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Gemeindenachrichten Schleching
Ausgabe 6/2023
Tourismus
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Es gibt viel zu tun - packen wir es gemeinsam an! Gastgeberversammlung der Schlechinger Gastgeber am 1. März 2023

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Richtigstellung:

In der vergangenen Ausgabe der Gemeindezeitung war leider die falsche Überschrift für diesen Artikel abgedruckt. Dies bitten wir hiermit zu entschuldigen.

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Das Fazit der sehr gut besuchten Gastgeberversammlung war:

Es gibt Verbesserungspotential im Bereich Tourismus in Schleching, das wir nutzen können, wenn wir es gemeinsam anpacken!

Gemeinsam heißt, die Achental Tourismus gKU, die Gemeinde-Verwaltung, der Gemeinderat, die Gastgeber und die Schlechinger. Dieses Gesprächsangebot von Elisabeth Keihl, Vorständin Achental Tourismus gKU, wurde mehrfach von ihr betont mit der Bitte, es zu nutzen.

Bürgermeister Josef Loferer begrüßte die Anwesenden und erläuterte kurz die aktuelle Situation. „Schleching kommt vom Tourismus her und braucht den Tourismus“. Im Gemeinderat wurde ein Arbeitskreis gegründet, um die Situation zu analysieren und erste Schritte einzuleiten. Diese werden nun hier den Vermietern vorgestellt.

Elisabeth Keihl stellte ihre Mitarbeiterin Franziska Kadler (Pfennig) vor, die in der gKU für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und sich im Speziellen auch um die Außenstelle Schleching kümmert. Es folgten die Zahlen und Fakten der Entwicklung des Tourismus 2022 im Vergleich zu der Zeit vor Corona. (2019 zu 2022)

Während die Übernachtungen in Deutschland (Minus 9,1 %) und Chiemgau (Minus 4,7 %) immer noch unter den Werten vor Corona liegen, kann das Achental insgesamt ein deutliches Plus bei den touristischen Übernachtungen von 14,6 % verzeichnen.

Während jedoch die Gemeinden Marquartstein, Staudach-Egerndach und Unterwössen ein teilweise zweistelliges Plus ausweisen, stagnieren die Übernachtungen in Schleching bei nur 1,2 % Plus!

Noch dramatischer stellt sich die Situation bei den Gästeankünften dar. So konnte in den Achental Gemeinden insgesamt ein Plus von 7,0 % verzeichnet werden, Schleching alleingenommen liegt bei einem Minus von 13,8 %.

Für 2023 sehen wir mit einem ersten Blick auf die Zahlen, dass sich diese negative Tendenz in Schleching noch verschärft. Der Blick auf die Entwicklung der Bettenzahlen und die Auslastung in Schleching zeigt eine negative Entwicklung auf.

Die Analyse des Achental Tourismus hat in einem ersten Schritt ergeben, dass der deutlich geringere Anteil online-buchbarer Gastgeber Schlechings sicherlich einer der Gründe für das Problem ist. Schleching liegt zurzeit mit 48 % Onlinebuchbarkeit weit hinter den anderen drei Gemeinden (von 67 bis 74 %).

Elisabeth Keihl erläuterte, dass immer mehr junge Familien ins Achental kommen und diese wollen online buchen. Das Argument, welches sie von Vermietern öfter hört „da verdienen nur die Portale“ konnte sie nicht gelten lassen; denn die Provision der Portale wird auf den Buchungspreis gerechnet und vom Gast bezahlt. Preissensible Gäste suchen hierbei die Unterkunft auf den Portalen, googeln diese danach und buchen den günstigeren Preis im Zweifel beim Gastgeber direkt.

Elisabeth Keihl konnte berichten, dass der über die IRS-Kanäle generierte Online-Umsatz im Achental von 2021 auf 2022 um 54% gestiegen ist. Der stärkste Kanal ist dabei booking.com, unmittelbar auf Platz 2 folgt dabei jedoch die eigene Gastgeber-Homepage. Dies zeigt, dass auch digital Stammgäste aufgebaut werden können..

Gedankenaustausch

Bei dem anschließenden Gedankenaustausch kristallisierten sich einige Kern-Probleme heraus:

Bei einigen älteren Vermietern steht ein Generationswechsel bevor, der aber gefährdet ist, da die Kinder oder Enkel nicht in die Fußstapfen der Eltern treten wollen, da sie selbst in einem ausfüllenden Beruf stehen oder meinen „dass es sich für die viele Arbeit nicht lohnt“. Hier berichtet Elisabeth Keihl von nicht zu wenigen Beispielen in den anderen Gemeinden, bei denen sich die jüngere Generation von Achental Tourismus beraten ließ und überrascht war, welche neuen Möglichkeiten es für die Vermietung gab. Einige haben danach Ferienwohnungen übernommen oder auch weitere neu geplant. Zu einer solchen Beratung stehen Sie und Franziska Kadler gerne zur Verfügung.

Ein weiteres Problem sahen die Gastgeber in der Vermarktung und mangelnden Kommunikation nach außen unseres Bergsteigerdorf- Siegels.

Die seit letztem Jahr bestehende Bergsteigerdörfer-Initiative hat dieses Thema ebenfalls erkannt und kümmert sich bereits um eine größere Unterstützung des DAV, da diese bisher noch nicht ausgeschöpft ist. Die Vermarktung muss intensiver genutzt werden, dies wurde auch aus dem Gemeinderat bekräftigt.

Die nicht bewirtschafteten Almen waren ebenfalls ein großes Thema, gerade auch in Bezug auf das Bergsteigerdorf-Siegel.

Bei der geforderten Verbesserung des ÖPNV konnte Elisabeth Keihl einen ersten Erfolg mit einer höheren Taktung an den Wochenenden ab 1. März vermelden. Aber natürlich bestehe hier weiterer Handlungsbedarf, der demnächst z.B. auch mit „Mitfahrbankerl“ im Bereich des Schmugglerweges unterstützt werden soll.

Als Begründung für den Rückgang der oben beschriebenen Zahlen, sahen die Vermieter die beschriebenen Kernprobleme, besonders aber die fehlenden Angebote zur Freizeitgestaltung im Ort und einen tristen Ortskern.

Zur Auslastung bei der Vermietung gab es durchaus konträre Meinungen, von „jeder muss sich selbst Gedanken machen und Ideen umsetzen, wie zum Beispiel die Präsenz in sozialen Netzwerken und diversen digitalen Medien, Ladestation für Elektroautos und natürlich eine zeitgemäße Ausstattung, wo nach der Renovierung auch einen höheren Vermietungspreis erzielt werden kann, für die Mehrarbeit kann man sich externe Hilfe holen“ bis „wir wollen keine anonymen Gastgeber im Internet sein“ sowie die Tatsache, dass bei den meisten Anbietern nur noch ab drei Tagen vermietet wird. (Problem für Durchreisende).

Aus dem Gemeinderat wurde es auch so gesehen, dass wenn mehr Gäste da sind, es sich rentiert in Ferienwohnungen zu investieren und damit das Bettenniveau zu halten und möglichst zu steigern. Von Seiten der Vermieter kam dazu, dass wenn ein größeres Angebot da ist, es sich auch wieder mehr lohnt, die positiven Punkte zu bewerben.

Es gab aus den Reihen der Vermieter auch positive Meldungen. Gelobt wurde der gute Aufbau der Internetseite. Es wurde bestätigt, dass Gäste, die die Ruhe suchen, hier sehr zufrieden waren (bis auf die Bustaktung).

Es wurde auch das Problem der „inneren Werbung“ angesprochen, gemeint waren die Ortstafeln, Bänke (früher hatte jede Bank eine Nummer), Beschilderung, Hinweisschilder etc.

Ein Vermieter erinnerte zum Schluss an die vielen Geschäfte, die vor 20 Jahren in Schleching existierten und dass einfach mehr Leben ins Dorf muss, denn die Gastgeber leben vom Fremdenverkehr, aber auch jeder Handwerksbetrieb, die Gastronomie, der Einzelhandel und viele andere. Der Vermieter stelle dar, dass Schleching für ein Dorf auch jetzt noch ein großes Angebot hat, das ohne den Tourismus so nicht aufrechterhalten werden kann. Schleching droht zum „Schlafdorf“ zu werden, in dem man nicht mehr lebt, sondern nur noch zum Übernachten zurückkehrt. Genügend Beispiele für eine solche Entwicklung gibt es z.B. im Umfeld von München.

Aus dem Gemeinderat kam die Aussage „wir alle sind die Gemeinde, wir müssen die Probleme miteinander anpacken“.

Wie geht es weiter?

Eli Keihl erläuterte Vorschläge für nächste Schritte:

Wer Interesse an dem Thema Onlinebuchbarkeit + neues T-Smart hat, kann sich in Schleching vor Ort durch Mario Kljajic vom IRS 18 beraten lassen. Ferner steht der Achental Tourismus natürlich immer beratend bereit.

• Vom 08. - 11.05.23 steht die Gastgeber-Beraterin Ursula Düsterhöft den Gastgebern zu Beratungsterminen zur Verfügung. Die Gemeinde Schleching übernimmt die Kosten für diese Beratung. Dabei wird am 08.05. nachmittags für alle Gastgeber zusammen das Seminar „Preisgestaltung und betriebswirtschaftliche Grundzüge“ angeboten.

Vom 09. - 11.05. bietet Frau Düsterhöft vor Ort in Ihren Unterkünften:

Einzeltermine von 3 - 3,5 Stunden an. Da das Kontigent in einem ersten Schritt auf 6 Termine begrenzt ist, bittet der Achental Tourismus, sich bei ihnen rechtzeitig anzumelden. Frau Düsterhöft ist eine erfahrene Beraterin, die selbst jahrelang Ferienunterkünfte vermietet hat. Einige Vermieter kannte sie schon von Gastgeber-Schulungen des Achental Tourismus.

Nach 2,5 Stunden teilweise kontroverser, aber zielführender Diskussion bestand eine große Einigkeit, dass der Karren nur gemeinsam „aus dem Dreck“ gezogen werden kann.