Die Heidestraße ist eine ganz alltägliche Straße... irgendwo. Der Autor verortet sie nicht genau. Es gibt Wohnhäuser, eine Bäckerei, einen Metzger, Kneipen, ein Seniorenheim, eine Baustelle, ein Antiquariat, Verwaltungsgebäude. Seethaler porträtiert das Leben in dieser Straße abseits vom Stadtzentrum von einem Heidestraßenfest im November bis zum nächsten, über ein ganzes Jahr hinweg. In einem vielstimmigen Chor der Bewohner und in wechselnden Genres webt er ein buntes Bild: Dialoge, Bürokratendeutsch, Naturbeobachtungen im Wechsel der Jahreszeiten, innere Monologe über Alterseinsamkeit und Gentrifizierung, Strukturwandel und Feststimmung.
Robert Seethaler fängt das ganz normale Leben der Menschen hinter den Fassaden in seinem schmalen Roman komprimiert ein. Seine sanft fließende Erzählweise beschreibt die Stimmungen und den Alltag. Wunderbare, wohltuende Lektüre in hektischen Zeiten, die sich den gesellschaftlichen Problemen aber nicht verweigert und keine falsche Idylle propagiert.
(Quelle:St. Michaelsbund)