Meisterkurs und Konzert in der Villa Sawallisch mit Yaara Tal
Die weltbekannte Pianistin Yaara Tal arbeitete in Grassau während eines zweitägigen Meisterkurses im Hefter-Saal und in der Villa Sawallisch mit Schülerinnen und Schülern der Musikschule Grassau an Klavierwerken von Max Reger. Die Ergebnisse waren in einem bunten und aufschlussreichen Konzertabend zu hören.
Max Reger – von ihm kennt man harmonisch dichte und dunkle Chorstücke, komplizierte und polyphon verschlungene Orgelwerke, gegen die die Fugen Bachs im Vergleich schon fast luftig wirken. Die Max Reger Gesellschaft, deren Vorsitzende Yaara Tal ist, macht es sich zur Aufgabe, das Werk des Komponisten zu pflegen und einem breiten Publikum bekannt zu machen. Und nun sollen sich Jugendliche, die meisten im Alter von 14 bis 18 Jahren, mit dessen Klavierwerk auseinandersetzen. Eine gute Idee? Bisher hatte niemand aus dem Schülerkreis jemals ein Stück von Reger gespielt, so Dominika Schmidt, die als Leiterin des Fachbereichs Klavier an der Musikschule Grassau die Organisation des Kurses übernommen hat.
Es ist eine hervorragende Idee! Die Kursteilnehmer bereiteten jeweils ein Stück aus den Zyklen op. 17 „Aus der Jugendzeit“ oder op. 44 „10 kleine Vortragsstücke“ vor. Dabei handelt es sich um Miniaturen, Charaktertücke mit sinngebenden Titeln wie „Frohsinn“, „Es war einmal“ oder „Bange Frage“. Die fast durchweg dreiteiligen Stücke sind aber alles andere als simpel und leicht zu spielen, für Anfänger auf dem Klavier sind sie bestimmt nicht gedacht. Vielmehr sind es Werke, die es wert wären, auch im großen Konzertsaal aufgeführt zu werden, und die absolut gleichberechtigt neben etwa den bekannten Kinderszenen von Schumann stehen oder den Liedern ohne Worte Mendelssohns, an die der „Abendgesang“ aus op. 17, erinnert, den Lara Plank vortrug. Dem Publikum im vollbesetzten Kammermusiksaal der Villa Sawallisch wurden echte musikalische Preziosen präsentiert.
Die Konzertierenden des Abends spielten meist ein Stück von Reger gepaart mit einem Werk eines anderen Komponisten. Besonders aufschlussreich ist es da, wenn zusätzlich zu Reger ein Stück von Johann Sebastian Bach erklingt, denn in der direkten Gegenüberstellung erkennt man deutlich, wie viel Bach in Reger mitschwingt.
„Wir haben gemeinsam erarbeitet, was der Komponist mit dem Stück sagen will“ – so beschreibt die 15jährige Polina Vasileva das Studium des Charakters von „Ein Tänzchen“ während des Meisterkurses.
Yaara Tal verlieh dem Abend eine angenehme Leichtigkeit, indem sie selbst Anekdoten zu den Werken erzählte oder von ihrem persönlichen Bezug zum Oeuvre Regers berichtete, dessen Werke am Beginn ihrer Karriere als Klavierduo mit Andreas Groethuysen gestanden hatten. Und sie trat selbst auf: Der von Maria Buttinger interpretierten „Versöhnung“, stellte Yaara Tal den „Streit“ aus op. 17 voran, und sie spielte am Ende des Konzerts zusammen mit Beatrice von Kutzschenbach vierhändig die Doppelfuge aus op. 94 – entstanden 1906 in Prien am Chiemsee! Den abwechslungsreichen Abend gestalteten außerdem Sara Düren, Rebecca Schorr, Dongyeon Shin, Anna Unterreiner, Elina Ruye, Luzie Öttl und Marinus Müller.
Yaara Tal ist es gewohnt, auf den großen Bühnen der Welt zu konzertieren, sie unterrichtet die, die es schon zur Meisterschaft gebracht haben. Wie ist es da, nun mit Jugendlichen an der Musikschule von Grassau zu arbeiten? Ob Meisterklassestudentin oder Musikschüler, sie versuche das, was immer und auf jeder Stufe des Könnens geht: „gemeinsam hören“ und so das eine oder andere „Samenkorn“ zu setzen.
Man kann den Beteiligten des Abends nur gratulieren: Einerseits den Schülerinnen und Schülern zu ihrem Auftritt und der Bereitschaft, sich zusammen mit ihren Lehrerinnen Dominika Schmidt, Elisabeth Nagl, Beatrice von Kutzschenbach und Lei Meng auf unbekanntes musikalisches Terrain zu begeben und es zu erschließen; andererseits der Wolfgang Sawallisch-Stiftung, der es mit Meisterkursen wie diesem einmal mehr gelingt, sowohl die Basisarbeit als auch die Förderung der hochbegabten Schülerinnen und Schüler an der Musikschule Grassau im Sinne ihres Gründers voranzutreiben.
Text: Stefan Unterhuber, Foto: Ludwig Flug