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Wössner Gemeindezeitung Amtliches Bekanntmachungsorgan der Gemeinde Unterwössen
Ausgabe 15/2026
Schulnachrichten
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Musikschule Grassau / Zweigstelle Unterwössen

Der Initiator des „Singens auf dem See“ Rupert Schmidhuber begrüßte mit Moderatorin Sabine Sauer die Gäste.

Ein Abend, den man nicht bestellen kann

Sabine Sauer lässt den Chiemsee singen

Chiemsee - Es gibt Abende, die kann man nicht bestellen, sie geschehen einfach. Als die MS Edeltraud am Freitag in Prien-Stock ablegte, lag die Abendsonne golden auf dem Chiemsee, und noch ehe das Ufer klein wurde, hob der erste Kanon an. „Froh zu sein bedarf es wenig" – rund 150 Menschen sangen es, verteilt über zwei Decks, und über dem Wasser klang es, als hätten sie nie etwas anderes getan.

Dabei war die Sache mit dem Singen gar nicht so sicher gewesen. Geplant war die Fahrt auf dem kleineren Raddampfer „Ludwig Fessler". Doch es meldeten sich so viele, die selbst mitsingen wollten, dass die Chiemsee-Schifffahrt kurzerhand ihr größtes Schiff bereitstellte. „Ich hätte nie geglaubt, dass so viele wirklich mitmachen wollen", gestand Sabine Sauer – und lachte, weil sie sich so schön getäuscht hatte.

Die frühere BR-Moderatorin führte gemeinsam mit dem Grassauer Bläser Quintett durch den Abend, und sie tat es mit jener Herzlichkeit, die keine Distanz kennt. In der Mitte des Oberdecks stand eine lange Tafel, an ihrem Kopf die fünf Musiker im Halbkreis: Matthias Linke und Rupert Schmidhuber an Trompete und Flügelhorn, Johannes Anner am Horn, Wolfgang Diem an der Posaune, Balint Garaczi an der Tuba. Ausgedacht hatte sich den Abend Schmidhuber.

Niemand sollte sich vergessen fühlen. Hinter den Musikern führte eine Treppe hinunter auf ein Zwischendeck, das ebenso voll besetzt war, und immer wieder stieg Sabine Sauer die Stufen hinab, um die Gäste dort mitzunehmen, sie als eigene Kanongruppe anzuleiten, ihnen zuzuwinken. Wer unten saß, sang oben mit. So wurde aus einem Schiff ein einziger Chor.

So sehr das gemeinsame Singen den Abend trug, seine musikalische Mitte waren die Grassauer selbst. Zwischen den Volksliedern spielten sie Stücke. Die Gäste lauschten, wenn Im Flügelhorn-Duo Rupert Schmidhuber und Matthias Linke ganz für sich standen. Zwei Flügelhörner ohne Netz und doppelten Boden. Jede Unreinheit, jeder Wackler wäre hörbar, gewesen. Doch die beiden Stimmen verschmolzen sauber. Ganz anders die Brandstätter Museumsweis, die das Quintett den Geschwistern Schloßhuber widmete. Diese Weis, wie sie im Chiemgau zu Hause ist, klingt schlicht in der Melodie und ist gerade darin heikel. Jeder Ton saß und das Ensemble spielte aus einem Guss. Der Klang der fünf Bläser fand über dem offenen Wasser eine Weite, die kein Konzertsaal bietet.

Ein starker Moment auch nach der Pause, als Wolfgang Diem im engen Gang auf dem Oberdeck drei Stücke mit dem Alphorn spielte. Die langen Töne trugen weit über den See, bis hinüber zu den Booten, die rund um die Inseln dümpelten. Es war zu sehen, wie sich mancher Bootsfahrer aufrichtete, sich neugierig der MS Edeltraud zuwandte.

Zwischendurch wurde herzhaft gelacht. Karl Valentins Grübeleien über den Starnberger See münzte Sauer kurzerhand auf den Chiemsee um. Bei „Jetzt fahrn ma übern See" warnte sie mit gespielter Strenge vor der Pfand-Falle. Jeder weiß, an einer Stelle wird das erwartete Wort „See“ ausgelassen. Sauer erklärte es noch einmal ausdrücklich. Wer es aus Gewohnheit dennoch mitsinge, müsse zahlen. Sie nehme auch Trompeten und Alphörner, alles was golden glänze. Großes Gelächter, als gleich im ersten Versuch viele hineintappten.

Sabine Sauer sang immer fleißig und gekonnt mit. Jetzt sangen im ausklingenden Abend Sabine Sauer und ihre Schwester Gabi Ghaffari zweistimmig „Oh du stille Zeit" im Duett. Ein heftig beklatschter Gänsehautmoment.

Es war ein kurzweiliger Abend, auch weil Michaela Mix mit ihrem Team für das leibliche Wohl sorgte: Fleischpflanzerl, Kaspressknödel und Brezn, alles handgemacht.

Langsam Schluss die Edeltraud die Runde. Sie war nordwärts an der Fraueninsel vorbei, weit hinaus, in den See gefahren, dann im Süden an Kraut- und Herreninsel zurück. Pünktlich um 21 Uhr machte sie in Prien-Stock fest. Zum Abschied sangen alle „Der Mond ist aufgegangen" und den Kanon „Herr, bleibe bei uns". Doch das Publikum forderte energisch mehr. Noch am Anleger drängten die Gäste darauf, das eine oder andere Stück zu hören. Ein schöneres Lob hätten sich die Grassauer nicht wünschen können.

fg