Die Geschäftsführer Dr. Birgit Seeholzer und – links daneben - Franz Bauer stellten dem Gemeinderat die Chiemgau GmbH vor.
Unterwössen – Die Gemeinde Unterwössen ist Mitgesellschafterin der Chiemgau GmbH und zahlt Beiträge für das regionale Tourismusmarketing. Deren Geschäftsführer Dr. Birgit Seeholzer und Franz Bauer stellten das Unternehmen in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor.
Bürgermeister Johannes Weber (CSU) skizzierte zu Beginn die Entstehung der Chiemgau GmbH. Die Wirtschaftsförderung war ursprünglich am Landratsamt angesiedelt, der Chiemgau Tourismus arbeitete daneben als eigenständiger Verein. Weil die Wirtschaftsförderung immer mehr Aufgaben bekam, wurde sie ausgegliedert und mit dem Tourismusverein verschmolzen, um Synergieeffekte mitzunehmen. Gesellschafter sind heute der Landkreis Traunstein, 35 Kommunen, 12 Schul- und Zweckverbände sowie 4 kommunale Unternehmen.
Geschäftsführerin Seeholzer beschrieb die Breite des Angebots. Die GmbH hat gut 40 Mitarbeiter. Ein IT-Team betreut Schulen mit digitalen Tafeln, iPads, Lehrergeräten und Servern und beschafft Geräte gebündelt über den DigitalPakt Bayern. Ein Archiv-Service ordnet die Archive von 19 Kommunen. Dazu kommen die Dienste Informationssicherheit und Datenschutz sowie seit Kurzem ein KI-Beauftragter für die Kommunen. Die Energieberatung bietet in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Bayern eine kostenlose Erstberatung für Bürger an und begleitet Kommunen beim Energiemanagement. Für Energieprojekte gründet die GmbH bei Bedarf Tochtergesellschaften mit beteiligten Kommunen. Am Windpark Rampelsberg hält sie 60 Prozent. Weitere Gesellschaften soll es nur dann geben, wenn dahinter tragfähige Projekte stehen, so Seeholzer. Die neue Leiterin der Wirtschaftsförderung in der Chiemgau GmbH Margaretha Weckenbrock sieht eine Aufgabe gegen den Fachkräftemangel anzugehen.
Franz Bauer leitet die Sparte Tourismus. Er stellte klar, worauf die Gesellschaft schaut: nicht auf möglichst viele Übernachtungen, sondern darauf, wie viel Geld die Gäste in der Region lassen. Der touristische Bruttoumsatz im Landkreis lag 2024 bei 685 Millionen Euro, 39 Prozent mehr als 2014. 2025 kamen rund 978.000 Gäste in den Chiemgau, so viele wie nie. Die Zahl der Übernachtungen blieb dagegen bei rund 4,18 Millionen. Die Gäste verzichten nicht auf Urlaub, aber: „Gäste buchen kurzfristiger und bleiben kürzer“, sieht Bauer. Von Januar bis Juli 2026 stiegen die Übernachtungen in der Region Chiemsee-Chiemgau um 3,5 Prozent. Mit durchschnittlich 3,6 Tagen bleiben die Gäste in Oberbayern nur im Berchtesgadener Land länger.
Die Gesellschaft bewirbt vor allem die Vor- und Nachsaison. Die örtlichen Tourist-Infos und Gastgeber decken andere Bereiche ab. Zum „Chiemgauer Wanderherbst“ von September bis November gehören 34 geführte Touren und 18 Veranstaltungen. Radregion ist der Chiemgau seit 2010, heuer kamen zehn Gravelbike-Touren dazu. Im Mai fuhren vier Creator-Teams mit Reichweiten von bis zu 60.000 Followern die Strecken ab, gemeinsam mit der Bayern Tourismus Marketing. Die Winterkampagne „Chiemgau Moments“ zeigt Schnee nur, wenn welcher liegt, sonst Frost, Kälte und Natur. Tiefschneebilder, die längst nicht mehr an 120 Wintertagen erlebbar seien „Das führt langfristig zu Problemen der Glaubwürdigkeit.“
Matthias Schweigl (CSU) wollte wissen: „Wir zahlen relativ viel Geld an euch. Was kommt da zurück?“ Die Geschäftsführer hatten die Antworten.
Bauer antwortete, Unterwössen profitiere von allen Projekten. Man wolle „keine Rosinen picken“. Bei der Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr sei genau festgelegt worden, was die GmbH übernimmt und was die örtlichen Tourist-Infos, damit kein Geld doppelt ausgegeben wird. Mit jedem Tourist-Info-Leiter stimme man sich mindestens einmal im Monat ab. Foto- und Videomaterial stehe allen Gemeinden kostenlos zur Verfügung. Einmal im Jahr werde die Radbeschilderung an rund 6.000 Standorten kontrolliert. „Das ist für einen einzelnen Ort nicht finanzierbar.“ Die gezielte Bewerbung der Marke Chiemgau sei für die einzelne Tourist Information nicht zu stemmen.
Von der Wirtschaftsförderung bekomme man „gefühlsmäßig wenig mit“, empfindet Schweigl. Geschäftsleiter Thomas Müllinger weiß, was die Verwaltung tatsächlich nutzt: Informationssicherheit, Datenschutz und neuerdings das KI-Angebot. Schweigl regte an, die Angebote bekannter zu machen. Seeholzer verwies auf den Newsletter der Wirtschaftsförderung mit 3.000 Adressen und einer Öffnungsquote von über 40 Prozent. Unternehmen suchen selbständig Kontakt zur Wirtschaftsförderung. Sie von sich aus anzuschreiben, verbiete der Datenschutz.
Florian Demmel (Bündnis 90/Die Grünen) fand auf einer Familienradtour von Prien nach Gstadt den Radweg zu voll, „beinahe schlimmer als auf der Straße“. Er fragte, ob der Tourismus auch über Grenzen des Wachstums nachdenke. Der ausgeschilderte Radweg um den Chiemsee ziele auf die Lenkung der Nutzer und die Trennung von Fußgängern und Radfahrern. Die Sommerhauptsaison müsse der Tourismus nicht weiter anschieben. Aber die Nebensaison mehr für den Tourismus zu nutzen, das wäre ein Ziel und Aufgabengebiet.
Mit dem Nachbarn Chiemsee-Alpenland sei die Zusammenarbeit „auf politischer Ebene eingeschlafen, auf fachlicher nicht“, sieht Bauer auf eine Frage Müllingers. Beide Regionen betreiben unter anderem eine gemeinsame Buchungsplattform.
Bürgermeister Weber hob hervor, dass der Tourismustag nach sechs Jahren Pause wieder stattfindet, und zwar in Unterwössen. Am Donnerstag, 29. Oktober, wird die Achentalhalle im Alten Bad zum „Hotel Chiemgau“: Ab 17 Uhr folgen auf eine Keynote von Stephan A. Jansen die Vorstellung des „Chiemgau Pass“ und ein gemeinsames Abendessen. Mit dem Pass sollen Gäste digital auf Angebote und den Nahverkehr zugreifen können.