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Wössner Gemeindezeitung Amtliches Bekanntmachungsorgan der Gemeinde Unterwössen
Ausgabe 15/2026
Schulnachrichten
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Musikschule Grassau

Heinz Dauhrer (von links), Hermann Roth, Thomas Laar und Susi Weiss

Das Susi Weiss/Heinz Dauhrer Quartett auf der Hindenburghütte

Reit im Winkl – Heinz Dauhrer setzte die Trompete an, holte Luft und die ersten Takte des „Westend Blues" klangen über den Biergarten der Hindenburghütte. Dann kam die Stelle, die Louis Armstrong 1928 berühmt gemacht hatte, ein freies, unbegleitetes Aufsteigen durch die Tonarten. Dauhrer spielte es allein, ohne Begleitung, und trieb die Trompete Ton um Ton. Im Biergarten war es still.

Dem Altmeister des Jazz, Louis Armstrong, widmete das Susi Weiss/Heinz Dauhrer Quartett am Samstagmittag ihr Konzert im Rahmen des Chiemgau Almfestivals. Rund eineinhalb Stunden Musik, bei warmem Sonnenschein und kräftigem Bergwind, lieferten vier Profimusiker eine Hommage an den Vater des Jazz gekonnt, präzise, lebendig und ohne elektronische Hilfsmittel.

Heinz Dauhrer, geboren 1959 in Siegsdorf, studierte Trompete am Richard-Strauß-Konservatorium in München. Seine Biografie liest sich wie ein Querschnitt durch die deutsche Unterhaltungs- und Jazzgeschichte: Er spielte mit Udo Lindenberg, der Spider Murphy Gang, dem Orchester Hugo Strasser, der Al Porcino Big Band und Natalie Cole. Er war erster Trompeter in Musicalproduktionen wie „West Side Story", „Chicago" und „My Fair Lady" am Staatstheater am Gärtnerplatz. Jetzt in der Bergwelt war der Ausnahmetrompeter zum Greifen nah, vor allem nahbar, in der Moderation witzig und sympathisch. Dauhrer moderierte, erzählte Geschichten zu den Stücken, forderte das Publikum zum Mitsingen auf. 

Am Flügel saß Susi Weiss, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Weiss studierte klassisches Klavier am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg, bevor sie 1985 im Rosenheimer Jazzlokal „Le Pirate" ihren ersten Engagement als Bar-Pianistin antrat. Seitdem spielte sie auf ZDF-Traumschiffen, in Fünf-Sterne-Hotels, bei den Burghausener Jazztagen und veröffentlichte mehrere Alben.

Ihr Spiel an diesem Nachmittag war das Fundament, auf dem Dauhrers Trompete stand: rhythmisch verlässlich, harmonisch sensibel, mit dem Gespür für den richtigen Moment, zurückzutreten oder nach vorne zu drängen. Bei „Ain't Misbehavin'" von Fats Waller, 1929, hüpfte ihre linke Hand unentwegt zwischen tiefen Bässen und mittleren Akkorden hin und her. Die Melodie perlte, und für einen Moment schien das Schlagzeug gar nicht nötig.

Das Programm umfasste Jazz-Standards der 1920er bis 1960er Jahre. „I'm Gonna Sit Right Down and Write Myself a Letter" eröffnete den Nachmittag mit entspanntem Swing. „Am I Blue?" folgte als Blues-Ballade, ruhig und melancholisch, bevor „Bei Mir Bist Du Schön" – ursprünglich ein jiddisches Theaterlied, durch die Andrews Sisters zum Swing-Hit geworden – das Tempo wieder anzog. Zwei Bossa-Nova-Stücke, „The Girl from Ipanema" und „Summer Samba", brachten einen lateinamerikanischen Einschub: Weiss wechselte in einen weicheren, synkopischen Anschlag, Laar am Kontrabass zog den Rhythmus unter die Melodie.

Hermann Roth am Schlagzeug und Thomas Laar am Kontrabass hielten den Rhythmus, über dem sich die Musik entfaltete. Alle vier spielten auf Augenhöhe, jeder bekam seine Soli, und für jedes gab es eigenen Zwischenapplaus.

Den Abschluss vor der Zugabe bildete „Oh When the Saints". Dauhrer nutzte das Stück, um jeden Musiker einzeln vorzustellen. Hermann Roth am Schlagzeug – ein Urgestein der süddeutschen Jazzszene, der mit dem Ambros-Seelos-Orchester durch Europa tourte – legte ein kurzes, treibendes Solo hin. Thomas Laar am Kontrabass folgte mit einem swingenden Einwurf. Dann stellte Susi Weiss Dauhrer vor, bevor dieser mit einem letzten Trompetensolo den Kreis schloss.

Die Zugabe war „What a Wonderful World". Dauhrer spielte die Melodie, die Armstrong 1967 aufnahm, ohne Ornamente, ohne Effekte – nur die Trompete, das Piano, der Bass, das Schlagzeug und der Bergwind, der durch die Bierbankgarnituren fuhr. Gänsehaut für das Ohnehin schon tief berührte Publikum.

Stephan Hüfner, stellvertretender Leiter des Sachbereichs Heimat und Kultur im Landratsamt Traunstein und Organisator des Chiemgau Almfestivals, bedankte sich bei Musikern, Wirt und Publikum. Auch Günter Dirnhofer, Wirt der Hindenburghütte, sprach den Musikern seinen Dank aus und lobte das Chiemgau Almfestival für die Zusammenarbeit.

fg