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Wössner Gemeindezeitung Amtliches Bekanntmachungsorgan der Gemeinde Unterwössen
Ausgabe 12/2026
Aus dem Rathaus
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Vom Bürgermeister zum Altbürgermeister

„Du hattest stets Wössen im Herzen und die Region im Blick“

 

Unterwössen – Das Bild vom Rathausplatz am Freitagabend ließ so manchen Pfingsturlauber auf der Hauptstraße vom Gas gehen. Aber so hatte es sich der vergangene Bürgermeister Ludwig Entfellner seine Verabschiedung gewünscht, als der Gedanke an ihn herangetragen wurde. Kein Festzug, kein Trachtenzug, kein Heimatabend. „Ich wollte einen gewissen respektablen Anlass. Ich wollte das Rathaus im Hintergrund. Und ich wollte einen überschaubaren Rahmen."

Gut hundert Menschen standen bei traumhaftem Wetter im Kreis auf dem Rathausplatz, als Erster Bürgermeister Johannes Weber das Mikrofon ergriff und seinen Amtsvorgänger Ludwig Entfellner verabschiedete. „Verabschiedung wird es genannt, aber eigentlich geht es um eine Würdigung. Um die Würdigung einer Person, die sich in Wössen über viele Jahrzehnte in zentralen Positionen engagiert und Wössen auf diese Weise mitgeprägt hat.“ Weber trug die Bürgermeisterkette. Entfellner stand im Publikum. Zwölf Jahre von 2014 bis Mai 2026 lag zwischen deren Amtseinführungen.

Weber begrüßte Entfellner mit Ehefrau Elfriede und Familie, die Bürgermeisterkollegen Stefan Kattari aus Grassau, Matthias Schlechter aus Reit im Winkl und Andreas Scheck aus Marquartstein, Geschäftsführerin Elisabeth Keil vom Achental Tourismus, Pfarrer Martin Straßer, Altbürgermeister Hans Haslreiter sowie ehemalige und aktuelle Gemeinderäte und Vereinsvorstände aus Unter- und Oberwössen.

Für Entfellners politische Haltung fand Weber eine einzige Formel: „Du stehst für Bewahren und Erhalten und doch behutsam weiterentwickeln." Dann zählte er auf, was in zwölf Jahren entstanden war: das Bürgerhaus Altes Bad, das alte Schulhaus in Oberwössen, die städtebaulichen Neugestaltungen in beiden Ortsteilen, der Erwerb der Wasserversorgung Unterwössen. „Du bist analytisch und mit Weitblick. Das hat sich in vielfacher Weise gezeigt."

Und Weber trat aus der Rolle des Nachfolgers heraus: „Wir beide kennen uns jetzt seit mehr als 15 Jahren. Ich habe von Dir viel gelernt. Ich bin stolz auf unsere Freundschaft. Lieber Luck, Du hattest stets Wössen im Herzen und die Region im Blick."

Weber berichtete aus der konstituierenden Sitzung des Wössner Gemeinderates und der Entscheidung, Entfellner den Titel des Altbürgermeisters zu verleihen. Der Bürgermeister überreichte Entfellner die Urkunde zum Ehrentitel. 

Hatte die Musikkapelle mit dem Laridah Marsch den Abend eröffnet, fand der Kirchenchor mit „Fein sein, beieinander bleiben" das passende Lied.

 

 

Renate Bauer, Vorsitzende des Oberwössner Trachtenvereins D'Rechlberger, und Andrea Größ, zweite Vorsitzende der D'Achentaler Unterwössen, traten gemeinsam ans Rednerpult. Größ als Vertreterin des erkrankten Vorsitzenden Otto Dufter, zitierte Dufter. Der habe Fußballer Entfellner als Libero beschrieben, als Spieler, „der ohne direkten Gegenspieler hinter der Abwehrkette agiert." Entfellner delegiere und dirigiere von hinten. „Du warst und bist für uns ein verlässlicher, guter Freund. Wir haben uns immer voll auf dich verlassen können."

Philipp Weißenbacher, bis vor wenigen Tagen Gemeinderat und erster Vorsitzender des SV Unterwössen, verfolgte die Sportlaufbahn: Früher Fußballer war Entfellner Fußballer nun seit zehn Jahren Mitglied im Ältestenrat, dem obersten Kontrollgremium des Vereins. Der Bayerische Landessportverband hatte Entfellner dafür bereits am 13. Mai die Verdienstnadel in Bronze mit Kranz verliehen; Weißenbacher überreichte die Auszeichnung offiziell.

Wegbegleiter im Gemeinderat und Freund ist Kompaniehauptmann Georg Haslberger von der Gebirgsschützenkompanie Wössen/Achental. Ihn begleitete der Schützenmeister der Sportschützen Alexander Meder. Haslberger erinnerte an viele gemeinsame Dorffeste auf genau diesem Platz. Er erinnerte, dass manche Schwierigkeiten „mit Gaudi gelöst" worden seien. Als Geschenk übergab die Kompanie ein Ehrenmesser — zum Brotzeitmachen.

Für den Krieger- und Soldatenverein und den VdK Wössen fasste Klaus Hellmich in zwei Sätzen zusammen: „Er ist der Vater aller Vereine." Als Geschenk kündigte er ein Fotobuch vom Abend an.

Der Vorstand Hermann Minisini verweist auf den Erfolgsanteil seines Gartenbauvereins. Mit Blick auf dessen Blumenpflanzungen auf dem Rathausplatz findet er: Die Blumen sorgten dafür, dass der Bürgermeister beim Kommen gut gelaunt sei und gute Entscheidungen treffe. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das passt."

Die Katholische Kirche vertraten Pfarrverbandsleiter Pfarrer Martin Straßer und Maximilian Wimmer, Verwaltungsleiter des Kitaverbundes Grabenstätt. Sie sprachen die Zusammenarbeit bei der Neugestaltung des Kirchenumfeldes an, das Vertrauen zwischen Rathaus und Pfarrverband. Straßer würdigte Entfellners Urteil „als Handwerker, als Meister."

„Wir haben einige Gefechte auch für den Standort der Mittelschule gefochten — ganz konstruktiv bestritten", blickt Schulrektor Otto Manzenberger zurück. Was ihn an Entfellner fasziniert habe: „Nicht viele Worte, sondern das da überlegen und dann durchziehen." Als Geschenk überreichte er einen Schülerausweis mit lebenslangem Ernterecht aus dem Schulgarten.

 

 

Die Aktiven des Trachtenvereins D'Achentaler unterbrachen die Reihung der Redebeiträge mit einem Sterntanz, begleitet von der Musikkapelle Wössen unter Dirigent Martin Nieß.

„Ein erfolgreicher Mann hat immer eine starke Frau", rief Gabi Neubert auch Entfellners Ehefrau Elfriede nach vorn. Neubert sieht sich als gelegentliche Querulantin der vergangenen sechs Jahre im Gemeinderat. Der Respekt vor dem, was Entfellner für die Gemeinde geleistet habe, sei so groß, sagte Neubert, „dass sich andere Dörfer ein Beispiel nehmen wollen." Im Dorf sei gesammelt worden für ein E-Bike. Sie überreichte mit Gemeinderat Philipp Spanier einen Gutschein für ein solches Rad. Spanier schloss mit persönlichen Worten über die gemeinsamen Jahre der Zusammenarbeit.

Zuletzt trat Ludwig Entfellner ans Mikrofon. Warum wird man Bürgermeister? „Irgendwann musst du dich entscheiden. Entweder machen oder - auf gut Bayerisch gesagt - das Maul halten. Und ich habe mich dann für die erste Variante entschieden." Die eigentliche Antwort aber gab er an anderer Stelle: Einmal sei er gefragt worden, warum er den Job mache. Er habe kurz nachgedacht. Dann: „Ich glaube, weil ich die Leute mag, so wie sie sind." Sein Gegenüber habe geantwortet,  aus diesem Grund sei er selbst kein Bürgermeister geworden, er möge die Leute nämlich nicht, so wie sie sind. Entfellner: „Das ist ein gewisses Spiel, das musst du verstehen."

Zahlen seien oft grausam: „Wenn ich jetzt sage, dass wir tatsächlich schon seit 50 Jahren beieinander sind,“ denkt er über seine Ehe nach, „schreckt man sich selber. Also sie war 15 und ich war 17." Gegensätze zögen sich an: Sie sei der ruhige Pol, er neige zur Naivität.

Sein Fazit fasste er in einem Wort zusammen, das er auseinandernahm: „In dem Wort Zufriedenheit ist ja auch das Wort Friede drin. Ich bin in Frieden mit mir selbst." Eine Erinnerung sei ihm immer präsent: Seine jüngste Tochter Elisabeth, wie sie als Kind beim Hüpfen gesungen hatte: „Mich geht's gut." „Mich geht's gut, liebe Freunde, uns geht's gut. Und wir werden das schon schaukeln, glaube ich, in der Zukunft."

Der Kirchenchor beschloss den offiziellen Teil mit „Viel Glück und viel Segen".

fg