Das Stillleben am Fuße des Altars mit Waldkräutern neben Werkzeug, Arbeits- und Schutzausrüstung zeigte es. Pfarrer Martin Straßer feierte in Oberwössen mit Holzknechten, Förstern, Jägern, Sägern und Bauern das Vincentiamt zu Ehren ihres Schutzpatrons, des Heiligen Vincent.
Unterwössen – Im Gottesdienst am Mittwochabend in der gut besuchten Kuratiekirche Oberwössen gedachten vor allem die Holzknechte, Förster, Jäger, Säger und Bauern aus dem oberen Achental ihres Schutzpatrons, des Heiligen Vincent von Valencia. Dessen Namenstag wird am 22. Januar gefeiert.
In seiner Predigt betonte Pfarrer Martin Straßer die Bedeutung des Waldes für das Leben. Ohne Photosynthese fehle der lebensnotwendige Sauerstoff. Der Wald liefere Holz für Häuser, für die Ausstattung von Kirchen, als Baustoff. Er sei Lebensraum für vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. „Wir leben alle davon“, wiederholte der Pfarrer, um dem Satz besonderen Nachdruck zu verleihen. Die Waldarbeit aber bleibe gefährlich – jedes Jahr ereigneten sich Unfälle. Da gelte es nicht nur Arbeitsstunden abzuleisten. Diese Arbeit fordere den Menschen. Sie fordere ihm ab, aufmerksam zu sein, mit dem Herzen dabei zu sein. Diese innere Seite der Arbeit, das menschliche Miteinander und die Gemeinschaft mit Gott seien unerlässlich, sieht Straßer. „Und darum bitten wir, so der Pfarrer in der Überleitung zu den Fürbitten, gelesen von Anja Voit.
Es waren Fürbitten aus der Praxis. Sie bat um Schutz für Waldarbeiter und Holzknechte bei ihrer gefährlichen Arbeit. Sie bat für die Familien, die zu Hause bangen und warten, dass ihre Lieben unversehrt heimkommen. Ihre Bitten galten den Revierleitern, Förstern und allen Verantwortlichen, damit sie den nötigen Weitblick zum Erhalt der Natur bewahren, Sie wünschte ihnen den Weitblick und das Geschick, „die Arbeiten konstruktiv, zufriedenstellend und zielorientiert für die Arbeiter zu gestalten“. Eine Fürbitte war allen Forstpartien gewidmet, die im Team arbeiten: Respekt, das uneingeschränkte Vertrauen aufeinander, das Begegnen auf Augenhöhe und das Einhalten von Regeln seien Garant für sicheres und unfallfreies Arbeiten und die Freude am Beruf. Voits letzte Bitte galt den verstorbenen Holzknechten, Förstern, Jägern, Sägern und Forstbediensteten. Ihr Wunsch: „Mögen sie am wärmenden Holzfeuer des ewigen Lebens sitzen und den Frieden finden.“
Helmut Sappl las, Maria Blank spielte die Orgel. Das Evangelium erzählte vom Schatz im Acker – dem Gleichnis vom Mann, der alles verkaufte, um einen wertvollen Fund zu erwerben.
Der Altarraum unterstrich den besonderen Gottesdienst. Der große Weihnachtsbaum trug schlichten Schmuck aus Strohsternen, ohne Lichter. Am Fuße des Altars hatte Anja Voit ein Stillleben arrangiert: Waldkräuter neben Waldwerkzeug, weiter Arbeits- und Schutzausrüstung vom Schuh bis zu Helm und Hut.
Im Anschluss trafen sich alle zum Gedankenaustausch und gemütlichem Ratsch im Oberwössner Poststüberl.
Im bayerisch-österreichischen Raum verehren die Waldarbeiter seit Jahrhunderten Vinzenz von Valencia als ihren Schutzpatron. Der lebte um das Jahr 304 im heutigen Spanien. Der Legende nach war er Diakon des greisen Bischofs Valerius von Saragossa. Zur Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian wurden beide verhaftet. Vinzenz wurde in Valencia gefoltert und starb als Märtyrer.