfehlungen an den Stadtrat zu geben - sei es zu Umbenennung, Beibehaltung mit Kontextualisierung oder geeigneter Erläuterung. Die Einsetzung einer solchen Kommission signalisiert, dass künftige Benennungen bzw. bestehende Straßennamen kritisch überprüft werden sollen.

Das steht noch an. Der Stadtrat muss eine Kommission aus Fachleuten und Geschichtsinteressierten Ebernern einsetzen, die das Thema bearbeitet. Damit könne eine verantwortungsbewusste Balance erreicht werden: zwischen Bewahren und Erinnern - und der notwendigen Aufarbeitung und kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, so der Bürgermeister. "Wichtig ist, dass man sich auch mit problematischen Zeiten der Vergangenheit auseinandersetzt und aus den Fehlern und der Geschichte lernt", sagt Hennemann. jh