Schwanberg-Kitzingen
Ballade von Heinrich Hartmann, Würzburg
Teil IV
Als andern Tags das Mägdlein, schwer voll Sorgen,
den stillen Ort des Ueberfalls betrat,
fand sie ein Brieflein, zart im Moos verborgen,
das der Geliebte rasch geschrieben hat,
„Herzallerliebst, zieh nun traurig meine Straßen,
mit blut´gem Herzen muss, verjagt, ich gehen,
Mög Gottes Gunst dich nimmer mehr verlassen,
Leb wohl, leb wohl auf Nimmerwiedersehn!
SAtolz auf des hohen Söllers luft´gen Stand,
Der König blickte in der Baue Weite,
Ringsum das segenreiche Rebenland,
Verhärmt stand ihm die Tochter bleich zur Seite.
Noch Mancher mühte sich die Maid zu frei´n
Von edlem Namen, hoheitsvollem, reichen,
Nur einem wollte sie ihr Leben weihn,
In ihrem Herz tat ihm kein anderer gleichen!
O Vater sprach sie, einen stillen Ort,
Wollst Du im Tal da unten zu mir teilen,
Will gründen dann ein einsam Kloster dort,
in dem ich weltentsagend will verweilen!
Der König mochte warnen noch, o sehr.
Vergeblich war sein Bitten, all sein Flehen,
von ihrem Vorsatz wich sie nimmermehr,
Blieb unerschüttlich auf ihn bestehen!