Unterwössen – Der Gemeinderat stimmte am Montag geschlossen für die Annahme eines geschenkten Fahrzeugs der Stiftung LichtBlick Seniorenhilfe. Der Ford Tourneo L2 soll künftig bedürftige Seniorinnen und Senioren zu Arztbesuchen, Friedhof, Kirche oder zum Einkaufen fahren. Die Gemeinde zahlt Versicherung, Steuer und Wartung, rund 5.000 Euro pro Jahr. Der Wössner Regenbogen organisiert den ehrenamtlichen Fahrdienst.
Bürgermeister Ludwig Entfellner (CSU) begrüßte zur Sitzung Luisa Rudek, zweite Vorsitzende des Wössner Regenbogens, und Erwin Karg. Karg ist Seniorenbeauftragter der Gemeinde und organisiert die Nachbarschaftshilfe im Wössner Regenbogen. Entfellner erinnerte an eine frühere Sitzung, als der Rat über ein Fahrzeug als Geschenk der LichtBlick Seniorenhilfe diskutierte. Wegen des damals ungewissen Bedarfs entschieden sich die Räte stattdessen dafür, das CarSharing-Auto für Seniorenfahrten zu nutzen.
Verwaltungsleiter Thomas Müllinger nannte die aktuellen Zahlen, die der Regenbogen in einer Präsentation mitbrachte. 2024 verzeichnete die Nachbarschaftshilfe 80 längere Fahrten über 20 Kilometer. Dazu kamen etwa 100 Kurzfahrten. 2024 waren das 1017 Kilometer. Regelmäßige Fahrten innerhalb Unterwössens erfasst die Statistik nicht. Bis Oktober waren es dieses Jahr dann schon 1369 Kilometer. Bisher fuhren die Ehrenamtlichen oft auch mit ihren privaten Autos, weil das CarSharing-Fahrzeug oft ausgebucht war. Eine klar steigende Tendenz zeichnet sich ab.
Die Stiftung LichtBlick Seniorenhilfe mit Sitz in München schenkt bundesweit Gemeinden Fahrzeuge für Seniorenfahrdienste. Die Kommunen tragen nur die laufenden Kosten. Die Fahrzeuge stehen im Eigentum der Gemeinden, dürfen aber ausschließlich bedürftige Seniorinnen und Senioren befördern. Die Stiftung behält die Zulassungsbescheinigung Teil II und kann das Fahrzeug zurückfordern, wenn die Zweckbindung verletzt wird.
Der Ford Tourneo L2 ist ein Hochdachkombi. Schiebetüren an beiden Seiten ermöglichen bequemes Ein- und Aussteigen. Der Kofferraum fasst mehrere Rollatoren. Die Sitze in der zweiten und dritten Reihe lassen sich umklappen oder herausnehmen. Die jährlichen Kosten für die Gemeinde setzen sich aus rund 2500 Euro Versicherung, etwa 200 Euro Kfz-Steuer sowie rund 2300 Euro für Service und Wartung zusammen.
Gemeinderätin Andrea Größ (CSU) erkundigte sich, ob Seniorinnen und Senioren das Fahrzeug auch selbst nutzen könnten. Erwin Karg verneinte und stellte klar, dass die Fahrten ausschließlich von der Nachbarschaftshilfe organisiert werden. Aus versicherungstechnischen Gründen dürften nur Mitglieder des Wössner Regenbogens fahren. Karg führt eine Liste aller fahrberechtigten Personen und kontrolliert zweimal jährlich die Führerscheine. Insgesamt kann die Nachbarschaftshilfe auf 24 Helfer zurückgreifen, davon stehen zwölf als aktive Fahrer zur Verfügung.
Gemeinderätin Katharina Wagner (CSU) begrüßte das Angebot ausdrücklich. Sie freue sich vor allem über das Engagement der ehrenamtlichen Fahrer. Der Applaus des gesamten Gemeinderates bestätigt sie in ihrer Ansicht.
Gemeinderätin Gabriele Neubert (Bündnis 90/Die Grünen) fragte nach den Auswirkungen auf das CarSharing-Angebot. Verwaltungsleiter Müllinger gab Entwarnung. Rund 80 Prozent der Nutzer seien Privatpersonen. Der Wegfall der Seniorenfahrten falle kaum ins Gewicht, auch weil das Unterwössner CarSharing-Angebot insgesamt sehr gut ausgelastet sei.
Gemeinderat Andrew Lloyd (Bündnis 90/Die Grünen) erkundigte sich nach einem Elektrofahrzeug. Erwin Karg erklärte, er habe diese Option intensiv geprüft. Ein E-Auto wäre ihm grundsätzlich lieber gewesen. Allerdings hätte die Gemeinde zusätzlich eine kostspielige Ladesäule anschaffen müssen. Zudem liege der Anschaffungspreis deutlich über dem eines Verbrenners. „Für soziale Zwecke muss das mit den zusätzlichen Kosten nicht sein“, sagte Karg.
Auf Nachfrage von Lloyd bestätigen Rudek und Karg, dass jeder das Angebot nutzen kann, der es wirklich braucht. Bürgermeister Entfellner präzisierte: „Das ist kein Modell für jeden, kein Modell für den, der sich ein Taxi leisten oder mit dem eigenen Fahrzeug fahren kann." Luisa Rudek ergänzte: „Das erleben wir immer wieder, dass jemand sich für bedürftig hält, der es aber nicht ist."
Gemeinderat Philipp Weißenbacher (FWG Wössen) riet, bei der öffentlichen Kommunikation stets klarzustellen, dass es sich um eine freiwillige Leistung handle. „Niemand hat einen festen Anspruch auf freiwillige Leistungen anderer im Ehrenamt.“
Bürgermeister Entfellner geht in die gleiche Richtung: „Das Angebot ist nicht selbstverständlich." Er forderte Wertschätzung von allen Beteiligten und Nutzern ein. Der Vertrag zwischen Gemeinde und Wössner Regenbogen lasse sich von beiden Seiten mit drei Monaten Frist kündigen, falls das nötig werde.
Der Wössner Regenbogen legte einen Entwurf für die Nutzungsvereinbarung vor. Bürgermeister und Verwaltungsleiter bezeichneten ihn als umfassend und fair. Der Verein organisiert den Fahrdienst, stellt die Fahrer, führt das Fahrtenbuch, reinigt und pflegt das Fahrzeug. Die Gemeinde bleibt Halterin und trägt die Betriebskosten. Nutzer sollten freiwillig 30 Cent pro Kilometer und fünf Euro pro angefangener Stunde Wartezeit bezahlen. Die Wartezeit-Pauschale geht vollständig an die ehrenamtlichen Fahrer. Die Kilometereinnahmen decken Tank und Reinigung.
Der Gemeinderat stimmte dem Beschluss einstimmig zu.
fg