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Gemeindenachrichten Schleching
Ausgabe 6/2023
Aus dem Rathaus
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Appell von Bürgermeister Josef Loferer und dem gesamten Gemeinderat - Rettet den Dorfladen; Fahrt nicht fort - kauft im Ort

(Bild Gemeinde)

Schlechinger Dorfladen gerät in Schieflage - Gemeinderat gründet Arbeitsgruppe

„Wir haben es selbst in der Hand - Einkauf im Dorfladen erste Bürgerpflicht“

Gestiegene Energie- und Personalkosten - verändertes Kaufverhalten -

- Eindringlicher Appell an die Schlechinger Bürger

Schleching - Unverzichtbarer Eckpfeiler für die Nahversorgung und sichtbares Zeichen für ein intaktes Gemeindeleben: Die Schlechinger sind zu Recht stolz auf ihren Dorfladen im Herzen der Gemeinde. Täglich frisches Brot, Obst, Gemüse, Wurstwaren, Käse, Getränke, Zeitungen und sämtliche Grundnahrungsmittel des täglichen Bedarfs - seit 2013 wird das Geschäft als „Dorfladen Schleching UG“ mit stillen Gesellschaftern erfolgreich betrieben. Doch die Tage des Dorfladens könnten bald gezählt sein: Eine anhaltende Inflation auf Rekordniveau, deutlich gestiegene Energie- und Personalkosten sowie ein spürbar verändertes Kaufverhalten haben den Dorfladen in eine wirtschaftliche Schieflage gebracht, die den weiteren Betrieb desselben gefährdet. Die Räumlichkeiten befinden sich im ehemaligen Anwesen der Geschwister Weiß im Ortszentrum, das 2012 von der Gemeinde „zur Sicherung des Ortsbildes sowie der dauerhaften Gewährleistung der Nahversorgung“ erworben wurde. Mit einem eindringlichen Appell wendet sich jetzt der Beirat der „Dorfladen Schleching UG“ an die Schlechinger: „Wir haben es gemeinschaftlich selbst in der Hand - Ohne die Unterstützung eines jeden Einzelnen werden wir für Euch nicht mehr da sein!“

Elfie Bachmann, Zweite Bürgermeisterin von Schleching: „Die Lage ist dramatisch, betrifft jeden von uns und geht weit über den eigentlichen Einkauf von Lebensmitteln hinaus. Vor Ort einkaufen im Dorfladen und auch in unseren weiteren Einzelhandelsgeschäften ist das Gebot der Stunde und angesichts der aktuellen Situation „erste Bürgerpflicht“! Sollten wir unser Einkaufsverhalten nicht zugunsten unserer Nahversorger ändern und zumindest einen Teil unseres täglichen Bedarfs nicht vor Ort decken, lässt sich vor allem der Betrieb unseres Dorfladens nicht länger aufrechterhalten, wäre das Ende besiegelt. Und das mit allen Konsequenzen für die Einheimischen, aber auch für den Tourismus.“ Nach den Worten von Elfie Bachmann ist der Dorfladen weit mehr als ein Nahversorger, auf den zahlreiche Einheimische - insbesondere auch ältere Mitbürger - zwingend angewiesen sind. „Der eigene Dorfladen ist auch ganz wesentlich für Radlfahrer und Wanderer, die unser Bergsteigerdorf besuchen, eines der Aushängeschilder der touristischen Attraktivität unseres Dorfes. Schleching ohne Dorfladen und ohne die Möglichkeit, Waren des täglichen Lebens vor Ort einkaufen zu können - das mag ich mir nicht vorstellen.“ Nach den Worten von Elfie Bachmann wurde auf Vorschlag von Bürgermeister Loferer aus dem Kreis des Gemeinderates eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen (Bachmann Elfie, Claus Rathje, Hammerl-Tiefenböck Martina, Hell Andi, Kleinschroth Tim, Mix Stephan), die sich mit der Zukunft des Dorfladens befassen wird. „Das Überleben des Dorfladens hat höchsten Stellenwert“, so die Zweite Bürgermeisterin.

Noch für das Geschäftsjahr 2020 konnte Claus Rathje als Beiratsvorsitzender der „Dorfladen Schleching UG“ mit einem Rekordumsatz von rund 700.000 € eine durchwegs positive Entwicklung vermelden. Mit Ausbruch des Angriffskrieges auf die Ukraine im Februar vergangenen Jahres sei auch im Dorfladen eine „Zeitenwende“ eingetreten, habe der spürbare Abschwung begonnen. Neben dem veränderten Kaufverhalten seien vor allem gestiegene Personalkosten durch die Anhebung des Mindestlohnes, explosionsartig gestiegene Energiekosten und die Verteuerung nahezu sämtlicher Produkte Ursache für den Einbruch verantwortlich. Claus Rathje: „Unsere Kapitaldecke wird zusehends dünner, die nach wie vor durchaus zufriedenstellende Umsatzentwicklung wird massiv durch gestiegene Energie- und Personalkosten belastet. Zudem müssen Verbraucher verstärkt auf ihre Ausgaben achten, steuern für ihre Einkäufe die Discounter an, mit denen wir nicht bei sämtlichen Produkten konkurrieren können“, so der Beirat.

Claus Rathje: „Es ist an uns, die Bedeutung eines eigenen Dorfladens im Bewusstsein unserer Mitbürger stärker zu verankern und allen deutlich zu machen, was der Verlust des Ladens für das Dorf und unsere viel gelobte Lebensqualität bedeuten könnte. Außerdem ist da ein engagiertes Verkaufsteam am Werk: Die Damen setzen sich für „ihren“ Dorfladen ein und es stehen damit auch einige Arbeitsplätze auf dem Spiel. Einkaufen vor Ort ist so vieles mehr: In unseren Einzelhandelsgeschäften spiegelt sich unser Dorfleben wider, werden soziale Kontakte geknüpft und gepflegt. Wer vor der Haustür einkauft und sein Auto stehenlässt, der leistet einen sichtbaren Beitrag für die Umwelt. Letztendlich ist der Einkauf im Dorf auch ein sichtbares Zeichen für den Zusammenhalt, der in Schleching traditionell hochgehalten und gelebt wird.“

(Bericht E. Bachmann/T.Wilde)