Unterwössen – Neben nachgeordneten Maßnahmen am Gewässerverlauf von Moosbach und Maserer Bach, neben ökologischen und auf Naherholung zielenden Aufwertungen der Gewässer sind im Rahmen des Hochwasserschutzes in Oberwössen drei große Schutzbauten geplant. Das ist die Erweiterung eines Geschieberückhalts um einen Wildholzrechen am oberen Maserer Bach. Ein weiterer – deutlich aufwendigerer – soll am Maserer Bach in Höhe des E-Werks entstehen. Drittes Schutzbauwerk ist der Ausbau des bestehenden Geschieberückhalts Alpschlechtgraben. Hier wird ein neues Querbauwerk mit Wildholzrechen gebaut. Die Geschiebesperre Alpschlechtgraben und Geschiebesperre Maserer Bach befinden sich gerade im Wasserrechtsverfahren uns sollen 2027 bis 2028 umgesetzt werden.
Projektleiterin Stefanie Trattler und Franz Rasp, Sachgebietsleiter für Wildbachprojekte beim Wasserwirtschaftsamt Traunstein, skizzierten dem Gremium das umfassende Schutzkonzept für den Ortsteil Oberwössen. Langfristiges Ziel des gesamten Projektes ist der Schutz der Wohnbebauung vor einem 100-jährlichen Hochwasserereignis (HQ100) zuzüglich eines 15-prozentigen Klimazuschlags sowie ausreichenden Sicherheitsabständen (Freibord) an Brücken und Gerinnen. Um die Schwemmkegel und Engpässe im Siedlungsgebiet wirksam zu entlasten, setzt die Behörde vorrangig auf die Teilmaßnahmen zum Rückhalt von Geröll, Geschiebe und Schwemmholz.
In diesen ersten Umsetzungsabschnitt (vom Amt als „Teil 1a“ bezeichnet) fällt der zusätzliche Wildholzrechen am Geschieberückhalts am oberen Maserer Bach (Kiesfang), sowie neuen Querbauwerk mit integriertem Wildholzrechen am Alpschlechtgraben. Komplettiert werden diese vorgezogenen Arbeiten durch Wasserbaumaßnahmen am Alpschlechtgraben als Unterhaltungsmaßnahmen.
Die Kostenrechnung für diese reinen Teilmaßnahmen 1a beläuft sich nach dem aktuellen Stand der Entwurfsplanung auf rund 1,6 Millionen Euro brutto.
Gemäß den gesetzlichen Regelungen muss die Gemeinde einen Beteiligtenbeitrag von 20% für Baukosten, Ingenieurleistungen und erforderlichen Grunderwerb leisten. bei Wildbachverbauungen übernimmt der Freistaat Bayern den Großteil der Finanzierung; der Beteiligtenbeitrag der Gemeinde Unterwössen liegt bei 30 Prozent der Baukosten zuzüglich des erforderlichen Grunderwerbs.
Welche Dynamik und Gefahren von den alpinen Bächen ausgehen, verdeutlichte Franz Rasp vor dem Gremium. Er hob hervor, dass man die Wirkung solcher Schutzbauwerke wie eines Kiesfangs keinesfalls unterschätzen dürfe. Ein solcher Geröll- und Geschieberückhalt bringe für sich genommen bereits eine deutlich spürbare Verringerung der Gefahren für die flussabwärts gelegenen Wohngebiete, da die gewaltigen Materialmassen direkt im Oberlauf abgefangen werden, bevor sie im Dorf zu Verklausungen führen.
Auf Wortmeldungen aus dem Gemeinderat bremste Rasp zu hohe Erwartungen an ein schnelles Bautempo ab: Wenn man im behördlichen Genehmigungsverfahren Abkürzungen suche oder Verfahrensschritte überspringe, drohe man rechtlich auf die Nase zu fallen. Rasp setzte nachdrücklich auf die strikte Einhaltung der gesetzlichen Vergabefristen und Planfeststellungsschritte, um die Rechtssicherheit der Millioneninvestition nicht zu gefährden.
Darüber hinaus schärfte der Wildbachexperte das Bewusstsein: Einen absolut hundertprozentigen Hochwasserschutz könne es im alpinen Raum nicht geben. Das Ziel der Schutzbauten sei es, das Risiko auf ein kalkulierbares Restrisiko zu minimieren.
In diesem Zusammenhang richtete Rasp einen Appell an alle Hauseigentümer und Anwohner zur individuellen Eigenvorsorge: Jeder Bürger sei gefordert, sich sein eigenes Objekt einmal kritisch und vorausschauend anzusehen. Oft reichten schon kleine, gezielte Maßnahmen des Objektschutzes – etwa Lichtschachtabsicherungen, Rückstauklappen oder erhöhte Schwellen an Kellerabgängen –, um im Ernstfall massive Schäden am eigenen Gebäude zu verhindern. Als wertvolle Richtschnur und Orientierungshilfe für private Schutzvorkehrungen gab er den Bürgern dabei die Hochwasserfibel des Bundesministeriums an die Hand. Als wichtiges Werkzeug zur Gefahreneinschätzung verwies Rasp zudem auf den öffentlich zugänglichen Bayern Atlas, über den sich jeder Immobilieneigentümer detaillierte Gefahrenkarten und Überschwemmungsgebiete für sein Grundstück anzeigen lassen kann.
In der anschließenden Diskussion spiegelte sich die Ungeduld des Gremiums wider: Aus den Reihen der Gemeinderäte wurde der Wunsch nach einem möglichst raschen Baubeginn laut, um die Anwohner nicht länger als nötig ungeschützt zu lassen. Rasp bat um Verständnis für die bürokratischen Zwänge von europaweiten Ausschreibungen und gesetzlichen Einspruchsfristen, die schlichtweg einzuhalten seien, um das Projekt rechtssicher ins Ziel zu führen.
Den konkreten Fahrplan skizzierte Projektleiterin Stefanie Trattler: Erklärtes Ziel sei es, die Abstimmung unter den Beteiligten sowie die Finanzierungsvereinbarung über die Teilmaßnahmen der Geschiebesperren am Maserer Bach und am Alpschlechtgraben bis zum Herbst 2026 zu erreichen. Das wasserrechtliche Plangenehmigungsverfahren soll bis Ende August abgeschlossen werden. Es folgen die Ausführungsplanung und Ausschreibung bis Ende 2026 sowie die Ausschreibung der Baumaßnahmen im Jahr 2027. Vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Finanzmitteln und Grundstücken ist der früheste Baubeginn derzeit auf den Herbst 2027 angesetzt; die Fertigstellung der beiden Schutzbauwerke ist für 2028 geplant. Trattler betonte jedoch, dass es sich hierbei um einen vorläufigen Zeitplan handelt, in dem sich immer wieder Änderungen ergeben können.
Bürgermeister Johannes Weber wie auch Franz Rasp unterstrichen mehrfach, dass Hochwasserschutz ein gemeinsames Anliegen von Bürgern, Gemeinde und Wasserwirtschaftsamt sei. Weber hob positiv hervor, dass nach jahrelangen theoretischen Planungen nun endlich konkrete Schritte anstehen. Er bezeichnete die Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt als sehr gut. Er versprach beim Einsatz für eine Verbesserung des Hochwasserschutzes nicht nachzulassen. „Je schneller und umfassender der Hochwasserschutz Oberwössen kommt, umso besser.“
fg
Recht unscheinbar sieht das Kiesauffangbecken am Oberen Masererbach aus und das gegenüberliegende Betonbauwerk, hinter dem sich das Wasser stauen kann ist kaum zu erkennen. Doch bekommt diese Anlage im Falle des Hochwassers besondere Bedeutung, so die Fachleute des Wasserwirtschaftsamtes in der Unterwössner Gemeinderatssitzung. Ein zusätzlicher Wildholzrechen soll in Zukunft den Schutz weiter erhöhen.