Der Grassauer Dirndlgsang.
Grassau — einmal im Jahr ist das so. Wer sich dem Museum Klaushäusl nähert, hört, gedämpftes Stimmen von Instrumenten, Geräusche von drückenden Stühlen. Wer in den Ausstellungssaal des Museums Salz und Moor hineintritt, trifft auf fröhliches Gewusel. Junge Musikantinnen und Musikanten der Musikschule Grassau bereiteten sich in diesem Jahr auf ihren Abend vor. Von Lampenfieber war nichts zu erkennen. Eher das Gegenteil. Selbstbewusst behaupteten die jungen Leuten ihren Platz auf der Bühne, es richtig rückten ihre Instrumente und richteten sich ein. Und immer wieder der Griff zum Gewand, damit alles richtig saß.
Die Musikschule Grassau lädt jährlich zum volksmusikalischen Hoagascht in den stimmungsvollen Ausstellungssaal des Klaushäusls, jenem historischen Gebäudeensemble direkt an der B305 zwischen Grassau und Rottau, das heute das Museum Salz & Moor beherbergt. Das Programm wechselt im Jahresrhythmus: Einmal sind es erfahrene, oft namhafte Ensembles, im nächsten Jahr fortgeschrittene Jugendgruppen aus der eigenen Schule. Diesmal waren die Jungen an der Reihe und sie lieferten.
20 Volksmusikstücke, sieben Ensembles und Einzelauftritte, Zither, Harfe, Klarinette, Ziach und Kontrabass: Der Abend bot volksmusikalische Vielfalt in hoher Dichte. Durch das Programm führte Musiklehrerin Marlene Noichl, die kurzfristig für den erkrankten Musikschulleiter Otto Dufter eingesprungen war und die Aufgabe meisterte. Im lebendigen Zwiegespräch stellte sie die Gruppen vor, ließ die Musikantinnen und Musikanten selbst zu Wort kommen.
Dabei erfuhr das Publikum manches: Die Fetzigen Fünf — Lotta Würth und Lena Haumaier an den Klarinetten, Luise Noichl am Horn, Franziska Hacher an der Ziach und Emma Dirnhofer an der Harfe — bezeichneten ihren Volksmusikpreis des Grassauer Haberspitz als besonderes Ereignis ihrer musikalischen Laufbahn. Sie machten ihrem Namen alle Ehre.
Der Grassauer Dirndlgsang mit Alicia Paffinger, Hanna Hörterer und Cäcilia Hörterer spielte sich mit Geige und Harfe selbst ein und begleitete. Dazu Stimmen, die sich harmonisch zu einem wunderbaren Dreigesang formten. Die Hochgern Zithermusi mit Cäcilia Hörterer, Ida Baumgartner, Helene Weiß an den Zithern und Sophie Grießenböck an der Gitarre setzte zarte Akzente. Das Schnappen Ziachduo mit Enzo von Radowitz und Thomas Schmid bewies, wie zwei Harmonikas einen Saal füllen. Und bei der Hascht dawei Musi mit Johanna Lindlacher an der Harfe, Martin Lindlacher an der diatonischen Ziach, Simon Lindlacher an der Tuba war auch ohne die Frage der Moderatorin klar, wer das Ensemble anführt. Johannas Harfe gab die Richtung vor, die beiden Brüder folgen ihr augenzwinkernd nach.
Die Griabinga Musi — das sind Sebastian Scholl und Xaver Eder an der diatonischen Ziach, Hannes Scholl an der Gitarre, Quirin Eder am Tenorhorn und Sophia Eder am Kontrabaß — brachte mit der Toscana Polka und der Waldhäusl Polka schwungvolle Melodien in den Saal. Wie die anderen Formationen traten die Grassauer Klarinettenmusi mit Verena Hacher und Sarah Hartmann an den Klarinetten, Kathi Stein an der Harfe, Sophia Eder am Kontrabass und Maxi Worch am Baßflügelhorn gleich dreimal auf. Das trug zur Vielseitigkeit des Programms bei. Vom Harfen-Boarischen bis zum Da Kuglate reichte ihr Programm. Bemerkenswert die ungewöhnliche Besetzung mit Bassflügelhorn, das dem Ensemble einen eigenen Klang gab. Und dann trat Johanna Lindlacher mit der Harfe ganz für sich allein ins Rampenlicht.
Das Publikum aus Eltern, Großeltern, Freunden, dazu Volksmusikfreunde aus der Region folgte dem Abend mit wacher, ungeteilter Aufmerksamkeit. Der Beifall fiel jeweils großartig aus.
Das schönste Bild des Abends aber lieferte der Schluss oder vielmehr das, was nach dem offiziellen Schluss geschah. Als das Programm abgehakt war, griffen die jungen Musikantinnen und Musikanten einfach weiter zu ihren Instrumenten. Ungezwungen, in wechselnden Besetzungen, ganz ohne Notenständer und Ansage. Andere tanzten. Das Klaushäusl wurde für eine Weile zu einem echten Hoagascht, so wie er sein soll.