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Wössner Gemeindezeitung Amtliches Bekanntmachungsorgan der Gemeinde Unterwössen
Ausgabe 15/2026
Schulnachrichten
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Musikschule Grassau

Die Blasstick Brass Band am Hochfelln mit Helmut Haunreiter, Joe Mayer, verdeckt Leo Gmelch an der Tuba, Florian Müller, Bruno Backes, Andreas Herzegowsky, Pit Holzapfel und Michael Obernhuber.

Brass-Gewitter am Hochfelln

Chiemgau Alm Festival auf der Zielgeraden

Bergen — Das war keine gemütliche Alm-Musi, das war eine musikalische Naturgewalt: Unter strahlendem Sommerhimmel bog das Chiemgau Alm Festival am Samstag auf die Zielgerade ein. An der Mittelstation der Hochfellnbahn trafen traditionelle Bergwelt und schweißtreibender New-Orleans-Groove aufeinander. Die „Blassticks Brass Band“ entfesselte auf der Terrasse der Panoramagaststätte Hochfellnblick einen unverkennbaren, bissigen Sound, der von den Felswänden und über grüne Almflächen hallte.

Wer die acht Musiker im Alter zwischen knapp 40 und 70 Jahren in Lederhosen, Jeans Freizeithemden und Hüten unter den Sonnenschirmen agieren sah, erlebte eine optische Täuschung. Was wie eine urige Gaudi-Truppe wirkte, ist in Wahrheit ein hochkarätig besetztes All-Star-Ensemble der bayerisch-salzburgerischen Musikszene. Hinter dem rotzigen Brass-Sound steckt geballte akademische und professionelle Klasse.

Das Spektrum der Akteure reicht von klassisch ausgebildeten Musikpädagogen des Salzburger Mozarteums wie Trompeter Andreas Herzegowsky über erfahrene Big-Band-Leiter wie Helmut Haunreiter bis hin zu Vertretern der Avantgarde und freien Jazz-Szene wie Posaunist Pit Holzapfel. Diese tiefe Professionalität bildete das unerschütterliche Rückgrat des gesamten Vormittags.

Von der ersten Minute an gaben die Jungs richtig Gas. Das Zusammenspiel funktionierte wie ein präzises Uhrwerk. Wenn auch nur im Ansatz der Eindruck entstand, es könnte jemand im Rhythmus zurückbleiben, gab Saxofonist Joe Mayer nachdrücklich mit Zeichen, Gestik und Spiel Gas. Nach den virtuosen Einzelimprovisationen war es Trompeter Michael Obernhuber, der die Einsätze für das gesamte Ensemble setzte.

Dass bei diesem halsbrecherischen Tempo nicht der letzte Ton absolut fehlerfrei saß, geriet zur Nebensache. Der Zuhörer spürte, auf welch beeindruckend hohem Niveau die Musiker ablieferten. Auf der Bühne herrschte sichtlich Disziplin, geprägt von großer Sympathie und tiefem Respekt vor den Leistungen des anderen. Das Ensemble bot Soli in jeder Form: im wechselseitigen Austausch, völlig losgelöst allein oder von einem einzigen Instrument zurückhaltend begleitet.

Wie wandelbar die Formation innerhalb ihres Sets agierte, spiegelten zwei Stücke wider, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Bei „Ein Pferd hat 4 Beiner“ setzte die Band auf puren, humoristischen Hintersinn. Im Stil des modernen, bayerischen Hip-Hop-Brass lebte die Nummer von einem augenzwinkernden Sprechgesang und messerscharf eingeworfenen Dialekt-Chören. Den exakten Gegenpol dazu bildete das zeitgeschichtliche Dokument „Corona Distance Funk“. Das Stück, entstanden in der Phase der pandemischen Isolation, trieb die Rhythmik auf die Spitze: Die Instrumente agierten über weite Strecken hinweg völlig isoliert voneinander, warfen sich versetzte Phrasen zu und hielten klanglich spürbar Abstand. Erst im Refrain löste sich die mathematische Strenge auf, als sich alle Musiker in einem wuchtigen, gemeinsamen Funk-Akkord entluden.

Neben dieser enormen Bandbreite prägte ein feiner, tiefgründiger Humor die Kompositionen und die Moderation von Joe Mayer. Die Band beherrscht das Spiel mit der Erwartungshaltung perfekt: Glaubt der Zuhörer gerade noch, in einem altbekannten alpenländischen Ohrwurm zu schwelgen, ändert sich nur Sekunden später das Thema komplett. Das Publikum findet sich plötzlich in einem völlig anderen, jazzigen Stil wieder, dass es einen schwindelt. Wie ausdrucksstark die Band Situationen akustisch abbildet, zeigte sich auch bei der Nummer „Renn“, die den puren Stress eines Marathonlaufs auf die Terrasse transportierte, während „Allmende“ die alpine Kulisse sensibel und dicht einfing.

Wie gut dieser Spagat beim Publikum ankam, war unübersehbar. Die Mittelstation fungiert als Knotenpunkt für den Gondelwechsel; im Halbstundentakt spuckte die Bahn neue Ausflügler aus. Zahlreiche Bergwanderer warfen angesichts der mitreißenden Klänge ihre Pläne spontan über den Haufen, hielten inne und blieben eine halbe Stunde.

Der Zwischenbeifall für die Solisten ging weit über den üblichen Pflichtapplaus hinaus. Obwohl die Musiker erkennbar nur eine einzige Zugabe eingeplant hatten und danach einpacken wollten, ließ das Publikum sie nicht gehen. Erst fragte ein Ehemann nach einem Ständchen für den 40-jährigen Geburtstag seiner Ehefrau an diesem Tag. Dann wurde das Publikum energisch und zwang die Musiker zu einer weiteren, ungeplanten Zugabe. Ohne die hätte es etwas verpasst. „Über d’Oima“ ist die Bandversion des alten Liedes „Über d’Alma, da gibt’s Kalma“, das einst der Volksliedsammler Kiem Pauli überlieferte und das seit 1969 als Zithermelodie den Vorspann der BR-Reihe „Unter unserem Himmel“ ziert. Bei der Brass Band bleibt die schlichte Melodieführung nur für wenige Takte. Dann verpassen sie den Melodiebögen hochmodernes, rhythmisches Korsett aus Off-Beats und jazzigen Harmonien.

 

 

Trompeten: Michael Obernhuber, Christoph Kurz, Andreas Herzegowsky

Saxofone: Joe Mayer, Helmut Haunreiter

Posaunen: Bruno Backes, Pit Holzapfel

Tuba: Leo Gmelch

Schlagzeug: Florian Müller