Kreisheimatpflegerin Christiane Tangermann und Bürgermeister Jürgen Hennemann am Standort, an dem der Bauhof der Stadt Ebern die Tafel aufgestellt hat.
Anfang des Jahres kam der 3. Bürgermeister von Seßlach, Carsten Höllein, auf Bürgermeister Jürgen Hennemann zu und informierte über ihr Leader Projekt „Paradiesweg". Ein Wanderweg auf den Spuren Autenhausener jüdischer Leichenzüge. Neben der Ausschilderung des Wanderweges wurde ein Informationsschild konzipiert, das am Zugang zum Judenfriedhof am Radweg, Ortsausgang Richtung Eyrichshof aufgestellt wurde. Somit wird, auch in Ebern, ein Hinweis zum Judenfriedhof, dessen Nutzung aus der Region, der historischen Bedeutung und den Bräuchen des jüdischen Lebens bei uns, gegeben, sind sich die Heimatpflegerin Christiane Tangermann und der Bürgermeister Jürgen Hennemann einig. jh
Der "Paradiesweg" verbindet Ebern mit dem Dorf Autenhausen, speziell die jüdischen Friedhöfe der beiden Orte, deren israelitische Gemeinden bis ins frühe 20. Jahrhundert zum Distriktrabbinat Burgpreppach gehörten. Der Name des Wanderweges stammt von dem historischen Flurstück bei Ebern, auf dem der jüdische Friedhof liegt. Bereits 1430 nach einem Stadtbrand angelegt, wurde er 1633 von den Eberner Juden gekauft und bis ins frühe 19. Jahrhundert genutzt.
Die religiöse Vorschrift, Verstorbene binnen 24 Stunden zu beerdigen, war für die Autenhausener Juden eine Herausforderung, mussten sie nach Ebern zum Friedhof: Die Wege waren in vorindustrieller Zeit kaum befestigt, für die 22 km zum Eberner "Paradies" brauchte man zu Fuß oder mit Pferdefuhrwerk mindestens vier bis fünf Stunden und das Ausschachten des Grabes, zumal bei gefrorenem Boden, bedeutete schwere Handarbeit. Der "Paradiesweg" folgt annäherungsweise den Wegen, die die Autenhausener Leichenzüge bis ins frühe 19. Jahrhundert wohl genutzt haben; eine komplette Rekonstruktion ist bislang nicht gelungen. Sicherlich verband der Weg beide Orte möglichst direkt und unter Umgehung von Ortschaften. Für Ebern etwa galt, dass die jüdischen Leichen außerhalb der Stadtgrenze zum Friedhof getragen werden mussten; die Passage der Stadt kostete pro Leiche einen Gulden.
Der Weg ist als Rundweg konzipiert. Nur der Weg von Autenhausen über den Eberner Judenfriedhof in die Stadt ist als "Paradiesweg" ausgeschildert (blaue Linie auf der Karte). Im Abschnitt zwischen Rothenberg und Lichtenstein folgt der Weg der "Wanderung um den Christenstein". Um Lichtenstein folgt er dem "Sagenpfad" und zwischen Lichtenstein und Ebern ist er fast deckungsgleich mit dem "Burgen- und Schlösserweg".
Text: Andreas Gsänger, Hubertus Habel