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Ausgabe 15/2026
Schulnachrichten
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„Knapp, aber passt scho" - Gymnasium Landschulheim Marquartstein verabschiedet ersten G9-Jahrgang

Mit der Abitur-Traumnote 1,0 glänzten (von links) Luisa Muche, Sophia Brandstetter und Pia Mix im diesjährigen Schulabschluss am LSH Marquartstein. Das feierte mit ihnen Schulleiterin Katharina Brachmann und Oberstufenkoordinator Helmut Liebl.

Unterwössen - Die Achentalhalle war gut gefüllt, die Stimmung von Anfang an gelöst und herzlich: Mit dem Einzug der 30 Abiturientinnen und 22 Abiturienten des Gymnasiums Landschulheim Marquartstein begann am Freitag in Unterwössen eine Abschlussfeier. Es war der Abschluss von neun Jahren Internatsgemeinschaft, dreizehn Jahren Schulweg und der erste G9-Abiturjahrgang in der Geschichte des Landschulheims. Das Motto des Jahrgangs zog sich wie ein roter Faden durch den Nachmittag: „Abikini - knapp, aber passt scho."

Hochklassige Musik machte die Feier festlich. Luise Stopfer eröffnete mit Chopins Revolutionsetüde, Marinus Müller spielte Liszts Liebestraum, Kilian Kroiß und Michael Hiemke gestalteten das Intermezzo mit Massenets Méditation aus „Thaïs", den Abschluss bildeten Magdalena, Emil und Michael Hiemke mit dem Kammerchor.

Stellvertretender Landrat Stefan Kattari spannte den Bogen zu seiner LSH Abschlussfeier vor 24 Jahren. Sein Eindruck: „Heute ist ein schöner Tag“, weil sich die Türen für Neues, Spannendes öffnen. „Heute ist aber auch ein schlimmer Tag", weil das Landschulheim neun Jahre Heimat gewesen sei und dieses Kapitel heute ende. Feier und Abschied, Licht und Schatten: das eine sei ohne das andere nicht zu haben. 

Elternbeiratsvorsitzende Tanja Fischer erinnerte daran, dass manche der Abiturientinnen und Abiturienten einst kaum größer als ihre Schultüte gewesen seien, und schilderte mit Humor, was Prüfungszeiten für Familien bedeuten: Daumen drücken beim Einkaufen, Kaffeetassen zitternd umgeworfen, nächtelang wach. „Für Eltern ist das noch viel schlimmer als für euch selbst." „Habt Spaß am Leben, passt gut auf euch auf."

Georg Nusser gratulierte im Namen des Bundes der Altmarquersteiner (BAM), eines Netzwerks von über 2.000 ehemaligen LSH-Schülerinnen und -Schülern vom jüngsten Jahrgang bis zum ältesten Mitglied mit 102 Jahren. Dann zeichnete er im Namen des BAM jene elf Abiturientinnen aus, die ihre Seminararbeit mit der vollen Punktzahl von 30 Punkten abgeschlossen hatten. Die Ausgezeichneten Johanna Allekotte, Anna Lena Berthold, Sophia Brandstetter, Laura Buchner, Ruth Diehl, Julia Esteves Warnecke, Leonie Ketterer, Pia Mix, Luisa Muche sowie Flora und Helena Philipp referierten über unterschiedlichste Themen. Sie reichten von der mathematischen Formel der Schönheit über den Feminismus in Star Wars bis zur Klimaforschung an Walen.

Den stärksten Beifall des Nachmittags erntete Eleni Westerbeck, die Stufensprecherin. Was die Schulzeit am meisten geprägt habe? Die Mitschülerinnen und Mitschüler! Das Grinsen beim morgendlichen Aufwachen werde bald einem Lächeln weichen und dem Blick zurück auf das Glück, Teil einer echten Gemeinschaft gewesen zu sein. Als besten Beweis nannte sie den Abistreich: Herrn Sigl 16 Meter über den Köpfen in Handschellen zu halten sei schön gewesen. Unvergesslicher sei aber der Dienstagabend auf dem Schulhof, als alle einfach froh waren, gemeinsam etwas Tolles auf die Beine zu stellen. Mit Wärme dankte sie den Lehrkräften, das Lehrer-Schüler-Verhältnis am LSH sei ein ganz besonderes, und den Eltern, die auch dem zickigen Oberstufenschüler zwei Tage vor der Matheklausur noch bereitwillig den Tee vor die Tür gestellt hätten. Zwischenapplaus begleitete die Rede an mehreren Stellen. Sie schloss mit dem „wohl etabliertesten Zitat" des Jahrgangs, einem Ausspruch ihres Lehrers Mayer: „Wham bam, thank you, Ma'am."

Schulleiterin Katharina Brachmann - bekennnender Zahlenmensch - eröffnete mit einer Bilanz des Schuljahrs: 753 Krankheitstage, 908 Befreiungsstunden, 44 unentschuldigte Stunden. Wer trotz all dem heute hier stehe, zeige Durchhaltevermögen. Das sei eben: „knapp, aber es passt scho“. Das Motto spiegle die Gegenwart besser wider, als dem Jahrgang bewusst sei: Klimawandel, Kriege, Populismus, Staatsschulden. Wie man das löse, wisse sie selbst nicht. Aber diese Herausforderungen brauchten Menschen wie sie, mehr noch als Generationen zuvor. 

Bildung sei kein Luxus und kein Selbstzweck, fuhr Brachmann fort, sondern das einzige Werkzeug, das Menschen befähige, Probleme anzugehen. Das Abitur sei nicht das Ende des Lernens, sondern der Anfang des eigenverantwortlichen Lernens.

Dieser Jahrgang sei zudem der erste G9-Jahrgang des Gymnasiums, ein Jahr mehr, das mehr Tiefe, Reife, Erfahrung und Gemeinschaft gebracht habe. 

Internatsleiter Jürgen Bader verabschiedete die Internatsschülerinnen und -schüler mit einer Hommage an deutsche Fußballweisheit: Brehmes „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß" als Appell zum Weitermachen, Löws „Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient", Hrubeschs „Die können ohne dich spielen, aber du nicht ohne die" als Plädoyer für den Zusammenhalt - und Beckenbauers legendäre Kabinenansprache vor dem WM-Finale 1990: „Geht's raus, habt Spaß und spielt's Fußball."

 

 

Es folgten Zeugnisübergabe und Ehrungen durch OSK Helmut Liebl, Peter Straßer und die Schulleitung, Bayernhymne und Stehempfang - ausgerichtet vom Q12-Jahrgang.

fg