Trachtenstoffe, Bänder und silberner Miederschmuck: Im Alten Bad fanden Besucher alles für die Tracht.
Unterwössen – Weit über tausend Besucher fanden am Sonntag zum Kirchweihmarkt den Weg nach Unterwössen. 60 Aussteller und 13 Vereine präsentierten sich. Dabei zeigte sich, wie sich der Markt verändert: Er hat inzwischen zwei Schwerpunkte, einmal im gesperrten ortszentrum mit Hauptstraße und Rathausplatz, dann den Trachten- und Handwerksmarkt in und um das Bürgerzentrum Altes Bad.
Schon gegen 11 Uhr, nach dem Gottesdienst, waren unter bedecktem Himmel mehrere Hundert Menschen im Ortszentrum unterwegs. Am stärksten war der Andrang zwischen 14 und 16 Uhr. Bei rund 15 Grad schoben sich die Besucher dicht an dicht an den Ständen vorbei. Erst nach 16 Uhr ließ der Strom spürbar nach.
Auf der Hauptstraße reihten sich Stände mit Wepsndeckeln und Untersetzern aus Holz, Strickmützen, Keramik und Schwemmholz-Deko. Ein Imker bot Honig an, daneben lagen Kartoffeln und Krautköpfe. Am Südtiroler Stand gab es Speck, Vinschgerl und Wein. Das Möbelhaus Kurfer präsentierte sich unmittelbar an der nördlichen Hauptstraße. Im Hintergrund, am Getränkemarkt Färbinger gab es Steckerlfisch und andere Spezialitäten vom Fischereiverein. Aussteller, heimische wie andere säumten mit ihren Ständen rechts und links die Hauptstraße. Geschäfte hatten geöffnet wie das Spiel- und Gartencenter, der Radl Stadl oder Schuhe und Sport Färbinger. „Lebensrettertag“ stand über dem Auftritt der Unter- und Oberwössner Wehr gemeinsam mit der Artzpraxis Dr. Schrempf/Dr. Schmied.
Vor der Hütte der Wössner Bäuerinnen am Rathausplatz bildete sich früh eine Schlange, die das Schlimmste befürchten ließ. Doch die Bäuerinnen hatten vorgesorgt und verkauften ihre Ausgezogenen bis zum Ende des Nachmittags. Andernorts waren gegen 15 Uhr die ersten Angebote vergriffen. Ein Verein sah seinen Nachmittagsverkauf zuversichtlich, bis er dann auf seinen Vorrat zugreifen wollte, der Lieferant sich aber bei den letzten beiden Gebinden vertan hatte. „Ausverkauft“ hieß es dann schon früh.
Sehr zufrieden waren die Elternbeiräte von Schule und Kindergarten mit ihrem gemeinsamen Kuchenstand auf dem Rathausplatz. Die Wuidara Pass verkaufte an ihrer Hütte Spiral-Kartoffeln. Auf der Terrasse des Wössner Treffs, wo der Wössner Regenbogen Kuchen, Suppen und Bücher anbot, waren die Plätze den ganzen Tag über gut besetzt. Der Gewandladen des Regenbogens fand Nachfrage gerade auch bei Gästen aus der Region. Von der Nachfrage geradezu überrascht zeigte sich Töpferin Waltraud Schillmeier vom Stidl-Zuhaus in Marquartstein auf dem Rathausplatz. Sie sei sehr zufrieden.
Um 13 Uhr spielte die Musikkapelle Wössen unter Leitung von Martin Nieß ein Standkonzert. Die Zuhörer blieben lange stehen. An den vollen Tischen im Biergarten am EDEKA, wo die Alten Herren des SV Unterwössen bewirteten, genossen die Gäste die Musik sichtlich. Nach dem Konzert spielte dort das Trio Achental auf.
Und dann der zweite Standort rund um das alte Bad. In der dortigen Achentalhalle drängten sich die Besucher zwischen Trachtenstoffen, Hirschhornschmuck, Zirbenholzvitrinen. und Münzschmuck. Der Federkielsticker hatte gestickte Ranzen und Gürtel ausgelegt, daneben Schilder: „Berühren verboten!“ Vor der Halle formte ein Glasbläser über offener Flamme Glas-Deko. Die Oberwössnerin Luise Buchner verkaufte selbst gestaltete Grußkarten und Bilder. Ihre Tochter, die mit am Stand war, lobte den Zuspruch rund um die Halle. Sie vermutet, dass die großen Banner, die schon vor dem Markt im Dorf für den Handwerkermarkt warben, viele aufmerksam gemacht haben.
Sandra Pletschacher von der Unterwössner Bastelstube Heser hat ihren eigenen Blick auf den Markt. Ihr Stand mit Kerzen und Spanschachteln öffnet sich wie ein großes Fenster zu den Besuchern. „Für mich ist das wie Fernsehen, wenn ich hinausschaue“, empfindet sie. Simon Wolff aus Chieming, der Fuhrmannsgoaßln anbietet, ist von Beginn an dabei. Er komme gern nach Unterwössen, die Ausrichtung auf regionale Produkte und Handwerk passe. Handwerkermärkte seien schon immer seins gewesen. Zurückhaltender äußerte sich der Gamsbartbinder. Bei den Preisen, die ein Gamsbart aufruft, kämen die leute eher zu schauen. Aber ein Gamsbartbinder gehöre einfach in so einen Markt. Eindcrucksvoll der Messestand des Bildhauers und Münzprägers Christian Dögerl, Marquartstein. Während im Foyer der Touristinformation noch dessen Gemeinschaftsausstellung mit der Fotografin Julia Alberter zu sehen war, gab er in der Halle Einblick in sein Handwerk.
Viele Benutzer versuchten sich am noch einmal aufgestockten Lichtgewehrstand der Schützengesellschaft Gscheuerwand. Vorsitzende Gabi Daxenberger-Wieland freute sich über eine gute Resonanz. Im Schützenstüberl im Obergeschoss des Alten Bades gab es dazu Brotzeit und Kuchen.
Ausgerichtet hat den Markt die Gemeinde, organisiert haben ihn Christina Aberger und Regina Zeißl aus der Verwaltung. Das Team des Achental Tourismus um Elisabeth Keihl und der Bauhof mit Georg Schlaipfer waren eingebunden. Bürgermeister Johannes Weber sprach über den Tag mit vielen Standbetreibern. Sie seien sehr zufrieden gewesen, berichtete er. Die Besucher hätten sich ihm gegenüber vor allem über die Ausrichtung des Marktes auf Handwerk und regionale Produkte gefreut.