Unterwössen - Die 3. Seniorenmesse in der Achentalhalle Unterwössen bildete den Abschluss der Aktionswoche „Älter werden im Achental“. Sie erwies sich als großartiges, gebündeltes Angebot mit über 20 Ausstellern Ansprechpartner und Antworten auf die Herausforderungen des Alters zu finden. Zahlreiche Betroffene und deren Angehörigen nahmen das Angebot begeistert war.
Über zwanzig Aussteller aus dem gesamten südlichen Chiemgau präsentierten ihre Angebote. Das Landratsamt als erster Ansprechpartner im Pflegefall, Pflegeeinrichtungen, Hilfsmittelanbieter, soziale Dienste, Ehrenamtsnetzwerke, Beratungsstellen, Optiker, Hörakustiker, Bestatter bis hin zur Polizei mit ihrer Beratung gegen Trickbetrug und für Einbruchsschutz stellten sich den Fragen. Die Diakonie Marquartstein organisierte die Messe. Diakon Michael Soergel, Organisator der Veranstaltung, eröffnete die Veranstaltung mit einer kurzen Ansprache. Er stellte die Jahreslosung der Diakonie voran: „Prüft alles und behaltet das Gute.“ Der Satz aus dem ersten Thessalonicherbrief wäre eine passende Überschrift für den Nachmittag. Soergel sprach offen über die Herausforderungen des Alterns, über den Verlust von Selbstständigkeit, über das Gefühl, mit Problemen allein zu sein. „Gerade im ländlichen Raum ist das Angebot oft nicht so breit wie in der Stadt. Aber wir leben hier, wir haben uns diesen Ort ausgesucht. Also müssen wir auch die Veränderungen annehmen, die das Leben mit sich bringt“, sagte er.
Zu resignieren, sich beleidigt zurückzuziehen, wenn Hilfe fehle, sei keine Lösung. Er rief nachdrücklich auf, auf andere zuzugehen, sich Hilfe und Unterstützung zu suchen. „Viele Angebote erkennt man erst, wenn man hinschaut. Die Messe zeigt, was im Achental möglich ist“, sagte er.
Johannes Weber, zweiter Bürgermeister von Unterwössen, sprach für die beteiligten Gemeinden Marquartstein, Reit im Winkl, Schleching und Unterwössen und deren Bürgermeister. Weber betonte, wie wichtig es sei, Vorsorge ernst zu nehmen. „Diese Themen betreffen uns alle – früher oder später. Gut, dass es hier im Achental eine Messe gibt, die direkte Gespräche ermöglicht“, empfand er. Besonders lobte er die Zusammenarbeit der Gemeinden, der Diakonie und der Quartiersmanagerinnen Brigitte Schmitz (Unterwössen und Marquartstein), Ulrike Speicher (Reit im Winkl) und Wolfgang Zintel (Schleching).
Das breite Angebot an Beratung wurde darauf übersichtlich, als die Standbetreiber sich und ihr Angebot der Reihe nach vorstellten.
Während der drei Stunden in der Achentalhalle herrschte durchgehend Betrieb. Zwischen den Tischen bildeten sich kleine Gruppen, Broschüren wechselten die Besitzer. Dazu gab es Kaffee und Kuchen, gestiftet von der Unterwössner Apotheke.
Der Kranken- und Pflegedienst Mühlhammer, die Pflegedienste Münch und Caritas Traunstein, die Tagespflege Anthojo und das Wohnstift Marquartstein erklärten Leistungen und beantworteten Fragen. Der Hospizverein und der Pflegestützpunkt informierten über letzte Lebensphasen und Vorsorgevollmachten. Die Polizei sprach über Sicherheit im Alter, Betrugsmaschen und Nachbarschaftshilfe. Hörakustiker und Optiker zeigten, wie moderne Technik unterstützt. Bestattungsunternehmen erklärten, wie Vorsorge entlastet. Der VdK gab Tipps bei Anträgen, das Netzwerk 18 informierte über neurologische Versorgung. Die EUTB bot Teilhabeberatung an, das Diakonische Werk stellte sein Engagement vor. Die Familienstelle Grassau warb für die Nachbarschaftshilfe. Die Angebote deckten viele Lebensbereiche ab.
Michael Soergel zeigte sich im Gespräch mit der Zeitung zufrieden. Die ganze Woche über habe es gute Rückmeldungen gegeben. Die vorangegangenen Vortragsveranstaltungen Veranstaltungen seien durchweg gut besucht gewesen. Den Anfang machte am Montag ein Vortrag über Altersdepression, gehalten von der Psychotherapeutin Sophia Palmer. „Sie traf einen Nerv“, sagte Soergel. Der Kurs zum digitalen Nachlass am Dienstagabend in Reit im Winkl stieß auf starkes Interesse. „Die Leute beschäftigt, was nach dem Tod mit ihren Online-Konten und digitalen Daten passiert“, so Soergel. Der Vortrag am Mittwoch musste entfallen. Die Veranstaltung am Donnerstag zum Thema Demenz fand wieder viel Zuspruch. Roswitha Moderegger, Fachkraft für Gerontologie, sprach über Wege, mit demenziell veränderten Menschen in Verbindung zu bleiben. Das Fazit: „Es gibt kein allgemein gültiges Rezept. Jeder Fall ist anders.“ Doch es gab eine Vielzahl an Tipps, zum wechselseitigen Verstehen beizutragen.
fg