Schwaben bildete neben Franken bereits seit der Frühen Neuzeit einen wichtigen Siedlungsraum für Juden. Auch in Fischach lassen sich erstmals im 16. Jahrhundert jüdische Bewohnerinnen und Bewohner nachweisen. Angesichts der intensiven Ansiedlungspolitik der Markgrafschaft Burgau nach dem Dreißigjährigen Krieg wuchs der jüdische Bevölkerungsanteil in der Staudengemeinde kontinuierlich an und erreichte im 19. Jahrhundert seinen zahlenmäßigen Höhepunkt.
Nach einem kurzen Spaziergang durch den einstigen jüdischen Siedlungsmittelpunkt im Ortszentrum wird im Rahmen der etwa eineinhalbstündigen Führung auch der jüdische Friedhof Fischachs besucht, der seit dem Jahr 1774 existiert und ehemals 420 Gräber umfasste. Anhand der noch vorhandenen Grabsteine lassen sich aussagekräftige Rückschlüsse auf die wechselvolle Geschichte der jüdischen Kultusgemeinde Fischachs ziehen, die mit der Deportation der letzten Fischacher Jüdinnen und Juden im August 1942 ein gewaltsames Ende fand.
Veranstalter: Heimatverein für den Landkreis Augsburg und Markt Fischach
Treffpunkt: Sonntag, 15. März 2026 um 15:00 Uhr am Marktplatz Fischach
Anmeldung dringend erforderlich unter heimatpflege@LRA-a.bayern.de oder 0821-3102 2547
Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine eigene Kopfbedeckung mitzubringen.
Im deutschsprachigen Raum gewann der politische Zionismus erst vor dem Hintergrund von Antisemitismus, Verfolgung und der zunehmenden Ausweglosigkeit jüdischen Lebens im nationalsozialistischen Deutschland an Bedeutung.
Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die säkulare Bewegung der Hechaluz, deren Ziel es war, jüdische Jugendliche und junge Erwachsene durch landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung auf die Auswanderung ins Mandatsgebiet Palästina vorzubereiten.
In Bayerisch-Schwaben fand diese Form der zionistischen Auswanderungsvorbereitung ab 1936 auch im heutigen Markt Fischach statt, wo eine Hachscharah (hebr. für Vorbereitung) eingerichtet wurde.
An diesem Beispiel werden sowohl die Einbindung Fischachs in überregionale zionistische Netzwerke als auch die besonderen lokalen Rahmenbedingungen eines ländlich geprägten Ortes mit langer jüdischer Tradition sichtbar.
Gleichzeitig zeigt sich, wie die zionistische Arbeit in Fischach zunehmend unter staatliche Kontrolle geriet und sich unter dem Druck nationalsozialistischer Verfolgung zwischen Anpassung, Überwachung und erzwungenem Aufbruch bewegte.
Die Veranstaltung findet um 19:00 Uhr im Pfarrheim Adolph Kolping in Fischach (Hauptstr. 4) statt. Referent ist Philip Weidner. Der Eintritt ist frei.
Veranstalter: Heimatverein für den Landkreis Augsburg und Kulturkreis Fischach e.V.