Die Vorsitzende des Trachtenvereins D‘ Rechlberger Renate Bauer und ihre Stellvertreterin Verena Melhorn (beide außen) ehrten Maria Entfellner (60 Jahre), Elisabeth Göbl (50), Blasius Plenk (60) und Hans Pertl (70) für ihre langjährige Mitgliedschaft. Bert Buchner und Rosa Knoll erhalten die Urkunden für 65 Jahre Mitgliedschaft nachgereicht.
Unterwössen – Der Oberwössner Trachtenverein D‘ Rechlberger steht vor einem spannenden Jahr 2026. Das zeigte an ihrem Jahrtag die Jahreshauptversammlung im Oberwössner Poststüberl auf. 37 Kinder und Jugendliche in den Nachwuchsgruppen, sieben Neuanfänger sprechen für einen aktiven Verein. Die Feiern zum 100-Jährigen des Chiemgau-Alpenverbandes stehen an. Das und mehr berichteten Vorsitzende Renate Bauer und die Spartenleiter.
Bauer war dabei im Jubiläumshochamt, das der Chiemgau Alpenverband am 23. Januar des Jahres beging. Als einer der neuen Gründungsvereine erhielten D‘ Rechlberger im Anschluss im Gründungslokal, dem Hofwirt in Marquartstein, eine Ehrenurkunde, die künftig im Schulhaus einen Ehrenplatz finden soll.
Das vereinsinterne Jahr war dicht, berichtet Bauer: Vier Ausschusssitzungen, drei Gauversammlungen, drei Vorständeversammlungen. Das Wirtshausmusizieren war aus Termingründen abgesagt, alle anderen Vorhaben fanden statt. Trotz des Regens verzeichnete der Verein in der Trachtenwallfahrt nach Raiten eine gute Beteiligung, an Fronleichnam marschierten die Rechlberger hinter ihren zwei Fahnen.
„Sehr stolz“ zeigte sich Renate Bauer über die Oberwössner Beteiligung zum Gaufest in der Feldwies: Mit Weißbacher Musik und Leitwagen stellten 124 Rechlberger den 15. Platz in der Meistbeteiligung. Im Oberwössner Dorfschießen der Schützengesellschaft Hochwand holten die Rechlberger den Meistpreis; für ihre 48 Teilnehmer gab es 30 Liter Bier.
Aus diesem Frühjahr berichtete Bauer von der Gauchronik, die der Chiemgau-Alpenverband am 13. März präsentierte. Das Werk bringt stolze 2,9 Kilogramm auf die Waage und dokumentiert auf 440 Seiten mit rund 3.000 Fotos den Wandel der Tracht und die Geschichte des Verbandes. „Von der Gründung mit neun Vereinen bis heute mit über 9.700 Mitgliedern“, skizzierte Bauer den Inhalt. Die Chronik gibt es für 26 Euro bei ihr selbst und bei Kassier Max Irlinger.
Vorplattler Ludwig Winkler legte den Bericht der Aktiven vor – „hoffentlich kurz und bündig“, wie er ankündigte. Drei Sternproben für die kirchliche Hochzeit von Lena und Simon Aberger führten zu einem „brutal guaden Sterntanz“ in der Seegatterlalm. 19 reguläre Trachtenproben, zwei neue Aktive gewonnen, umriss er kurz. Beim Aktivenausflug ins Röthelmoos kamen zehn Leute tagsüber, sechzehn blieben über Nacht. „Alle haben es wieder gut nach Hause geschafft, wobei das bei einem am Kanonenpass nicht ganz sicher war.“ Derzeit bereiten die Aktiven den Heimatabend am 29. Mai im Poststüberl vor. Winkler lädt alle Dorfbewohner herzlich ein. Doch Winkler fand auch deutliche Worte: Die letzten Proben seien schwach besucht gewesen. Er mahnt er zur Disziplin: „Wir woin wieder a schens Trachtenjahr ham.“
Jugendleiterin Martina Irlinger dankte einleitend allen Spendern für die Unterstützung der Jugendarbeit – „egal ob es eine kleine Spende ist, von der wir Gummibärchen kaufen können, oder eine größere, die uns einen Ausflug ermöglicht“. Irlinger zeichnete ein lebendiges Bild der Kinder- und Jugendgruppe. Mit 36 Mitgliedern ist die Sparte stark besetzt. Ein besonderer Höhepunkt war das Achental Jugendpreisplatteln, das erstmals in München stattfand. „Total bärig“, kommentierte Irlinger den ersten gemeinsamen Auftritt von Kindern und Aktiven. Die Platzierungen zeugen vom sportlichen Ehrgeiz der Jüngsten. Bus und Anreise ermöglichte eine Spende des Verkehrsvereins. 22 normale Proben, sieben Zusatzproben, acht Auftritte zählte sie.
Der Mitgliederstand zum Stichtag: 16 Kinder, 20 Jugendliche – insgesamt 36. Sieben Neuanfänger stoßen in diesem Jahr dazu. „Der Trachtenverein ist für Alt und Jung – das ist einzigartig.“ Nachdrücklich warb Irlinger am Miteinander im Verein festzuhalten.
Röckifrauen-Vertreterin Vroni Klössinger berichtete von 13 Terminen mit Röcki, vom Palmsonntag bis zu beiden Volkstrauertagen in Ober- und Unterwössen. Beim Gaufest in der Feldwies waren 28 Frauen dabei, zwei neue Röckifrauen stießen hinzu.
Eine Episode aus dem Jahr erheiterte ihre Zuhörer: Die Unterwössner Röckiweiber nominierten die Rechlbergerinnen per Video für eine Baumpflanz-Challenge in den sozialen Medien. In einer spontanen Nacht- und Nebel-Aktion pflanzten die Oberwössnerinnen einen Haselnussbaum in Hinterwössen. Anschließend luden sie die Unterwössner Röckifrauen zum Ratsch ins Schulhaus um die 35 Frauen an einem Sonntagnachmittag.
Kassier Max Irlinger meldete ein nahezu ausgeglichenes Kassenjahr. Er ordnete die Zahlen ein: 2024 hätten außerordentliche Einnahmen aus Veranstaltungen das Ergebnis verbessert; dieser Effekt entfalle in regulären Jahren. Vor diesem Hintergrund unterstrich Irlinger die Bedeutung der vielen Spenden an den Verein und der vereinseigenen Aktionen, die helfen den Kassenstand zu halten.
Vroni Klössinger brachte es auf den Punkt: „In 105 Tagen ist Gaufestsonntag“, rechnete sie vom Jahrtag aus. Das Gautrachtenfest in Marquartstein am 26. Juli ist der große Termin des Vereinsjahres; Renate Bauer gab detaillierte Logistikhinweise zu Zeltstandort, Kirchenzug (ca. 1,1 km) und Festzug (ca. 4 km). Auch das 135-jährige Vereinsjubiläum D'Achentaler am 3. Oktober in Unterwössen steht im Kalender.
In seinem Grußwort für die Gemeinde sah Bürgermeister Ludwig Entfellner in dem guten Besuch der Veranstaltung auch einen Gradmesser. Ihm sei der Ausspruch der Vorsitzenden vom „Wandel der Zeit“ in Erinnerung geblieben. Dazu laufe bei ihm ein Film ab mit verschiedenen Schließungen von Gastwirtschaften in Unterwössen. Während andere das für den „Untergang des Abendlandes“ gehalten hätten, hätte es für ihn bedeutet, dass alles etwas kleiner, aber auch etwas dichter geworden sei. Und die Berichte der Versammlung stimmten ihn positiv. Martina Irlinger habe ein funktionierendes Vereinsleben aufgezeigt, Vroni Klössinger den Weg sich zu verändern und über Grenzen zu gehen. „Vor dem Wandel der Zeit müssen wir uns nicht fürchten“, so der Bürgermeister.
Zum Abschluss dankte Renate Bauer allen Mitgliedern und Unterstützern, voran dem Ausschuss. Besonders hob sie ihrer Stellvertreterin Verena Mehlhorn und ihren Vorgänger und Ehemann Andi Bauer hervor. Der schied mit dieser Sitzung nach einem Jahr als dritter stellvertretender Vorstand aus dem Ausschuss aus. Bauer schloss: „Heute geht ein neues Trachtenjahr für uns Oberwössner wieder los. Ich freue mich drauf.“
Der Tag begann um 9.00 Uhr mit dem Jahramt mit Pfarrer Alfons Lay in der Kuratiekirche Mariä Sieben Schmerzen.
fg