Joseph Seitz - Wemdinger Heimatbuch 1954 - S. 594f
…Wohl gab es ein Pflaster, aber dieses war denkbar schlecht und nicht überall vorhanden. Wenn dem wirklich so war, so waren höchstens der Marktplatz und einige Hauptstraßen mit einem primitiven Pflaster versehen. So verblieb es bis 1723 eine umfangreiche Pflasterung durchgeführt wurde. Aber auch dabei blieben noch große Partien, besonders die bergigen Gassen, die innere Mauer, das Tirol etc. ungepflastert. Erst als die Stadt die neue Wasserleitung und die Kanalisation bekam, wurde sie im Zuge dieser Erdbauten im Jahre 1911 neu und diesmal ganz gepflastert. Die Hauptstraßen erhielten dauerhaftes Granitpflaster und wurden mit passenden Fußsteigen versehen. Die beiden offen und ungedeckt durch die Stadt führenden Durchgangswässer (Wet- und Lützelbach) wurden durch teilweise Kanalisation 1862-1865 unterirdisch durch den Marktplatz geführt. Aber erst mit dem Bau der Wasserleitung 1909/10 wurde eine die ganze Stadt umfassende Kanalisation mit Kläranlage nach den Fordernissen der Hygiene und Technik gebaut, um so die Abwasser der Ausgüsse und Spülklosette abzuführen. Dabei wurden die letzten offenen Wasser unterirdisch durch die Stadt geleitet. Durch Erhebung von mäßigen Kanalgebühren will die Stadt ihre diesbezüglichen Auslagen bestreiten. Zum Unterhalt der Pflasterung erhebt die Stadt seit 1343 einen eigenen Zoll, der einst von den 3 Torwärtern vereinnahmt wurde und im Jahre 1856 z. B. 325 Gulden erbrachte. Diese Gefälle sind seit Aufhebung der Torwärter an Privatleute, die möglichst an den Stadteingängen wohnten, gegen eine monatliche Geldsumme verstiftet worden, bis schließlich nach dem 1. Weltkrieg die Zollerhebung allgemein in Wegfall kam. Strenge Handhabung der ortspolizeilichen Vorschriften sorgt jetzt für Sauberkeit und Ordnung in den Straßen und hilft dadurch auch mit zur Verschönerung der Stadt.