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Zusmarshausen - Der Marktbote
Ausgabe 21/2026
Vereine und Verbände
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Förderverein Historische Orgel Gabelbach - Augsburgs älteste Orgel steht in Gabelbach

Der Orgel-Förderverein erinnert an ihre wechselvolle Geschichte

Die Martinskirche in Gabelbach, eine der schönsten Barockkirchen des westlichen Landkreises, besitzt mit ihrer historischen Orgel einen geschichtsträchtigen musikalischen Schatz. Auch wenn sie sich organisch in die Architektur einfügt, so wurde sie nicht für diese Kirche gebaut.

Ihr originaler Platz war die Augsburger Barfüßerkirche, wo sie 1609 von dem damals bekanntesten Augsburger Orgelbauer Marx Günzer aufgestellt wurde. Dort erklang die Orgel fast 150 Jahre, bis sich die Barfüßergemeinde 1755 entschloss, sich von Johann Andres Stein – wiederum ein berühmter Klavier- und Orgelbauer – eine neue, wesentlich größere Orgel erstellen zu lassen, die den musikalischen Vorstellungen und Anforderungen der Zeit entsprach. Die Gemeinde bot das Instrument von Günzer als gut erhaltene, brauchbare Orgel „zu billigem Preis“ zum Kauf an. Der Gabelbacher Pfarrer Dominikus Paulus erwarb es für die neu erbaute Martinskirche, Johann Andreas Stein übertrug es an seinen neuen Platz. Die bemalten Seitenflügel mussten wegen Platzmangel abgenommen werden und sind seitdem verschollen.

So erklang nun eine Renaissance-Orgel in einer Barockkirche. Darum war es nicht verwunderlich, dass vor allem im 19. Jahrhundert der Wunsch nach einer klanglichen Veränderung entstand. Der Günzburger Orgelbauer Anselm Roschmann setzte neue Register ein, erweiterte den Tonumfang, baute einen freistehenden Spieltisch und passte die Stimmtonhöhe der damaligen Zeit an.

Durch diese umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen griff man stark in die originale Substanz der Günzer-Orgel ein. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts – die Orgel war inzwischen über 300 Jahre alt – stand die Entscheidung an, ob das Instrument durch einen Neubau ersetzt oder gründlich überholt werden sollte. Auf Empfehlung eines Gutachters einigte sich die Kirchengemeinde auf einen Kompromiss: Einerseits sollte der gewachsene Zustand erhalten bleiben, andererseits sollte die Orgel durch ein zweites Manual erweitert und auf Pneumatik umgestellt werden. Das historische Gehäuse blieb erhalten. 1934 führte der Augsburger Orgelbauer Max Dreher diese Arbeiten durch. Damit war eine Orgel mit einem neuen Klangcharakter entstanden, der mit der ursprünglichen Orgel von 1609 kaum mehr etwas zu tun hatte.

In den Jahrzehnten nach diesem gravierenden Umbau erschienen mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen über historische Orgeln in Schwaben, die letztlich den Nachweis lieferten, wo die Gabelbacher Orgel ursprünglich gestanden, wann und von wem sie gebaut worden war. Dieses wiedergewonnene Wissen veränderte den Blick auf die Orgel und gab ihr eine neue Bedeutung.

Als im Lauf der Jahre immer wieder Schäden auftraten und das Spiel beeinträchtigten, nahm der Gedanke einer Restaurierung – nicht Renovierung – immer klarere Gestalt an. Dies führte 1998 zur Gründung des „Fördervereins zur Restaurierung des hist. Orgel zu Gabelbach“. Er setzte sich zum Ziel, die ideelle und finanzielle Grundlage für diese sicher umfangreiche und teure Aufgabe zu schaffen. Damit begann ein neuer Abschnitt in der fast 400jährigen Geschichte der Günzer-Orgel.

(Der Verlauf der Restaurierung wird im nächsten Beitrag beschrieben)