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Rund um den Grüntensee
Ausgabe 38/2021
Markt Wertach
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Katharina Raab ist neue Deutsche Meisterin 2021 mit dem Compoundbogen

Katharina Kutscher (Silber) , Katharina Raab (Gold) und Patrizia Roth (Gold)

Wertach/Wiesbaden

Besser hätte die Saison 2021 für Katharina Raab aus Wertach nicht enden können. Sie wurde bei der Deutschen Meisterschaft der Bogenschützen vom 10.09.-12.09.21 in der Hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden die neue Deutsche Meisterin mit dem Compoundbogen. Die Meisterschaft wurde vom Deutschen Schützenbund ausgerichtet, mit seinen 1,4 Millionen Mitgliedern einer der größten Sportverbände Deutschlands.

Der Compoundbogen ist eine Weiterentwicklung des klassischen olympischen Recurve Bogens. Durch mehrere technische Veränderungen ist bei dieser Bogenart die Präzision gegenüber den herkömmlichen Bögen deutlich verbessert worden. Die Wettkämpfe werden im Freien auf eine Distanz von 50m auf Ringscheiben geschossen, wobei die „Zehn“ nur einen Durchmesser von 8cm hat. Diese „Zehn“ ist somit nur ein klein wenig größer als ein Tennisball und doch das erhoffte Ziel eines jeden Pfeils. Damit dieser auch dort landet sind viele verschiedene Faktoren wie Wind, Sonnenstand und evtl. auch Regen zu beachten. Wer schon einmal einen Biathlonwettkampf gesehen hat, der weiß, dass der Wind auch dort eine gravierende Rolle spielt. Jedoch ist eine Biathlonkugel in etwa dreimal so schnell und hat 40mal weniger Fläche als ein Pfeil. Somit kann sich jeder ausmalen, um wie viel größer der Einfluss von Wind beim Bogenschießen ist.

Nach einer sehr guten Qualifikation, die Katharina mit einer persönlichen Bestleistung von 683 Ringen als Zweitplatzierte abschloss, ging es in die darauf anschließenden Finals. Hier konnte sie sowohl das Achtel- als auch das Viertelfinale mit dem jeweils besten Ergebnis jeder Runde gegen ihre Konkurrentinnen gewinnen. Beim Halbfinale drehte der Wind und überraschte ihre verbliebenen Konkurrentinnen, deren Pfeile weit abseits der Mitte ihr Ziel fanden. Katharina jedoch reagierte als einzige sofort auf die veränderte Situation und schoss eine perfekte 30. Das maximal erreichbare Ergebnis. Mit deutlichem Vorsprung zog sie so in das Goldfinale ein.

Dieses fand am darauffolgenden Tag mitten in der Landeshauptstadt Wiesbaden statt. Eine Finalarena war auf dem „Bowling Green“, ein prachtvoller Park mit Arkaden, Wasserbecken und Springbrunnen, direkt im Zentrum der Stadt vor dem Kurhaus und Casino errichtet worden. Zuschauer, Fernsehkameras und eine atemberaubende Kulisse forderten einiges an Nervenstärke von den Athleten.

„Die Kameras und die Zuschauer habe ich einfach ausgeblendet. Ich war absolut im Tunnel. Einzig auf das Ziel fokussiert. Aber ich glaube, dass hier in dieser Arena jeder Schütze aufgeregt ist. Ich war jedenfalls sehr aufgeregt. Schließlich schießt man nicht jeden Tag um die Goldmedaille der Deutschen Meisterschaft. Und meine sonstigen Wettkampf- und Trainingsorte schauen doch ein klein wenig anders aus.“ sagt die sympathische 23-jährige im anschließenden Interview mit einem Lächeln auf den Lippen.

Und so gingen auch die ersten drei Pfeile nicht optimal ins Ziel und Ihre Konkurrentin knapp in Führung.

„Jeder Finalkampf geht über 15 Pfeile. Fünfmal hintereinander drei Pfeile. Und jeder Pfeil zählt. Ich war zwar nach den ersten drei Pfeilen im Rückstand, doch wusste ich, dass ich mit den verbliebenen 12 Pfeilen noch Alles aufholen kann. Also habe ich mich auf meine Technik konzentriert und mich auf meine mentale Stärke verlassen. Und dieser Plan ging auf. In so einer Situation ist es gut, einen erfahrenen Trainer hinter sich zu haben, der einen kennt und mit den richtigen Worten wieder auf die Spur bringt. “

Schon in der nächsten Passe gelingt Katharina der Ausgleich und mit den darauffolgenden Pfeilen geht sie souverän in Führung.

„Vor den letzten drei Pfeilen war Katharina deutlich in Führung, so dass Ihr eigentlich nur noch ein technischer Defekt den Sieg vereiteln konnte. Aber dass Sie in der letzten Runde noch einmal voll aufdreht und dreimal in die Zehn schießt, damit habe auch ich nicht gerechnet.“ so ihr immer noch ziemlich sprachloser Trainer und Vater nach dem Wettkampf.

Mit einer abschließenden perfekten 30 gewinnt Katharina das Goldfinale und sichert sich den Titel der Deutschen Meisterin im Bogenschießen mit dem Compoundbogen. Der bislang größte Erfolg der gebürtigen 23-jährigen Allgäuerin die an der Hochschule Kempten Wirtschaftsinformatik studiert und im Markt Wertach im Oberallgäu wohnt und trainiert.

„Regelmäßiges Training ist die Grundvoraussetzung für diesen Erfolg. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir hier in Wertach auch die Möglichkeiten dazu haben. Ich möchte mich ganz herzlich bei Herrn Eugen Köberle bedanken, der uns auf seinem Grundstück am Ortsrand von Wertach im Sommer trainieren lässt und bei Göhl Busreisen Wertach, in deren Halle wir im Winter trainieren können. Ohne diese Unterstützung wäre ich nie so weit gekommen.“ betont die neue Deutsche Meisterin und geht anschließend überglücklich mit einer Vertreterin der NADA zur Dopingprobe.