Am 01. Juli 2026 kam es in vielen Kommunen des Landkreises Bamberg zu außergewöhnlich heftigen Starkregenereignissen. Auch die Gemeinde Viereth-Trunstadt war hiervon betroffen. Die intensiven Niederschläge führten in vielen Ortsteilen zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen und örtlichen Überflutungen.
Nach Auswertung des Deutschen Wetterdienstes (KOSTRA-DWD-Atlas) wurde bei den Unwettern innerhalb von 15 – 30 min örtlich Niederschlagsmengen von rund 40 – 70 l/m² registriert. Solche Niederschlagsintensitäten entsprechen Statistisch einem Starkregenereignis mit einer Wiederkehrzeit von etwa 100 Jahren.
Das öffentliche Kanalnetz wird nach den anerkannten Regeln der Technik für sogenannten Bemessungsregen ausgelegt. Eine Auslegung der Kanalisation auf außergewöhnlichen Starkregenereignisse dieser Größenordnung ist technisch und wirtschaftlich nicht möglich. Selbst bei einer ordnungsgemäß dimensionierten und regelmäßigen Unterhaltung der Kanalisation kann es bei Extremniederschlägen eine Überlastung des Entwässerungssystem, zu Rückstau, sowie zu oberflächlich abfließenden Wasser kommen. Solche Ereignisse überschreiten die Bemessungsrade öffentlicher Entwässerungssysteme deutlich.
Die jüngsten Starkregenereignisse haben gezeigt, dass insbesondere oberflächlich abfließendes Wasser über Grundstücke und Verkehrsflächen zu erheblichen Schäden führen kann. Gleichzeitig kam es aufgrund der entnommenen Wassermengen stellenweise zu Rückstau im Kanalnetz. In einzelnen Bereichen trat das Wasser aus Schachtdeckeln aus oder staute sich in der Hausentwässerungsanlage zurück. Dadurch wurden Straßen überflutet und einzelne Grundstücke sowie Gebäude in Mitleidenschaft gezogen.
Die Gemeinde Viereth-Trunstadt weist deshalb darauf hin, dass der Schutz vor Rückstau und Starkregen nicht ausschließlich durch die öffentliche Kanalisation gewährleitet werden kann. Ein wesentlicher Teil der Eigenvorsorge liegt bei den Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern.
Gemäß §9 Abs. 5 der Entwässerungssatzung der Gemeinde Viereth-Trunstadt hat sich jeder Anschlussnehmer gegen den Rückstau des Abwassers aus der öffentlichen Entwässerungsanlage selbst zu schützen. Hierzu gehören insbesondere die eigenen Rückstausicherungen, beispielsweise Rückstauklappen oder Hebeanlagen, soweit diese erforderlich sind. Diese Einrichtungen sollten regelmäßig geprüft und gewartet werden, damit sie im Ernstfall zuverlässig funktionieren.
Die Gemeinde Viereth-Trunstadt kommt ihrerseits ihrer Verantwortung kontinuierlich nach. Hierzu gehören regelmäßig Kanalbefahrungen, Kanalspülungen, sowie Kanalinspektionen mit anschließender Zustandsbewertung des gesamten Kanalnetzes. Diese Maßnahmen dienen dazu, die Funktionsfähigkeit der öffentlichen Entwässerungsanlage dauerhaft sicherzustellen und mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen.
Darüber hinaus beabsichtigt die Gemeinde, ein kommunales Starkregen- Risikomanagement erstellen zu lassen. Hierfür hat der Gemeinderat im Juni 2024 den Grundsatzbeschluss gefasst. Nachdem die Fördermodalitäten des Freistaates Bayern veröffentlicht worden waren, hat die Gemeindeverwaltung unverzüglich einen entsprechenden Antrag zur Aufnahme in das Förderprogramm.
Das bayerische Förderprogramm ist derzeit jedoch stark nachgefragt. Seitens des Wasserwirtschaftsamtes Kronach verzögerte sich die Sachbearbeitung, auch musste vor der formellen Antragstellung durch die Gemeinde noch weitere Verfahrensschritte abgearbeitet werden. Die Gemeinde hat ihren Förderantrag zwischenzeitlich erneut eingereicht und hofft, noch im Rahmen des laufenden Förderprogrammes berücksichtigt zu werden. Ziel ist es, das Starkregen- Risikomanagement innerhalb der nächsten 1 ½ - 2 Jahre durchzuführen.
Von diesem Fachgutachten erwartet sich die Gemeinde wertvolle Erkenntnisse über die örtlichen Gefährdungsschwachpunkte sowie konkrete Handlungsempfehlungen für möglich kommunale Schutzmaßnahmen und für die Eigenvorsorge für Bürgerinnen und Bürger. Ziel ist es, die Auswirkungen zukünftiger Starkregenereignisse möglichst zu minimieren und die Widerstandsfähigkeit der Gemeinde zu stärken.
Starkregenereignisse treten infolge des Klimawandels treten in vielen Regionen Deutschlands öfter und intensiver auf. Einen vollständigen Schutz vor solchen Naturereignissen kann es nicht geben. Durch das Zusammenwirken einer leistungsfähigen öffentlichen Infrastruktur und einer konsequenten privaten Eigenvorsorge können die Risiken jedoch deutlich reduziert werden.
Die Gemeinde Viereth-Trunstadt bittet alle Bürgerinnen und Bürger, ihre Gebäude und Grundstücke auf einen ausreichenden Schutz vor Rückstau und Starkregen zu überprüfen und ggf. geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Gemeinsam können die Auswirkungen zukünftiger Extremwetterereignisse bestmöglich begrenzt werden.