Kämmerer Wolfgang Kaindl (von links), Bürgermeister Ludwig Entfellner und Geschäftsleiter Thomas Müllinger bei der Vorstellung des Haushalts 2026 im Sitzungssaal des Rathauses.
Unterwössen — Den Weg, auf dem sich Unterwössen in die Zukunft bewegt, dessen Leitplanken zeigten Bürgermeister Ludwig Entfellner (CSU) und Verwaltungsleiter Thomas Müllinger dem Gemeinderat in der Sitzung am Montagabend auf. Für die Gemeinderäte waren die Zahlen nicht neu. Der zum Beschluss anstehende Haushalt 2026 war in einer Klausurtagung am 14. März im Schulhaus Oberwössen vorbereitet worden. Das Gremium zeigte sich geschlossen. Das knapp 11,9 Millionen Euro schwere Zahlenwerk passierte ohne Diskussionen und wurde einstimmig mit Wirkung zum 1. Januar 2026 verabschiedet. Neue Schulden nimmt die Gemeinde nicht auf.
Bürgermeister Entfellner blickte in seiner Einführungsrede durchaus positiv auf die Finanzen. Die finanzielle Situation der Gemeinde könne weiterhin als „zufriedenstellend" beschrieben werden. Trotz umfangreicher Baumaßnahmen in den vergangenen Jahren seien die Verbindlichkeiten stetig gesunken von 1.729.413 Euro Ende 2025 auf voraussichtlich 1.563.913 Euro Ende 2026. Die Pro-Kopf-Verschuldung lag Ende 2024 bei 559 Euro; im Landkreis Traunstein belegt Unterwössen damit Platz 19. Die Zinsen für die bestehenden Kredite befinden sich mit durchschnittlich 0,2 Prozent auf einem historisch niedrigen Stand.
Im Mittelpunkt der Investitionen stehen auch 2026 Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Für die Sanierung und den Umbau des Schulhauses Unterwössen sind 410.000 Euro eingeplant, wobei der Eigenanteil der Gemeinde bei 180.000 Euro liegt. Der offene Ganztagsbereich für die Klassen 5 bis 9 sei inzwischen fertiggestellt und »sehr, sehr gut geworden«, berichtete Entfellner. Für den Kindergarten St. Martin stehen im laufenden Bauabschnitt 900.000 Euro an Baukosten im Plan, davon 450.000 Euro als Eigenanteil der Gemeinde. Weitere Posten sind der Unterhalt des Kanalnetzes mit 450.000 Euro, die Erschließung einer Teilfläche im Gewerbegebiet Neuschmied mit 200.000 Euro sowie Straßensanierungen mit rund 300.000 Euro. Insgesamt belaufen sich die Investitionen auf 2.413.100 Euro.
Die Steuereinnahmen nannte Entfellner konstant gut. Den größten Einzelposten bildet der Einkommensteueranteil mit 2.530.000 Euro. Es folgt die Schlüsselzuweisung mit 1.424.000 Euro - Unterwössen profitiert vom kommunalen Finanzausgleich des Landes. Es folgt die Gewerbesteuer mit 1.150.000 Euro. Im Zuge der Grundsteuerreform wurde der Hebesatz auf 330 Prozent gesenkt. Wenn die Gemeinde weiterhin mit „Bedacht und Augenmaß" entscheide, werde man auch schwierige Begleitumstände meistern.
Dass solche Projekte und die Pflichtaufgaben ihren Preis haben, machte anschließend Geschäftsleiter Müllinger deutlich. Die Gemeinde habe „weniger ein Einnahmeproblem als vielmehr ein Ausgabeproblem", stellte er fest. Die Steuereinnahmen entwickelten sich zwar weiterhin leicht positiv, doch die Ausgabenseite wachse stärker. Die Personalkosten bezifferte er auf rund 1.644.600 Euro — etwa 20 Prozent des Verwaltungshaushalts und vergleichsweise niedrig. Die Kreisumlage mit einem Hebesatz von 51,5 Prozent schlägt mit 2.341.000 Euro zu Buche und dürfte sich in den kommenden Jahren weiter nach oben entwickeln. Der Rücklagenstand sinkt von 786.920 Euro auf 423.320 Euro. Die Zuführung zum Vermögenshaushalt (das Sparbuch einer Gemeinde) beträgt 1.059.000 Euro und überschreitet die gesetzliche Mindestzuführung um 893.500 Euro — ein Zeichen für eine noch intakte Finanzspanne. Dennoch seien Kreditaufnahmen in der Zukunft nicht ausgeschlossen, bereitete Müllinger das Gremium vor. Man müsse sich künftig auf das Wesentliche konzentrieren, denn „nicht alles Wünschenswerte ist machbar".
Der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses Markus Entfellner (FDP/UWW) sprach Kämmerer Wolfgang Kaindl - wie seine Vorredner auch - ein großes Lob aus. Wie vorausschauend in Unterwössen geplant werde, zeige sich daran, dass regelmäßig keine Nachtragshaushalte erforderlich seien. In den vergangenen zwölf Jahren habe die Gemeinde rund 30 Millionen Euro investiert, dabei gleichzeitig Schulden abgebaut und Rücklagen gebildet.
Kämmerer Kaindl verlas anschließend den formellen Beschlussvorschlag. Der Verwaltungshaushalt schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 9.298.100 Euro, der Vermögenshaushalt mit 2.603.600 Euro. Im Verwaltungshaushalt laufen wie auf einem Girokonto die regelmäßigen Ein- und Ausgaben der Gemeinde, während im Vermögenshaushalt ähnlich einem Sparbuch vor allem größere Investitionen verbucht werden. Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu.