Schleching/Marquartstein – Wertvolle Lebensräume und artenreiche Landschaften bewahren und seltene Tier- und Pflanzenarten von europaweiter Bedeutung erhalten – das ist das Ziel von „Natura 2000“. Es ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der europäischen Union.
So ein Schutzgebiet befindet sich im FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) „Mettenhamer Filz, Süssener und Lanzinger Moos. Vorgestellt wurde ein Teil nördlich von Raiten.
Hier trafen sich Gabriele Held (Landespflege Regierung Oberbayern) und ein Trupp von rund zwanzig interessierten Besuchern. Gabriele Held stellte das Projekt „Blütenreiche Mähwiesen“ im Landkreis Traunstein vor, das von der Regierung von Oberbayern initiiert wurde. Weitere Schutzgebiete befinden sich in den Gemeinden Tittmoning, Kirchanschöring und Fridolfing. Insgesamt sind das 902 Hektar Fläche, die begutachtet und überprüft werden.
Bei der Führung bei Raiten zeigte Gabriele Held die Iris-Wiesen (Stromtalstreuwiesen) und Artenreiche Flachland-Mähwiesen. Sicher gestellt wird der Schutz durch die FFH-Richtlinien. Um den Schutzstatus zu erhalten, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Gabriele Held zeigte, dass mindestens zwölf typisch krautige Wiesenarten vor Ort sein müssen, es wurden weit mehr Arten identifiziert.
Besonders wertvolle Pfeifengraswiese
Als eine besondere Form einer Pfeifengraswiese bezeichnete Gabriele Held -eine Stromtalstreuwiese-, die vor Ort in Raiten zu finden ist. Sie sagte „Wir befinden uns hier in einer regelmäßig überschwemmten Aue der Tiroler Ache, in einer alten Flußschlinge. Wichtig sind hier starke Wasserstandsschwankungen und zeitweilige Überflutungen, was vor Ort bei außergewöhnlichen Hochwässern passiert. Hier steht die Streuwiese nicht auf Niedermoor, sondern auf lehmig-schluffigem Flußsediment.“
Weiter führte die Biologin aus, dass Großteile dieser Flächen leider verloren gehen, da sie inzwischen intensiv landwirtschaftlich genutzt werden.
Aber kleinere Flächen konnten mit Hilfe und Einverständnis der Bauern vor Ort gerettet werden. In abgezäunten Gebieten fanden die Besucher verschiedene Orchideen, wie das breitblättrige, das fleischfarbene und das gefleckte Knabenkraut. Ebenso das Sumpf-Knabenkraut, was noch nicht blühte, Sumpf-Ständelwurz, Trollblumen und gelbe Wiesenraute. Gerade das Sumpf-Knabenkraut ist inzwischen bayernweit vom Aussterben bedroht, diese Orchidee ist nur noch an wenigen Stellen im Chiemgau und im westlichen Inntal zu finden. Laut Biotopkartierung wurden hier in den Stromtalwiesen in den 90er Jahren 200 bis 700 Exemplare gezählt, 2016 konnten nur noch 60 Exemplare nachgewiesen werden, erläuterte die Biologin.
Die Sibirische Schwertlilie -für die dieses Gebiet bekannt ist- war schon am abblühen und in diesem Jahr leider nicht so üppig vorhanden, wie im vorigen Jahr. Gabriele Held sah ein Grund dafür in der Trockenheit im Frühjahr.
Die Besucher der Führung waren sehr interessiert und freuten sich bei schönstem Wetter viele Informationen in der Natur zu erhalten. Sie zeigten sich beeindruckt von der Leistung der Landwirtschaft für den Erhalt der Biodiversität.
Die Besucher der Exkursion zeigten sich sehr interessiert.