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Gemeindebote Wartmannsroth
Ausgabe 6/2023
Aus der Gemeinde
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v.l. Birgit Wießner, Mario Hugo, Matthias Schmitt, Günther Schmitt, Volker Patig

Am Mittwoch, den 24.05.2023 um 6:00 Uhr morgens fand in diesem Jahr einer von vielen Einsätzen zur Kitzrettung mit Drohne und Wärmebildkamera in Waizenbach statt. Ehrenamtliche Drohnenpiloten, wie Mario Hugo und Steffen Kimbrough vom BJV Kreisgruppe Hammelburg e.V. waren zusammen mit dem Jagdaufseher Alexander Pfister (Jagdpächter Inka Hoppe/Werner Wirsing) und den Landwirten Lothar und Andreas Erhard sowie Günther und Matthias Schmitt, Volker Patig und weiteren Helfern-/innen vor Ort. Überflogen wurden insgesamt 25 ha Wiesenfläche. Hierbei konnten 12 Kitze und ein junger Feldhase vor dem Mähwerk gerettet werden.

Jedes Jahr zwischen April und Juni erleiden tausende von Rehkitze den Mähtod oder werden dabei schwer verletzt. Das Kitz folgt in den ersten 2 bis 3 Wochen seines Lebens dem sog. „Drückinstinkt“, d.h. es presst sich bei Gefahr flach auf den Boden und bewegt sich nicht mehr. Dies wird ihm jedoch leider zum Verhängnis, wenn der Landwirt seine Wiesen mäht und das Kitz im hohen Gras nicht sehen kann. Auch junge Feldhasen oder Bodenbrüter zählen zu den Opfern.

Ein schwer zu ertragender Anblick für Jäger und Landwirt, wenn einem Kitz die Beine abgemäht wurden und es von seinem Leiden erlöst werden muss.

Herkömmliche Maßnahmen zur Kitzrettung sind zeitintensiv und bieten keinerlei Sicherheit. Häufig gewöhnen sich die Ricken an die Maßnahmen (z. B. Flatterbänder) und stören sich nicht mehr daran. Beim Einsatz einer Drohne mit Wärmebildkamera kann das Kitz anhand der Temperaturdifferenz (Körpertemperatur der Kitze und der Bodentemperatur) geortet werden, weswegen die Einsätze möglichst in den frühen Morgenstunden erfolgen und im Anschluss daran direkt gemäht werden sollte. Neben dem geschulten Drohnenpilot werden noch zwei bis drei Helfer benötigt um die Kitze mit Einweghandschuhen und frischem Gras aus der Wiesenfläche zu bergen. Handschuhe und Gras deswegen, damit sie keinen anderen Geruch annehmen und schlimmstenfalls von der Geis verstoßen werden. Die Sicherung der Kitze in einer Transportbox oder Korb erfolgt solange, bis die Wiese gemäht ist (sollte zeitnah erfolgen) und das Kitz anschließend wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Dies erfolgt in unmittelbarer Nähe des Fundortes, so dass sich Kitz und Rehmutter wiederfinden können.

Für Waizenbach mit 483 ha Feld- und Wiesenfläche würde sich die Anschaffung einer eigenen Drohne lohnen und ein hohes Maß an Flexibilität für Landwirte und Jäger bedeuten. Ehrenamtliche Drohnenpiloten müssen mehrere Tage im Voraus informiert werden und sind dann meist schon in anderen Gebieten für Einsätze gebucht.

Die Anschaffungskosten solch einer mit Wärmebildkamera ausgestatteten Drohne liegen bei rund 7.000 EUR. Weiterhin werden u.a. Akkus, Walkie-Talkie, Sicherheitswesten und Transportkörbe benötigt. Eine lohnende Ausgabe, wenn man bedenkt, dass bei Verstoß gegen § 17 TierSchgG Geldstrafen von bis zu 7.500 EUR und mehr gegen Landwirte verhängt werden können, die vor der Mahd weder den Jäger informieren, noch ausreichende Vorsorgemaßnahmen treffen und somit billigend in Kauf nehmen, das Rehkitze getötet oder schwer verletzt werden.

Deshalb möchten wir gerne, wie bereits viele andere Landkreise und Gemeinden, mit gutem Beispiel vorangehen und eine eigene Drohne für unsere Gemeinde erwerben. Hierzu wäre eine gemeinschaftliche Anschaffung (z.B. Landwirte, Jagdgenossenschaft, Gemeinde Wartmannsroth, Spenden etc.) denkbar. Wir sind für jede Unterstützung dankbar. Geschulte Drohnenpiloten sind bereits für Waizenbach vorhanden, nur das notwendige Equipment fehlt.

Ebenfalls gesucht werden freiwillige Helfer, für die Bergung und Sicherung der Kitze.

Wer Interesse hat mitzuhelfen kann sich gerne an Birgit Wießner (0173 7142071) wenden. Sie übernimmt die Organisation und Einweisung der Kitzretter.

Für weitere Fragen oder Anregungen steht Ihnen Alexander Pfister (Jagdaufseher Waizenbach – 0171 3889007) zur Verfügung.