Gruppenfoto der deutschen und griechischen Jugendlichen an der Gedenkstätte Heinersdorf–Welitsch. Mit im Bild Bürgermeister Stefan Heinlein (links), Bürgermeisterin Silke Fischer (3. v. l.) sowie Falko Seidler (2. v. r.). Rechts im Hintergrund das Gebäude der Gedenkstätte mit ihren Dokumentationen zur Geschichte der innerdeutschen Grenze.
Sport verbindet – über Ländergrenzen, Kulturen und Generationen hinweg. Dass Sport aber auch ein wichtiger Brückenbauer für Demokratie, Verständigung und gemeinsame Erinnerungsarbeit sein kann, zeigte eindrucksvoll der Besuch einer deutsch-griechischen Jugendgruppe an der Gedenkstätte Heinersdorf–Welitsch.
Im Rahmen des Projektes „Different Culture – One Game“ begrüßte der 1. Vorsitzende des 1. Sonneberger Volleyballclubs 2004, Falko Seidler, 20 Jugendliche des griechischen Vereins Foivos sowie 21 Jugendliche des SVC04 an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Nachdem die Sonneberger Jugendlichen bereits im April ihre griechischen Freunde besucht hatten, fand nun der Gegenbesuch in Deutschland statt.
Ein Schwerpunkt der Begegnung lag auf dem Austausch über Demokratie, ihre Bedeutung für junge Menschen und die Frage, wie gemeinsame Aktivitäten – insbesondere Sport als verbindende und universelle Sprache der Jugend – demokratische Werte erlebbar machen und internationale Verständigung fördern können.
„Als Wahl-Sonneberger mit Berliner Wurzeln habe ich in den vergangenen Jahren gelernt, was echten Zusammenhalt ausmacht. Metropolen bieten Anonymität – unsere Region bietet Gemeinschaft. Genau dieses Gefühl möchten wir mit unseren Freunden aus Griechenland teilen“, betonte Falko Seidler bei der Begrüßung. Gemeinsam mit den Jugendlichen konnte er dazu auch die Bürgermeisterin der Gemeinde Föritztal, Silke Fischer, den 1. Bürgermeister des Marktes Pressig, Stefan Heinlein, sowie den Zeitzeugen Jens Balzer aus Heinersdorf willkommen heißen.
Die Gedenkstätte Heinersdorf–Welitsch dokumentiert die Geschichte der deutschen Teilung und des Kalten Krieges in eindrucksvoller Weise. Dokumentationen, Fotos, Modelle und ein originales Mauerstück machen die Zeit greifbar, als die Orte Heinersdorf in Thüringen und Welitsch in Bayern durch die innerdeutsche Grenze voneinander getrennt waren.
Falko Seidler verwies dabei auch auf die besondere Bedeutung des Projekts: „Europa bedeutet für uns nicht nur Zusammenkommen im Spiel, sondern auch gemeinsames Erinnern. Verantwortung tragen und Grenzen überwinden gehören ebenso dazu.“ Dank der Unterstützung der Deutschen Sportjugend und des Deutsch-Griechischen Jugendwerks sei es gelungen, eine Brücke zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Griechenland zu schlagen. Die Herzlichkeit, die die Sonneberger Jugendlichen beim Besuch in Griechenland erfahren hätten, wolle man nun zurückgeben.
Ein besonderer Höhepunkt war die Führung durch Jens Balzer, der sich seit vielen Jahren für die regionale Zeitgeschichte und den Förderverein der Gedenkstätte engagiert. Mit seinen persönlichen Erzählungen machte er die Geschichte der deutschen Teilung für die Jugendlichen lebendig. Eindrucksvoll schilderte er den Alltag unmittelbar an der Grenze, die Einschränkungen durch die Sperrzone und die Auswirkungen auf das tägliche Leben der Menschen.
Besonders bewegte die Jugendlichen die Schilderung eines spektakulären Fluchtversuchs, bei dem ein mit Kartoffeln beladener Lastwagen in Heinersdorf Anlauf nahm und die Grenzanlagen durchbrach. Balzer berichtete außerdem, wie stark das Leben der Menschen entlang der Grenze reglementiert war. Gegenseitige Besuche und gemeinsame Feiern waren kaum möglich. Während Bewohner aus Heinersdorf nach Sonneberg fahren durften, war der umgekehrte Weg aufgrund der Grenzbestimmungen nicht erlaubt.
Auch Bürgermeister Stefan Heinlein erinnerte sich an eigene Kindheitserlebnisse in der Grenzregion. Sein Vater war als Grenzpolizist tätig, und so erlebte er die damalige Situation aus nächster Nähe mit. Heinlein bezeichnete die Gedenkstätte als bedeutendes Dokument der Zeitgeschichte. Gerade hier werde sichtbar, welche Entwicklungen demokratische Gesellschaften ermöglichen: die Überwindung von Spaltung, Abschottung und Unfreiheit.
„Dass junge Menschen aus Deutschland und Griechenland heute gemeinsam an diesem Ort zusammenkommen, wäre vor gut vier Jahrzehnten undenkbar gewesen. Diese Begegnung zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll demokratische Zusammenarbeit, Freiheit und internationale Freundschaften sind“, betonte der Pressiger Bürgermeister.
Zugleich sprach er den Mitgliedern des Fördervereins seinen Dank aus. Mit großem ehrenamtlichem Engagement sorgen sie dafür, dass die Geschichte der innerdeutschen Grenze nicht in Vergessenheit gerät. Regelmäßig werden Schulklassen, Vereine, Unternehmen und interessierte Besucher durch die Gedenkstätte geführt. Damit leisten die Ehrenamtlichen einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Vermittlung demokratischer Werte.
Die Exkursion hinterließ bei den Jugendlichen einen bleibenden Eindruck. Viele zeigten sich tief bewegt von den historischen Berichten und den persönlichen Erlebnissen. Für manche der griechischen Gäste waren die Schicksale entlang der innerdeutschen Grenze kaum vorstellbar und sorgten für Gänsehautmomente und großes Nachdenken.
Verantwortlich für das Projekt beim 1. Sonneberger Volleyballclub waren Falko Seidler mit Unterstützung von Lisa Oberender und Greta Sieber. Zum weiteren Programm der Jugendbegegnung gehörten unter anderem ein Besuch des Thüringer Landtags sowie Begegnungen mit politischen Vertretern. So besuchte auch der Thüringer Staatssekretär für Sport und Ehrenamt, David Möller, das internationale Volleyballturnier „Different Culture – One Game“ in der Lohau-Halle in Sonneberg.
Die Begegnung an der Gedenkstätte Heinersdorf–Welitsch machte deutlich, wie eng Sport, Demokratie, Erinnerungskultur und internationale Verständigung miteinander verbunden sein können. Wo einst Trennung und der Eiserne Vorhang das Leben bestimmten, stehen heute junge Menschen aus Bayern, Thüringen und Griechenland Seite an Seite – ein starkes Zeichen für Frieden, Freiheit und ein geeintes Europa.