Unterwössen – Schlagzeuglehrer Paul Sennewald stand am Sonntagabend mit der ungewohnten E-Bass-Gitarre auf der Bühne der Achentalhalle, sang zu den Stücken seiner Schüler und gab offen zu: „Ich mache mich hier zum Depp." Doch genau darum ging es ihm. Im Faschingskonzert der Zweigstelle Unterwössen der Musikschule Grassau wollte er sich in die Rolle seiner Schüler versetzen, die im Musikunterricht und auf der Bühne ständig etwas Neues wagen. Sein Aufruf an das Publikum: „Es hilft schon einmal, die Hosen herunterzulassen, die Komfortzone zu verlassen und etwas Neues zu probieren."
Diese Haltung prägte den ganzen Abend. Rund drei Stunden lang zeigten Schüler der Musikschule, was sie gelernt haben, dass Fasching ein guter Anlass ist, um die Nervosität zu vergessen. Das Publikum in den vollen Sitzreihen dankte es ihnen. Viele Zuhörer waren selbst verkleidet und machten bereitwillig mit, wenn Moderator und Zweigstellenleiter Benedikt Paul sie zu Klatsch-Choreografien anleitete.
Die Kostüme auf der Bühne sorgten für Schmunzeln. Eine sehr junge, hübsche Katze griff zur Violine, begleitet vom Mona-Lisa-Gemälde, in dem ihre Violin-Lehrerin Sabine Weißkirchner-Burkali steckte. Matrosin oder Polizist – beide wussten mit dem Flügel der Achentalhalle sicher umzugehen. Die Jugendkapelle präsentierte sich geschlossen als Minions. Eine wilde Mischung an Kostümen im Gitarrenorchester. Und auch ein Pferd am Schlagzeug funktionierte wunderbar.
Das Programm spannte einen weiten Bogen. Das Gitarrenorchester unter Leitung von Theresa Ufertinger, Babsi Schlaipfer und Christiane Sennewald eröffnete mit dem „Tanz der Beduinen" und dem „Auftritt des Schlangenbeschwörers" von Harry Jäger. Später im Abend übernahm das Kinder- und Jugendorchester, die Jugendkapelle (JuKa) Wössen mit rockigen Titeln wie „Final Countdown" von Europe und „Born to be Wild" von Mars Bonfire. Die Mischung aus klassischen Stücken, Filmmusik und modernen Pop- und Rock-Hits zeigte die Bandbreite der Musikschule.
Einzelne Solisten traten mit Klavier, Violine, Schlagzeug und Klarinette auf. Das Klarinettentrio mit Xaver Wolfenstetter, Sara Pezerovic und ihrer Lehrerin Stefanie Menter etwa spielte den „Blondinenwalzer" von Herbert Pixner. Julia Entfellner am Konzertflügel interpretierte die Ouvertüre aus „Das fliegende Klassenzimmer" von Niki Reiser, während Kilian Wimmer mit Yann Tiersens „Fabelhafte Welt der Amelie" einen träumerischen Moment schuf.
Die Lehrer moderierten die Auftritte ihrer Schüler oft selbst – humorvoll und mit sichtbarer Freude am gemeinsamen Musizieren. Das Miteinander stand im Vordergrund.
Die Schüler zeigten sich durchweg engagiert und lieferten ihre Vorträge auf hohem Niveau. Gegen Ende des Abends erwies sich das Publikum immer mehr als takt- und textsicher. Den Schlusspunkt setzte in einem gelungenen Abend das Gemeinschaftsstück aller Mitwirkenden, der Power Rock.
fg