Stellen Sie sich einmal vor, Sie schlafen gerade tief und fest in ihrem Bett und plötzlich hören Sie lauten Lärm und Stimmen um ihr Haus herum, Bagger stehen davor und man beginnt ihr Haus abzureißen. Niemand hat sie gewarnt oder zumindest geweckt, niemand hat ihnen eine neue Wohnung besorgt.
Als Mensch hat man nun die Möglichkeit die Polizei anzurufen, oder zumindest seine Sachen zu packen und schnell sein Haus zu verlassen, bevor alles dem Erdboden gleich gemacht wird.
Igel haben diese Möglichkeit nicht, für sie gehört diese Situation jedoch momentan zum Alltag. Denn genau das passiert gerade tagtäglich in unseren Gärten, auf verwilderten Bauplätzen und in Parks von Städten und Gemeinden.
Igel befinden sich gerade im Winter in einem sehr verletzlichen Zustand. Sie haben sich ihr Schlafquartier unter Büschen oder Sträuchern, manchmal unter Gräsern oder einem Kompost, unter Terrassen und Paletten mit Laub ausgepolstert und ‚schlafen‘ nun, vor unseren Augen verborgen, von Oktober bis in den Mai hinein. Wobei ‚schlafen‘ der falsche Ausdruck ist, denn aus diesem Zustand, auch ‚Torpor' genannt, kann man nicht einfach so schnell wieder aufwachen.
Igel sind im Torpor kalt und fest eingerollt. Der gesamte Stoffwechsel wird auf ein Minimum reduziert und es dauert Stunden, bis so ein Tier all seine Körperfunktionen wieder aktiviert hat und warm geworden ist. Dieser Vorgang kostet sehr viel Energie und schwächt die ohnehin oft schon unterernährten Tiere bei jedem Aufwach-Prozess zusätzlich.
Wird ein Nest zerstört, dann ist ein Igel komplett schutzlos. Er kann weder davonlaufen noch um Hilfe rufen. Er kann sich in diesem Zustand auch nicht einfach ein neues Quartier suchen. Im Idealfall wird er entdeckt und jemand ruft bei uns an und bittet um Hilfe. In den meisten Fällen wird jedoch nicht einmal bemerkt, dass man gerade ein Igelnest zerstört hat.
Wir möchten noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Igel unter Artenschutz und auf der roten Liste der bedrohten Tierarten steht. Bei ALLEN Arbeiten in der Natur muss jetzt unbedingt daran gedacht werden, dass man dabei Igel stören, verletzen oder töten könnte! Es muss überlegt und vorsichtig gearbeitet werden und es sollte nur unbedingt notwendiges bewegt oder entfernt werden.
Berit Knorr
Igelhilfeverein e.V.
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