Als mich in der Osternacht vom 4. zum 5. April lautes Poltern und Schreien aus dem Schlaf riss, vermutete ich Streit vor dem Haus. Verärgert zog ich den Rolladen meiner Terrassentür hoch und stand geblendet vor einer Wand aus grellem Licht und zur Erde fallenden brennenden Stoff-Fetzen. Im selben Augenblick ergriffen mich die starken Hände von Nachbarn und zogen mich samt meinem Rollator so schnell es meine alten Beine erlaubten fort von einem riesigen Feuer über mir.
Erst aus der sicheren Entfernung im gegenüber liegenden Spielplatz erkannte ich den vollen Umfang der Gefahr, aus der ich befreit worden war. Lodernde Flammen und sprühende Funken stiegen vom oberen Teil des 6-Parteien-Hauses hoch in den Nachthimmel. Das Gebäude war in gleißende Helle getaucht als stünde schon alles in Brand.
Zu diesem Zeitpunkt trafen – wohl gegen 23.00 Uhr – die Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr ein. Im Nu schallten Kommandos und Zurufe durch die Luft und rückten zahlreiche tatkräftige Feuerwehrleute zielgerichtet mit Ausrüstung und Gerät auf das brennende Haus vor. Mit den kompetenten Anweisungen der Polizei fanden meine mich stützenden Nachbarin und ich den weitab vom Gedränge des Geschehens stehenden Wagen des Rettungsdienstes. Während ein Mitbewohner und ich hier in der Obhut eines Notarztes waren, kämpften die Freiwilligen der Feuerwehren aus Surberg, Traunstein, Hochberg und Wonneberg mit all ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln darum, unser Zuhause zu retten. Erst in der beruhigenden Atmosphäre des Wärmewagens fand ich die Kraft, den Himmel um Beistand für die trotz aller modernen Ausrüstung gefährliche Arbeit der Männer und Frauen zu bitten. Ihr mehrstündiger Einsatz ermöglichte es mir und drei zu diesem Zeitpunkt anwesenden Mitbewohnern am 1. Feiertag in vom Feuer bewahrte Wohnungen zurückzukehren.
In der Stille des Ostermorgens blickte ich mit Schaudern auf verkohlte Trümmer vor meiner mit Asche und Ruß bedeckten Terrasse und dachte an meinen Mitbewohner aus der Dachwohnung. Zwar hatte der Hausmeister unseres Hauses, Herr Leszek K. Nemeth, ihn selbst noch vor Eintreffen der Feuerwehr aus seiner hoffnungslos brennenden Wohnung gerettet, doch konnte diese nicht mehr zur Rückkehr frei gegeben werden. So stehen wir, die nach Hause kehren konnten, zwischen der Freude über unser Glück und dem Mitgefühl für das Unglück unseres langjährigen Mitbewohners.
Über dem ganzen Geschehen aber steht die tiefe Dankbarkeit für den großartigen Einsatz der vier Freiwilligen Feuerwehren, des Rettungsdienstes und der Polizei und den nachbarlichen Beistand.
Uns Betroffenen vom „Haus Am Kircherle" wird die große Hilfsbereitschaft in dieser Osternacht für immer in denkwürdiger Erinnerung bleiben.