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Sulzberger Bürgerblatt
Ausgabe 16/2026
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Der neue Wald wächst unter alten Bäumen

Naturverjüngung hilft beim Umbau der Allgäuer Wälder

Unter alten Fichten wächst im Allgäu bereits die nächste Waldgeneration heran. Kniehoch ragen die jungen Bäume aus dem Waldboden. Aus ihnen können später bis zu 40 Meter hohe Bäume entstehen. Dieser natürliche Prozess wird „Naturverjüngung" genannt. Dabei entstehen neue Waldbestände ganz ohne Pflanzung. Statt junge Bäume zu pflanzen, nutzen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer die Samen der vorhandenen Altbäume. Das spart Kosten, vermeidet Wurzelschäden durch die Pflanzung und sorgt in der Regel dafür, dass sich Baumarten entwickeln, die gut zum Standort passen. „Naturverjüngung klingt einfach, ist aber eine anspruchsvolle Aufgabe", sagt Marcus Fischer vom Forstrevier Lindenberg des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kempten. „Man muss früh überlegen, wie sich der Wald in Zeiten des Klimawandels entwickeln soll."

Damit junge Bäume wachsen können, braucht es vor allem eines: genügend Licht. Deshalb werden ältere Bestände durch die Ernte von einzelnen Bäumen vorsichtig aufgelichtet. So gelangt mehr Licht auf den Waldboden und junge Bäume können keimen. Wie viel Licht nötig ist, hängt von der Baumart ab. Tanne und Buche kommen mit wenig Licht aus. Eiche oder Kiefer hingegen benötigen deutlich mehr Helligkeit. „In der Praxis sehen wir oft, dass Bestände entweder zu stark oder zu wenig geöffnet werden", erklärt Fischer. „Zu viel Licht führt schnell zu Brombeeren und Gras, die die jungen Bäume bedrängen. Zu wenig Licht bremst dagegen die Entwicklung der jungen Bäume." Naturverjüngung braucht außerdem Zeit. Die Altbäume tragen nicht jedes Jahr viele Samen. Gute Samenjahre, sogenannte Mastjahre, treten oft nur alle paar Jahre auf.

Ein wichtiger Faktor ist außerdem das Wild. Wenn es zu viele Rehe oder Hirsche im Wald gibt, fressen sie die jungen Bäume ab. „Wenn der Verbiss zu stark ist, kann die Naturverjüngung scheitern", erklärt Simon Östreicher, Bereichsleiter Forsten am AELF Kempten. „Waldumbau ist eine Aufgabe für Generationen. Dafür brauchen die Waldbesitzer zwingend die Unterstützung durch die Jäger."

Der Freistaat Bayern unterstützt die Waldbesitzer beim Aufbau zukunftsfähiger Wälder durch eine kostenlose Beratung durch die Försterinnen und Förster des AELF und mit finanziellen Förderprogrammen. Für die Sicherung und Pflege der Naturverjüngung können die Waldbesitzer beispielsweise eine Förderung von 1.300 Euro pro Hektar erhalten. In Schutzwäldern und im Kleinprivatwald gibt es zusätzliche Zuschläge.

„Die Förderung soll helfen, notwendige Maßnahmen bezahlbar zu machen", sagt Fischer. „Entscheidend ist aber immer eine gute Planung, da jeder Wald anders ist. Standort, Baumarten im Altbestand und Wildbestand spielen dabei eine wichtige Rolle." Am Ende geht es um die Zukunft der Wälder im Allgäu. „Wer heute die richtigen Entscheidungen trifft, prägt den Wald für die nächsten 100 bis 150 Jahre", sagt Östreicher. „Unser Ziel sind stabile und vielfältige Wälder, die den Klimaveränderungen trotzen können."