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Gemeindenachrichten Schleching
Ausgabe 18/2018
Touristikinformation
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Almschwenden - eine neue Sportart?

Kräuterbuschen auf dem Zeltlager-Altar regten den Laufener Stiftsdekan Simon an „durch die Blumen“ zu sprechen.

Sepp Heringer beim Schwenden auf der Dalsen-Alm

Gehölzaufwuchs von Fichten, Weißdorn und Wildrosen war Ziel von Zwick und Motorsäge.

Schwendtruppe und Almbauern feiern nach getaner Arbeit auf der Höh und bei der Almbrotzeit.

Normalerweise firmiert das Bäume-Ausreißen gut bürgerlich gesehen als „grober Unfug“ und Naturfrevel. Zumal wenn dies halbstarke Jugendliche mit zähem Eifer bewerkstelligen. Befremdlich wird die Sache zusätzlich, wenn die jugendliche Schwendtruppe bei ihrem groben Tun gar noch von den Bauern unterstützt wird. So geschehen in diesen Sommertagen auf der vorderen Dalsen-Alm. Vorausgegangen war dieser Aktion ein großes Zelt-Lager in Baumgarten bei Mettenham. Pfadfinder aus Laufen hatten dort ein zweiwöchiges Lagerdorf eingerichtet und die Natur des Ökomodells Achental mit einer guten Mischung aus Hitze, Wind und Regen intensiv genossen. Ihrer Tradition gemäß wollten sie jedoch nicht bloß Bewunderer und Nutznießer der Landschaft sein, sondern ihr auch etwas anerkennend zurückgeben. Sind sie doch seit Jahrzehnten im Verein „St. Georg Jugend- und Landschaftspflege e.V.“ engagiert, der vorallem im Rupertiwinkel und Chiemgau den jugendlichen Tatendrang auf erlebnisträchtige Bahnen zu lenken versteht. Ihre Aktivitäten, wie Moor-Renaturierung in der Rottauer Filzen, Streuwiesenpflege in der Schönramer Filzen, Pflanzaktionen im Lattengebirge und vieles mehr wurden 1997 mit der Verleihung der Bayerischen Umweltmedallie seitens der Staatsregierung offiziell gewürdigt.

Sepp Heringer, seit langem mit Fritz Irlacher in der Mitweltbildung tätig, half beim „Einfädeln“ der Almschwend-Aktion. Sepp Hell vom Tourist-Büro nahm den Faden begeistert auf, ist er doch selbst Almbauer. So war es ein leichtes, die landschaftspfleglichen Aktivitäten auf die Dalsenalm zu lenken. Am „Frauentag“, dem „Maria-Himmelfahrts-Patrozinium“ der Laufener Pfadfinder hatte ihr Stiftsdekan Simon Eibl beim Lagerfest-Gottesdienst geistlich auf die Almpflege-Tätigkeit eingestimmt, in dem er den Reichtum der Pflanzenwelt in Gestalt der Kräuterbuschen zum Kerngedanken des Gottesdienstes machte. So ideell „aufgeladen“ zogen die älteren Pfadis, die sogenannten Rover, auf die Dalsenalm und die Jüngern auf die Heimweiden im Talgrund um der Artenvielfalt Vorschub zu leisten. Noch immer ist vielen Bürgern nicht bewußt, dass die so „romantischen“ und attraktiven Almen und Weiden klassische Kulturlandschaft sind. Ohne Rodung des Gehölzanflugs würden sie in wenigen Jahrzehnten verbuschen und verwalden. Dahin wäre die Biodiversität und mit ihr die Brennpunkte der heimischen Artenvielfalt, die mit „Enzian & Co.“ einen wesentlichen Teil von Heimatgefühl und „Bayernglanz“ darstellt. Nur den Almbauern diese Pflege anzulasten ist angesichts des bäuerlichen Personalmangels kaum mehr möglich. Es wird Zeit, dass sich die Freizeitwirtschaft des Alpenrandes dieser Aufgabe stellt und kreativ alpenaktionale Pflegetätigkeiten in ihr Programm aufnimmt. Alleinstellungsmerkmale in dieser Branche sind gefragt, zumal in einer Ökomodellregion mit Bergsteiger-Dorf-Auszeichnung. Die Pfadfinder zeigten mit ihrer“ guten Tat“ auf der Dalsen, wohin der Pfad zu einem zukunftsfähigen Tourismus führen kann. Sie konnten viel „rohe Kräfte“ pfleglich umwandeln, hatten ihre Freude am Baumausreißen und die Almbauern waren dankbar und voll des Lobes über die Mithilfe. Von Baden-Powell, dem Gründer der weltweiten Pfadfinderei stammt die Devise „Versucht die Welt etwas schöner zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt“. Auf der Dalsenalm wurde zum Wohle vieler ein überzeugendes Beispiel gesetzt.

Artikel und Bilder von Sepp Heringer, Pfandfinder Laufen